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Gibt es keinen Radweg, können E-Scooter wie Fahrräder auch auf der Straße rollen. - © picture alliance/dpa
Gibt es keinen Radweg, können E-Scooter wie Fahrräder auch auf der Straße rollen. | © picture alliance/dpa

Paderborn So stellen sich Händler im Kreis Paderborn auf E-Tretroller ein

Neue Verordnung: In den örtlichen Fahrradgeschäften gibt es schon Modelle im Premiumbereich. Warum weitere Fahrzeuge erst im Herbst zu haben sein werden

Sabine Kauke
13.06.2019 | Stand 12.06.2019, 16:40 Uhr |

Paderborn. Mitte Juni tritt die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung in Kraft. Dann dürfen Elektro-Tretroller, die nicht schneller als 20 Stundenkilometer sind, auf Fahrradwegen benutzt werden. Gibt es keinen Radweg, können E-Scooter wie Fahrräder auf der Straße rollen. Wer sie nutzen will, muss mindestens 14 Jahre alt sein und sein Fahrzeug versichern. Die Paderborner Fahrradhändler registrieren durchaus eine Nachfrage nach E-Tretrollern und wollen diese ihren Kunden auch anbieten. Doch noch wird abgewartet. Im Herbst wird das Angebot größer Zweirad-Schwede am Frankfurter Weg hat ebenso wie Fachhändler Lockenhöff+Schulte im Benhauser Feld bereits ein Modell im hochpreisigen Segment für rund 2.400 Euro im Programm. Es ist für Straßen und gekennzeichnete Radwege freigegeben, zusammenklappbar, fährt bis zu 20 Stundenkilometer schnell und muss haftpflichtversichert werden. „Viele wissen gar nicht, dass es diesen BMW-Tretroller schon seit anderthalb Jahren gibt", sagt Ingo Pahrmann, Geschäftsführer bei Löckenhoff + Schulte. Er will künftig auch günstigere Modell anbieten, aber ausnahmslos E-Tretroller, die im öffentlichen Raum erlaubt sind. Er schätzt, dass Kunden „1.000 bis 1.500 Euro für ein vernünftiges Gerät" ausgeben müssen. „Wir machen keinen Schnellschuss. Auf den Messen im Juli und August wird uns sicher einiges präsentiert", geht Pahrmann davon aus, dass er zum Herbst mehrere Modelle im Laden haben wird. Undurchsichtige Rahmenbedingungen Einen E-Scooter im Premium-Bereich von Metz, ebenfalls auf Straßen einsetzbar, bietet auch das Bielefelder Unternehmen Lucky Bike für rund 2.000 Euro in Paderborn an. „Wir verkaufen das Modell häufiger", heißt es dort. Interessiert seien vor allem ältere Menschen ab 50 Jahren. „Wir sind auf jeden Fall dran", sagt auch Lars Galetzka, bei Zweirad Fulland in Hövelhof zuständig für den Einkauf. Aber noch seien die Rahmenbedingungen nicht ganz durchsichtig. Selbst beim Kraftfahrtbundesamt habe man ihm keine konkreten Antworten geben können und einige Hersteller hielten ebenfalls noch die Füße still. „Da wage ich es nicht, mir jetzt schon das Lager voll zu packen", erklärt der Fachmann. In Hövelhof würden die E-Scooter bisher „ganz wenig" nachgefragt. Vorbestellungen sind möglich Auch Elektronikmärkte bieten E-Scooter an. „Aber die Modelle, die derzeit im Sortiment von Mediamarkt sind, dürfen nur auf privatem Gelände genutzt werden, weil sie nicht den gesetzlichen Anforderungen an eine Straßenzulassung entsprechen", erklärt Eva Simmelbauer aus der Pressestelle der Media-Saturn-Holding. Es sind also reine Spaßfahrzeuge, die man nicht auf öffentlichen Wegen und Straßen nutzen darf – ansonsten drohen Bußgelder und Punkte in Flensburg. Und bei Unfällen fehlt der Versicherungsschutz. Aber im Online-Shop von Mediamarkt und Saturn können diverse neue Modelle, die im öffentlichen Verkehr genutzt werden dürfen, vorbestellt werden. „Es gibt bereits erste Vorbestellungen", weiß Eva Simmelbauer. Das günstige Modell soll voraussichtlich im Sommer für etwa 400 Euro zu haben sein. Eine Konkurrenz zum E-Bike oder Fahrrad sieht die Fahrradbranche in E-Scootern nicht. „Tretroller sind vor allem was für die Großstadt. Man trägt lieber einen handlichen Roller in den vierten Stock als ein schweres Fahrrad", meint Lars Galetzka. E-Bikes werden für größere Distanzen genutzt, Scooter eher für Kurzstrecken. Einen Hype erwartet man für die Region übrigens nicht. Polizei appelliert für ein Miteinander Für die Paderborner Polizei sind E-Scooter „noch gar kein Thema", wie Sprecher Michael Biermann erklärt. Wie sich der Verkehr mit Elektrotretrollern im Zusammenspiel mit Radfahrern, Autos und Fußgängern entwickeln wird, vermag er nicht zu prognostizieren. „Wichtig sind gegenseitiges Verständnis, Geduld und Rücksichtnahme", appelliert der Polizeisprecher für ein Miteinander aller Beteiligten. Überlegen sollte man beim Kauf, wofür man das Gerät braucht, rät Ingo Pahrmann. Für Pendler sind beispielsweise Faltbarkeit und ein geringes Gewicht wichtig. Für andere Nutzer kommt es vielleicht mehr auf die Reichweite an. Oder auf das zulässige Gesamtgewicht.

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