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Zuletzt konnte "Wir sind Kirche" (rechts im Bild Manfred Dümmer) nur wenige Demonstranten mobilisieren. Dieses Jahr sollen es mehr sein. - © Björn Leisten (Archivfoto)
Zuletzt konnte "Wir sind Kirche" (rechts im Bild Manfred Dümmer) nur wenige Demonstranten mobilisieren. Dieses Jahr sollen es mehr sein. | © Björn Leisten (Archivfoto)

Paderborn Warum zur Priesterweihe in Paderborn demonstriert wird

"Wir sind Kirche" ist mit den bekannten Forderungen zurück und hofft auf Verstärkung von "Maria 2.0"

Birger Berbüsse
07.06.2019 | Stand 08.06.2019, 14:11 Uhr

Paderborn. Sie sind wieder da - und sie werden deutlich in der Überzahl sein. Wenn am Samstag vor Pfingsten, 8. Mai, drei junge Männer zu Priestern geweiht werden, stehen vor dem Paderborner Dom mindestens zehn Demonstranten der innerkirchlichen Reformbewegung "Wir sind Kirche". Im vergangenen Jahr war die Kundgebung mangels Aktivisten erstmals seit 1995 ausgefallen. Sprecher Manfred Dümmer hofft in diesem Jahr auf Rückenwind durch die Maria 2.0-Bewegung. Die Paderborner Initiatorinnen haben dem jedoch bereits eine Absage erteilt. Mit Handzetteln, Bannern und Plakaten will "Wir sind Kirche" auf dem Marktplatz vor dem Paderborner Dom für die Öffnung des Priesteramtes für Frauen und Verheiratete protestieren. "Wir fordern ja schon seit Jahren einen alternativen Zugang zum Priestertum", sagt Manfred Dümmer im Gespräch mit nw.de. Er ist froh, dass er in diesem Jahr so viele Mitstreiter gewinnen konnte, nachdem es in den Vorjahren stets sehr wenige bis gar keine gewesen waren. Dümmer hofft, dass am Samstag sogar noch einige mehr hinzukommen. Denn die Demonstration sei für Frauen auch eine konsequente Weiterführung nach "Maria 2.0". Unter diesem Motto hatten deutschlandweit Katholikinnen eine Woche lang keine Kirche betraten und keinen Dienst geleistet, um sich für mehr Frauenrechte in der Kirche stark zu machen. Unter anderem forderten sie, dass auch Frauen zu Priestern geweiht werden können. Warum die "Maria 2.0"-Initiatorinnen eine Teilnahme ablehnen "Dadurch ist das Thema noch mal stärker ins Gedächtnis gerufen worden", sagt Manfred Dümmer, der sich davon Rückenwind für die Demonstration und die Anliegen von "Wir sind Kirche" verspricht. Unter anderem hat er bei der kfd und dem BDKJ für die Veranstaltung geworben. Zumindest die sieben Initiatorinnen von "Maria 2.0" in der Paderborner Südstadt-Pfarrei St. Julian lehnen ein Mitwirken an dem Protest jedoch ab. "Grundsätzlich teilen wir die Anliegen", sagt Magdalena Schlüter auf Anfrage stellvertretend für die Gruppe. "Allerdings finden wir eine Demo parallel zur Priesterweihe ungünstig, um darauf aufmerksam zu machen." Das sei einfach nicht die richtige Form. Die Initiatorinnen nehmen deshalb von einer Teilnahme Abstand, schließen aber nicht aus, dass möglicherweise andere Frauen mitmachen. Schlüter betont allerdings gegenüber nw.de, dass auch Maria 2.0 in Paderborn die Forderungen weiter verfolge und dafür stärkere Netzwerke aufbauen wolle. Das bekommen die Neupriester von den Demonstranten Dümmer legt Wert darauf, dass sich der Protest nicht gegen die Neupriester selbst richtet. "Ihnen werden wir wie in jedem gratulieren und ein Geschenk überreichen", betont er. Drei Bücher bringt er in diesem Jahr mit nach Paderborn, früher lag die Zahl deutlich im zweistelligen Bereich. Doch das ist längst vorbei. Der Trend ist im Erzbistum Paderborn schon seit Jahren negativ. 2015 wurde mit gerade einmal zwei Diakonen der Tiefstand erreicht, der 2018 wiederholt wurde. 2017 waren es immerhin fünf, 2016 nur drei. So viele Priester werden auch in diesem Jahr geweiht. Das Erzbistum ist damit aber natürlich kein Einzelfall, deutschlandweit hat die katholische Kirche mit dem Priestermangel zu kämpfen. In NRW werden in diesem Jahr 16 Neupriester geweiht. Für die Paderborner Erzdiözese ist jeder neue Priester "ein Geschenk, für das wir dankbar sind". Auf Anfrage von nw.de verwies das Generalvikariat darauf, dass sich die Zahl der Weihekandidaten in den vergangenen Jahren auf stabilem Niveau bewegt hätte. Aber dennoch: "Wir müssen in dieser Zeit des Umbruchs und der Neuausrichtung die verschiedenen Verantwortlichkeiten in der Kirche so zusammenfügen, dass alle Gläubigen gemeinsam Verantwortung für ihre Kirche übernehmen und tragen können." Schließlich sei die Kirche nicht nur eine Gemeinschaft von geweihten Priestern, sondern eine Gemeinschaft aller Gläubigen. Die entscheidenden Weichen dafür seien bereits gestellt. Zum angekündigten Protest hieß es aus der Pressestelle: "Wir nehmen diese Wünsche nach Veränderung ernst." Aber kein Wandel könne von jetzt auf gleich gelingen - schon gar nicht, wenn er nachhaltig sein soll. "Was wir brauchen, ist Dialogfähigkeit und Verständnis füreinander - auf allen Seiten." Es sind allerdings derzeit keine expliziten Gespräche geplant. Das Erzbistum sei aber dialogbereit. Priester statt Profifußballer Im Paderborner Dom erhalten am Samstag ab 10 Uhr die drei Diakone Sascha Heinrich (Letmathe), Daniel Wäschenbach (Bielefeld) und Patrick Kaesberg aus Schloß Neuhaus das Weihesakrament. Der 32-Jährige wäre beinahe Profifußballer geworden, spielte unter anderem für den SC Paderborn in der A-Junioren-Bundesliga und für den SV Darmstadt in der Regionalliga. Dann schwenkte er nach einem Sinneswandel auf die Priesterlaufbahn um. "Ich habe meine Erfüllung gefunden", sagte Kaesberg im vergangenen Jahr anlässslich seiner Diakonenweihe im Gespräch mit nw.de. Der Weihe-Gottesdienst im Dom mit Erzbischof Hans-Josef Becker beginnt um 10 Uhr.

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