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Protestaktion: Über 80 Mitarbeiter von Atos und Unify protestierten gegen Umstrukturierungspläne auf ihre Kosten. - © IG Metall
Protestaktion: Über 80 Mitarbeiter von Atos und Unify protestierten gegen Umstrukturierungspläne auf ihre Kosten. | © IG Metall

Paderborn Paderborner IT-Mitarbeiter protestieren gegen Umbau auf ihre Kosten

Bundesweit 1.600 Beschäftigte von Atos und Unify sollen von Vorruhestand oder Auslagerung betroffen sein

Hans-Hermann Igges
23.05.2019 | Stand 23.05.2019, 17:29 Uhr

Paderborn. Beim Paderborner IT-Dienstleister Atos und dem dazu gehören Unternehmen Unify stehen die Zeichen auf Streit. Laut IG Metall protestierten am Morgen über 80 Kolleginnen und Kollegen der beiden Firmen am Heinz-Nixdorf-Ring gegen einen geplanten Umbau des Unternehmens auf ihre Kosten. Nach Angaben von Konrad Jablonski, der zur bundesweiten Verhandlungskommission der IG Metall gehört, soll in der nächsten Woche und im Juni erstmals über Vorschläge der Unternehmensführung verhandelt werden. Danach möchte Atos Unterstützung für einen umfangreichen Unternehmensumbau erreichen, um das Unternehmen profitabler zu machen. Bis 2021 sollen nach Gewerkschaftsangaben bundesweit fast 1.600 Arbeitsplätze abgebaut und verlagert werden, die meisten davon über Vorruhestandsreglungen; mehr als 600 Arbeitsplätze sollen aber in andere Firmen ausgelagert werden. Insgesamt beschäftigte Atos 2018 in Deutschland 12.000 Mitarbeiter. Am Standort Paderborn arbeiten davon 608 bei Atos direkt sowie 29 bei Unify. Wie Konrad Jablonski gegenüber nw.de erläuterte, sei schon im Rahmen der Tarifeinigung im vergangenen Jahr vereinbart worden, zwischen Unternehmen und Gewerkschaften über anstehende Strukturprobleme zu sprechen. Nunmehr habe Atos entsprechende Vorschläge gemacht. Aufgrund einer geplanten Änderung von Tätigkeitsschwerpunkten und Job-Profile sollen demnach bundesweit außerdem 800 Beschäftigte qualifiziert und intern auf einen neuen Arbeitsplatz versetzt werden. Wer zahlt die Qualifizierung? Mit dieser groß angelegten Qualifizierungsinitiative sei die IG Metall einverstanden, wenn alle Beschäftigten mitgenommen und weder beruflich noch privat überfordert würden, so die Gewerkschaft in ihrer Stellungnahme. Abgelehnt werde aber das Finanzierungskonzept des Unternehmens: Finanziert werden sollen die Qualifizierungskosten laut Gewerkschaft nämlich weitgehend durch die Beschäftigten selbst: Die Gehälter sollen befristet reduziert werden, Gleitzeitkonten sollen gekappt werden, das 13. Monatsgehalt solle genauso wie Reisevergütungen reduziert werden und die zukünftigen Tariferhöhungen sollen nur noch zu 70 Prozent weitergegeben werden. Dagegen setzen der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall ihre Forderungen nach ausschließlich sozial verträglichen Maßnahmen zur Kapazitätsanpassung, nach einer Beschäftigungssicherung über fünf Jahre und einer gesicherten Finanzierung der Qualifizierungsmaßnahmen durch die Firma Atos. In Paderborn gab es kurze Ansprachen von Günter Neumann als Leiter der IG Metall Vertrauensleute, Carmelo Zanghi als Erster Bevollmächtigter der IG Metall und von Konrad Jablonski. Dieser erklärte laut Pressemitteilung der IG Metall: „Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten jetzt zur Kasse gebeten werden, weil jahrelang keine vernünftige Qualifizierung in neuen Themen durchgeführt wurde oder immer wieder für die kurzfristige Verbesserung der Ergebnisse geopfert wurde." Seitens der Atos-Firmenleitung in Paderborn war bisher dazu noch kein Sprecher zu erreichen.

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