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Bei der Aufstiegsfeier am Rathaus: Die erfolgreichen Aufsteiger um SCP-Trainer Steffen Baumgart (4. v. r.). - © Besim Mazhiqi
Bei der Aufstiegsfeier am Rathaus: Die erfolgreichen Aufsteiger um SCP-Trainer Steffen Baumgart (4. v. r.). | © Besim Mazhiqi

Paderborn Wie der SCP-Aufstieg Paderborns Image nach vorne bringen soll

In der kommenden Erstliga-Saison soll der Fußballklub die Aufmerksamkeit auf die Stadt lenken.

Holger Kosbab
22.05.2019 | Stand 22.05.2019, 07:22 Uhr |

Paderborn. Die Stadt Paderborn hat wieder eine erstklassige Werbe-Lokomotive: Wie schon in der Saison 2014/15, als der SCP erstmals in der 1. Liga kickte, wird das Stadtmarketing für die Image-Bildung Paderborns auch in der kommenden Spielzeit auf den Fußball-Klub setzen. "Wir werden den Aufstieg nutzen, um die Vorzüge Paderborns deutlich zu machen und bundesweit für entsprechende Aufmerksamkeit zu sorgen", sagt Stadtmarketingchef Jens Reinhardt. Schon die erstklassige Saison vor fünf Jahren war aus Sicht des Stadtmarketings unbezahlbar und bot die Möglichkeit, die Stärken Paderborns bundesweit zu präsentieren. 200.000 Euro ließ sich die Stadt ihre begleitende Imagekampagne "Paderborn ist erstklassig" kosten. Was diesmal kommt? "Wir sind noch nicht am Ende der Überlegungen", sagt Reinhardt, der auf die gemachten Erfahrungen aufbauen kann. Klar ist aber, dass das Stadtmarketing im Vorfeld des Starts der 1. Liga in die Offensive gehen wird. "Nicht nur im Fußball erstklassig" Durch den Aufstieg gebe es einen enormen Anstieg des Bekanntheitsgrades von Paderborn und der Region, sagt Jürgen Behlke, Leiter der IHK-Zweigstelle Paderborn-Höxter. "Was man ansonsten nur durch viel Werbeaufwand erreichen könnte, bekomme man jetzt als Nebenprodukt des Aufstiegs des SCP." Sei eine Stadt ein Bundesliga-Standort, so erleichtere dies Verantwortlichen aus Wirtschaft und Tourismus schon einmal die Erstansprache. Auf den ersten Bekanntheitsschub nach dem ersten SCP-Aufstieg in die 1. Liga vor fünf Jahren könne vielleicht aufgesattelt und weiter am Image gefeilt werden: "Dass Paderborn nicht nur im Fußball erstklassig ist, sondern auch in anderen Bereichen", sagt Behlke. "Mannschaftsgeist bringt uns nach vorne" "Ich erwarte ein absolutes Image-Plus", sagt Otto Drosihn, Vorsitzender des Vereins „Paderborn überzeugt". Der Aufstieg sei eine Chance, um zu zeigen: "So ist Ostwestfalen, so ist Paderborn: Wir sind dynamisch und bringen unsere Themen genauso voran, wie uns der Fußball das vormacht." Teamgeist stehe hinter dem Aufstieg des SCP. "Und Mannschaftsgeist ist es, was uns nach vorne bringt: Im Fußball, in der Stadt und in Europa." Auch wenn Paderborn wieder absteigen sollte, so sei etwas gewonnen: "Paderborn ist in aller Munde, alle sprechen über uns", so Drosihn. Was wiederum Unternehmen helfen könne, dringend gebrauchte Fachkräfte zu binden. Genauso sollten Start-ups in Paderborn bleiben - als Ausdruck der Wirtschaftsdynamik. Immerhin könne man sagen, dass Paderborn die Stadt mit dem Fußballklub ist, der immer wieder aufsteigt. Mehr Touristen nach dem ersten Aufstieg Auch der Tourismus wird den Ball aufgreifen, sagt Karl Heinz Schäfer, Geschäftsführer des Verkehrsvereins und der Tourist-Info. "Es gibt zwar noch keine konkreten Planungen, aber wir machen mit Sicherheit etwas." In der Saison 2014/15 hatte Schäfer für jedes Heimspiel zehn Pakete mit zwei SCP-Karten, Übernachtung und eine Stadtführung im Angebot. "Das würden wir gerne wieder machen", sagt Schäfer. Es lasse sich aber zahlenmäßig nur schwer sagen, inwiefern der Fußball mehr Touristen nach Paderborn geführt habe. Fakt ist aber: In den Erstligajahren 2014 und 2015 gab es in der Tourist-Info mehr Besucher. Eine bedeutende Größe für Paderborn ist der Tourismus mit 325.000 Übernachtungen in jedem Fall. Und die Zahl der Tagestouristen liegt etwa zehnmal so hoch. David im Kampf gegen Goliaths Aus Sicht von Andreas Eggert, Professor für Marketing an der Uni Paderborn, biete der Aufstieg die Chance, "auf die mentale Landkarte zu kommen". Durch die Erstliga-Premiere 2014/15 entstanden bereits Aufmerksamkeit und Interesse an der Stadt - die ersten beiden Stufen des AIDA-Modells. Auf Attention und Interest folgen Desire (Wunsch) und Action (Handlung). Hierbei müsse etwa von Unternehmen der Wunsch zu tatsächlichem Handeln entstehen. Der Boden dafür sei in Paderborn jedenfalls bereitet. "Jetzt muss man sich überlegen, wie man darauf aufbaut", sagt Eggert. Ostwestfälische Bodenständigkeit sei zwar das Fundament, mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit "könne man das geschickt nutzen, um sich künftig stolzer zu präsentieren". Glück gehöre zwar dazu, doch es sei kein Zufall, wenn man zweimal aufsteigt. Paderborn könne dabei auf den Sympathie-Bonus setzen, den der SCP als David im Kampf gegen Goliaths besitze. Dieses Image könne sich auf die Stadt und Region übertragen, sagt Eggert. Und da könne Paderborn noch immer einen Schub vertragen: Denn bedauerlicherweise sei es in der aktuellen Berichterstattung weiterhin als Provinzstadt bezeichnet worden.

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