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Die erste Maus ist jetzt in Paderborn zu Hause: Rainer Mallebrein hält seine Erfindung, die "Rollkugel", in der Hand. - © Kristina Grube
Die erste Maus ist jetzt in Paderborn zu Hause: Rainer Mallebrein hält seine Erfindung, die "Rollkugel", in der Hand. | © Kristina Grube

Paderborn HNF Paderborn: Die erste Computermaus kommt gar nicht aus Amerika

Rainer Mallebrein ist der Erfinder der deutschen "Rollkugel". Und die kam noch vor dem amerikanischen Pendant auf den Markt

Kristina Grube
14.05.2019 | Stand 14.05.2019, 20:13 Uhr

Paderborn. "Das können die Amerikaner gut: Die 'Firsts' für sich vereinnahmen", sagt Jochen Viehoff, Geschäftsführer des "Heinz Nixdorf Museumsforums". Dabei seien viele technische Entwicklungen parallel gelaufen. Und so ist das auch bei der Computermaus geschehen, die nicht - wie immer gedacht - vom amerikanischen Wissenschaftler Douglas Engelbart als erstes erfunden wurde. Der deutsche Diplom-Ingenieur Rainer Mallebrein war mit seiner "Rollkugel" nicht nur früher dran, sein Gerät hatte auch entscheidende Vorteile zum amerikanische Gegenstück. Die deutsche Maus war weit überlegen Als Geburtsstunde der Computermaus gilt allgemein der 9. Dezember 1968. Das war das Datum, an dem Engelbart seine rechteckige, hölzerne Maus der Öffentlichkeit in einer 90-minütigen Live-Präsentation vorstellte. Dass Rainer Mallebrein mit seiner "Rollkugel" bereits zwei Monate früher auf dem Markt war, fand der Technikhistoriker Ralf Bülow vor zehn Jahren heraus. Im Auftrag der FH Kiel habe er für eine Museumsausstellung eine Sammlung aufgearbeitet und dafür zahlreiche Handbücher, Zeitschriften und anderes Begleitmaterial durchgesehen. "In einem Bericht vom Oktober 1968 fand ich ein Foto vom TR-440 - und da hing noch etwas dran", erklärt Bülow. Nämlich die Rollkugel von Mallebrein, die sich mit ihrer runden Form bereits der Handform anpasste und eine Kugel statt eines Rades besaß, die die Maus weitaus beweglicher machte. "Mit dieser Konstruktion waren wir der amerikanischen Maus weit überlegen", erklärt Mallerbrein, der persönlich auf der Pressekonferenz im Computermuseum dabei war. Die Erfindung geriet in Vergessenheit Doch wie konnte sie dann in Vergessenheit geraten? Möglicherweise aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte. Rainer Mallebrein entwickelte die Rollkugel für das Unternehmen Telefunken, das auch Computer baute. Dessen Spitzenprodukt war damals der TR-440. "Das war ein Hochleistungsrechner für die Bundesanstalt für Flugsicherung, der an Universitäten und Fachhochschulen verkauft wurde", sagt Mallebrein. 10 bis 20 Millionen Mark habe das Gerät gekostet und sei daher nur 46 Mal verkauft worden. Und nicht jeder der Rechner sei mit einer Rollkugel, die noch einmal rund 1.500 Mark gekostet habe, ausgestattet worden. Aufgrund der geringen Verbreitung des TR-440 und seiner Maus sei diese geniale Erfindung schließlich in Vergessenheit geraten. Es existieren noch vier Rollkugeln Einen Versuch, die Erfindung der Rollkugel zu sichern, unternahmen Mallebrein und Telefunken seinerzeit noch. "Wir meldeten ein Patent an, doch das wurde wegen einer zu geringen Erfindungshöhe abgelehnt", sagt Mallebrein. 150 Rollkugeln seien insgesamt produziert worden, 46 verkauft - und von vier Geräten ist heute bekannt, dass sie noch existieren. Eine im "Computer History Museum" im kalifornischen Mountain View, im Computermuseum der Universität Stuttgart, im Leibniz-Rechenzentrum im bayerischen Garching und ab jetzt im HNF Paderborn als Dauerleihgabe von Mallebrein. Die Rollkugel in Paderborn ist von den vier letzten Exemplaren die am besten Erhaltenste. Erst seit 2018 befand sie sich wieder im Besitz von Mallebrein, nachdem er sie einem ehemaligen Kollegen abkaufte, der seinerzeit den Lagerbestand von Telefunken aufgekauft hatte. "Von 50 Euro hat er mich auf 200 Euro hochgehandelt", sagt Mallebrein und lacht. Die Rollkugel und weitere 45 Mäuse sind dauerhaft im HNF Paderborn zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen: dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 18 Uhr.

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