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Blick über den Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn. - © Marc Köppelmann
Blick über den Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn. | © Marc Köppelmann

Kreis Paderborn Naturschützer präsentieren düstere Prognosen für die Senne

Beunruhigt: Fritz Buhr und Berthold Braxmann informieren über die weitere Nutzung der Truppenübungsplätze. Sie warnen vor den Konsequenzen

Juila Stratman
08.05.2019 | Stand 08.05.2019, 16:59 Uhr

Bad Lippspringe. Wie geht es weiter mit der Senne? Was wird aus dem geplanten Nationalpark und gibt es bald noch mehr Militärübungen auf dem Truppenübungsplatz? Diese Fragen standen am Dienstagabend im Mittelpunkt der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Bad Lippspringe. Der Aktionskreis Freie Senne informierte alle Interessierten über die Zukunft dieser Landschaft. In der kommenden Ausgabe ihrer Zeitung „Unsere Senne" befassen sich 12 Autoren mit diesem Thema. Einer von ihnen ist Fritz Buhr, Sprecher der Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände. Er beschäftigt sich mit den Änderungen des Landesentwicklungsplans NRW. Die Konsequenzen des veränderten Plans präsentierte er im Evangelischen Kirchenzentrum. Das Ziel, einen Nationalpark auf dem Truppenübungsplatz Senne zu errichten, wurde aus dem 2017 veröffentlichten Landesentwicklungsplan gestrichen. Diese Entscheidung habe vor allem Auswirkungen auf die Landschaft. Dem Bundesforst fehlt das Naturverständnis „Man muss anerkennend sagen, dass die Briten rücksichtsvoll mit der Natur umgehen", gestand Buhr. Dieses Naturverständnis der Briten fehle jedoch dem Bundesforst. Der Verzicht auf einen Nationalpark ermögliche ihnen die weitere und noch intensivere forstwirtschaftliche Nutzung der Waldbereiche. Zudem müssten auch im neuen Regionalplan schädliche Auswirkungen auf die Landschaft z. B. durch nahgelegene Gewerbebetriebe oder Windkraftanlagen nicht mehr berücksichtigt werden. „Der Landschaftsraum, der alle Qualitätsmerkmale eines zukünftigen Nationalparks aufweist, wird Schritt für Schritt zerstört." Mit diesen Worten verwies Buhr darauf, dass der Erhalt der naturräumlichen Voraussetzungen gefährdet sei. Und doch hätten die umliegenden Kreise, bis auf Bad Lippspringe, keine Einwände erhoben. Auch die Anwohner waren beunruhigt. Heidi Buhr verdeutlichte in der Diskussionsrunde die Besonderheit der Landschaft, der Pflanzen und Tiere in der Senne. „Das könne man nicht einfach so aufgeben", sagte die Paderbornerin und forderte mehr Einsatz für die Senne. Ein Vorschlag aus den Reihen der Anwesenden war die Ausstrahlung einer Dokumentation, um der Bevölkerung die Einmaligkeit dieser Landschaft bewusst zu machen. "Truppenübungsplätze sollten überflüssig sein" Auch Regine Jäger betonte, wie wichtig es sei, auf den unverantwortlichen Umgang mit Ressourcen hinzuweisen. „Besonders interessant fand ich die Konsequenzen, die Herr Buhr in seinem Vortrag verdeutlicht hat. Die liest man sonst nirgendwo", sagte die 68-Jährige anschließend. Überhaupt seien Truppenübungsplätze ihrer Meinung nach überflüssig. Damit teilt sie Berthold Braxmanns Auffassung. Der Friedensaktivist und Mitglied vom Linken Forum Paderborn ist ebenfalls einer der Autoren in der Zeitung und hielt an diesem Abend den zweiten Vortrag. Er beschäftigte sich mit der künftigen militärischen Nutzung des Truppenübungsübungsplatzes und der Frage, warum die Senne überhaupt weiterhin für Übungen genutzt werden müsse. Aufgrund der veränderten militärischen Lage in Osteuropa würden zahlreiche Truppenübungsplätze in Deutschland wieder aktiviert und viel in die Bundeswehr investiert. Doch Braxmann zweifelt an der verschärften Bedrohungslage aus dem Osten. „Wir müssen den Blick mehr auf Frieden und Abrüstung richten", forderte der Friedensaktivist. 47,5 Milliarden Euro würden in diesem Jahr für Rüstung ausgegeben werden – Geld, das in den Gemeinden und im Klimaschutz besser angelegt sei, so Braxmann. "Die Bürger haben den Lärm und bleiben ausgesperrt" Des Weiteren fragte er nach dem Nutzen für die Bevölkerung drumherum: „Sie haben den Lärm, den Krach und bleiben weiterhin ausgesperrt." Der Truppenübungsplatz in Sennelager erhalte den Status eines Testgeländes für NATO-Truppen. Das bedeute eine Modernisierung der Anlagen und intensivierte Übungen. Laut dem britischen Militär sei die Senne 2020 „ausgebucht". Die Folgen: zunehmende Lärmbelästigung und eine starke Belastung des Landschaftsraums. Aussichten, die keiner der Anwesenden am Dienstag befürwortete.

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