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Erfolgreich mit Beratung: Thorsten Klahold setzt mit seinem Ranzenshop24 auf den stationären Handel. - © Hans-Hermann Igges
Erfolgreich mit Beratung: Thorsten Klahold setzt mit seinem Ranzenshop24 auf den stationären Handel. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Für diesen Paderborner Händler ist der Onlinehandel schon Geschichte

Stationär vs. online (4): Thorsten Klahold war mit seinem Ranzenshop24 schon auf der Erfolgsspur. Doch dann riss er das Ruder doch noch herum

Hans-Hermann Igges
09.05.2019 | Stand 09.05.2019, 14:18 Uhr

Paderborn. Bei diesem Namen denkt man sich den Onlinehandel ganz automatisch dazu: Seit acht Jahren schon gibt es am Paderborner Stadtrand den Ranzenshop24. Tatsächlich hat das Spezialgeschäft für Schultaschen und -rucksäcke eine ausgeprägte Internetgeschichte. Doch die ist eine ganz besondere - mit interessanten Erkenntnissen. Erste Erfahrungen mit dem Handel im Internet sammelte Inhaber Thorsten Klahold (46) nämlich schon vor zwölf Jahren. "Damals hatten meine Eltern noch ihr Geschäft mit Taschen und Lederwaren im Südring", berichtet der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann aus Bad Lippspringe. Zum Sortiment gehörten auch Schulranzen. Als mehr oder weniger ungeplant Restposten von Sonderaktionen blieben, verkaufte Klahold diese zunächst über die Online-Plattform Ebay. Und machte so erste Erfahrungen im Online-Handel. Darunter auch schlechte. Klahold: "Für den ersten Ranzen, den ich verschickt habe, habe ich nie Geld gesehen." Unter den Top 3 der Onlinehändler Doch insgesamt brummte die Nachfrage. "Grund dafür war sicher, dass wir uns in einem Spezialsegment bewegten, da gab es zuerst wenig Konkurrenz. Mit unserem eigenen Online-Shop waren wir schließlich sogar unter den Top 3 in Deutschland", erinnert sich Klahold. Täglich verließen bis zu 100 Pakete die in Bad Lippspringe angemietete 1.000 Quadratmeter große Lagerhalle. Doch eines Tages war trotzdem Schluss mit dem großen Auftritt im Internet. "Es ging immer nur um den günstigsten Preis. Der Kostendruck war einfach zu groß. Allein für Werbung bei Google war jährlich eine sechsstellige Summe fällig. Dazu die Lagerhaltung und die Rücksendungen. Am Ende war nichts zu verdienen", sagt Thorsten Klahold. Er baute die Internetpräsenz auf eine Art Schaufenster für sein stationäres Geschäft zurück. Wer will, kann seitdem aber immer noch bei ihm bestellen. Gerade wird die Online-Seite allerdings den Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverordnung gemäß neu gestaltet. Stattdessen setzt Thorsten Klahold darauf, dass seine Kunden zu ihm kommen und sich von ihm oder seinen vier Angestellten beraten lassen. "Gerade bei Schulranzen funktioniert das auch. Das ist für viele ein emotionaler Kauf, an den sich jeder sein Leben lang erinnert", sagt der Geschäftsmann. Die Ware anzufassen, sie auszuprobieren - das sei für die Kunden aus seinem Einzugsgebiet zwischen Bielefeld, Lippe und dem Sauerland wichtig. Natürlich gebe es auch solche, die sich ausgiebig informieren ließen - und dann doch beim billigsten Versender kauften. Klahold nennt sie "Beratungsdiebe". Mit dem zweiten Standbein auch auf Youtube Inzwischen ist der Ranzenshop24 auch ein paar Hausnummern die Detmolder Straße hinaus gezogen und reizt mit nun 199 Quadratmetern - vorher waren es 160 Quadratmeter - die seitens der Stadt erlaubte Maximalgröße für ein Geschäft im Außenbezirk genau aus. An der alten Adresse hat Thorsten Klahold gerade mit seinem zweiten Geschäft namens "Steingemachtes" ein Spezialgeschäft für Modellsätze aus Klemmbausteinen eröffnet. Auch das soll vom Besuch leibhaftiger Kundschaft leben. Für die Thorsten Klahold allerdings nicht aufs Internet verzichtet: Sein Youtube-Kanal "Johnny's World", auf dem er die Produkte vorstellt, hat bereits über 13.000 Abonnenten. Gegen den billigsten Preis im Internet zu konkurrieren hält Thorsten Klahold also für sinnlos. "Aber ohne wenigstens eine Seite im Internet kommt heute kein Geschäft aus", sagt der Einzelhändler. Das Schaufenster in der virtuellen Welt unterstütze so das stationäre Geschäft. Klahold weiß aber auch: "Gerade ältere Inhaber tun sich damit noch schwer." Wenn der 46-Jährige jedoch auf ein paar Jahrzehnte in die Zukunft schauen soll, dann wird er ziemlich pessimistisch: "In 30 Jahren gibt es die kleinen Händler nicht mehr, dann gibt es nur noch die großen Ketten. Wer von den Kleinen soll da mithalten? Ich würde mich aber freuen, wenn ich unrecht behielte. Aber meinen Kindern würde ich heute nicht empfehlen, Einzelhändler zu werden."

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