Das Paderborner Landgericht hat eine Mutter für den Angriff auf einen Mitarbeiter des Jugendamts verurteilt. - © (Archivbild) Christine Panhorst
Das Paderborner Landgericht hat eine Mutter für den Angriff auf einen Mitarbeiter des Jugendamts verurteilt. | © (Archivbild) Christine Panhorst

Paderborn/Lippstadt Haftstrafe für junge Mutter, die auf einen Jugendamtsmitarbeiter einstach

Einer jungen Frau aus Somalia wird das Kind weggenommen. Ein Jahr später sticht sie auf einen Mitarbeiter des Jugendamtes ein

Paderborn/Lippstadt. Fawsio A. (Name geändert) war sehr jung, als sie vor Terror und Zwangsheirat von Somalia nach Deutschland floh. Voller Tatendrang war sie nach ihrer Ankunft, sie schaffte den Hauptschulabschluss und peilte eine Ausbildung an. Trotz alledem blieb ein Problem: die Einsamkeit. Jetzt musste sich die 26-Jährige wegen versuchten Totschlags verantworten, weil sie mit einem Messer einen Mitarbeiter des Lippstädter Jugendamtes attackiert hat. Die Behörde hatte ein Jahr zuvor Fawsio A. und ihren Sohn kurz nach der Geburt einem Mutter-Kind-Haus anvertraut, um sie bei der Versorgung des Säuglings zu unterstützen. Eine Maßnahme, die bei der 26-Jährigen nicht gut ankam. Sie wollte allein klarkommen. Nach einem Streit mit einer Erzieherin galt das Kind als gefährdet, es wurde der Mutter weggenommen. Fawsio A. zog dagegen vergebens vor Gericht. Eskalation im Jugendamt Die junge Mutter sprach immer wieder im Jugendamt vor, um ihren Sohn zurückzubekommen. Am 20. September tauchte sie mit einem Messer in der Hand im Büro eines Sachbearbeiters auf. Mit dem Ruf „Du hast mein Kind" stach sie auf ihn ein. Der 40-Jährige konnte sich durch das Kippen seines Schreibtischstuhls außer Reichweite bringen, wurde aber am Unterschenkel verletzt. Anschließend gelang es ihm, den Raum zu verlassen und Fawsio A. einzuschließen. „Die Tat hatte einen Bestrafungscharakter", stellte das Schwurgericht nach zweitägiger Verhandlung fest. „Die Angeklagte wollte die Institution bestrafen." Anders als Oberstaatsanwalt Ralf Meyer und Nebenklagevertreterin Jutta Klaus erkannten die Richter um den Vorsitzenden Eric Schülke nicht auf versuchten Totschlags. Fawsio A. sei dem Geschädigten körperlich klar unterlegen gewesen und es sei letztlich auch nicht ihr Ziel gewesen, den 40-Jährigen zu töten. „Sie wollte ihn verletzen", waren die Richter überzeugt. Sie verwiesen auch auf die schwierige psychische Situation der Frau. Am Rande einer Psychose Zuvor hatte die Psychiaterin Nahlah Saimeh die Angeklagte als zutiefst vereinsamte Frau beschrieben, die auch zur Tatzeit am Rande einer schweren Depression, möglicherweise sogar am Rande einer Psychose gestanden sei und die ihr neugeborenes Kind als Rettung aus dem Alleinsein begriffen habe. Fawsio A. sei zwar durchaus schuldfähig, müsse aber eigentlich stationär behandelt werden, so Saimeh. Die Richter verurteilten die 26-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahre Gefängnis.

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