Der Marienplatz in der Paderborner Innenstadt: Von der Marienstraße her ist der höher gelegene Platz derzeit noch durch eine Mauer getrennt. - © Hans-Hermann Igges
Der Marienplatz in der Paderborner Innenstadt: Von der Marienstraße her ist der höher gelegene Platz derzeit noch durch eine Mauer getrennt. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn So könnten die Linden auf dem Marienplatz doch noch bleiben

Bauausschuss: Früherer Stadtplaner will Vorschläge vorstellen. Der Heimatverein weist auf historisch-religiöse Zusammenhänge hin

Paderborn. Kurz vor der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag, 11. April, um 17 Uhr im Technischen Rathaus sind neue Vorschläge zur umstrittenen Umgestaltung des Marienplatzes im Zuge des Neubaus der benachbarten Stadtverwaltung aufgetaucht. Urheber sind die Kritiker aus den Reihen der Naturschutzverbände und der Heimatverein Paderborn. Einen Verbündeten haben die Naturschutzverbände in Heinrich Knipping, ehemaliger Stadtplaner im Ruhestand, gefunden. Er hat laut Fritz Buhr, Sprecher der Naturschutzverbände, die Erlaubnis vom Vorsitzenden des Bauausschusses, Dieter Honervogt, erhalten, seine Ideen zum Erhalt des Ensembles mit den zwölf Linden vorzutragen. Kern des Vorschlags: Wenn man die große Freitreppe vom Stadthaus Richtung Marienplatz kappt und auf die Gebäudeseite beschränkt, muss die Marienstraße nicht in das heutige Rondell verschwenkt werden. Die durch die Freitreppe nötige Verlegung der Straße sei bisher ohnehin so nie kommuniziert worden, kritisiert Buhr. Dann könnten nämlich die zwölf großen Linden bleiben; bis neue Bäume Schatten spendende Kronen ausgebildet hätten, würden sonst Generationen vergehen. Der Platz verliere seinen Charakter als Oase in der Stadt. Scharfe Kritik Während die Naturschützer die vom Rat beauftragte Öffnung des Platzes zu allen Seiten scharf kritisieren und sie als seine Abschaffung interpretieren, steht zwar der Heimatverein hinter diesem Ansinnen, bringt aber trotzdem in einer Pressemitteilung Bedenken vor. Der Lindenkranz sei ein Symbol für den Strahlenkranz der Maria und habe eine 123 Jahre alte Geschichte, so Vorsitzender Christoph Schulte-Noelke. Die Überplanung biete nun die Chance, einen Vorschlag aus dem Jahr 1976, der letzten Umgestaltung des Platzes, aufzugreifen. Damals habe Josef Schmitz, Professor für Kunstgeschichte an der Philosophisch-Theologischen Fakultät, einen sogenannten Hortus Conclusus, also einen fest eingefriedeten Garten in der Tradition des bis ins 18. Jahrhundert an der Stelle gelegenen Kirchhofs, ins Gespräch gebracht. Solch ein Garten wahre zugleich die Friedhofstradition, weil Linden typische Friedhofsbäume gewesen seien. Außerdem hat der Heimatverein zwei weitere Vorschläge: Die aus der Mauer übernommene Inschriftentafel in Erinnerung an den Paderborner Förderer der kirchlichen Reformbewegungen, Pfarrer Gobelinus Person (1358 - 1421) solle in einen Findling an der Nordwestecke eingefügt werden. Und eine liegende Metallplatte solle an die Geschichte der vormaligen Kirche auf dem Gelände des heutigen Platzes erinnern. Dort habe mit Pfarrer Tünneken der erste Pfarrer gewirkt, der im 16. Jahrhundert in Paderborn lutherisch predigte.

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