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Der Marienplatz in der Paderborner Innenstadt: Von der Marienstraße her ist der höher gelegene Platz derzeit noch durch eine Mauer getrennt. - © Hans-Hermann Igges
Der Marienplatz in der Paderborner Innenstadt: Von der Marienstraße her ist der höher gelegene Platz derzeit noch durch eine Mauer getrennt. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Baumfällung am Marienplatz: Naturschützer setzen auf Kirchengemeinde

Die Kirchengemeinde St. Liborius ist Eigentümerin des Platzes - und hat gegenüber der Stadt Gesprächsbereitschaft signalisiert

Hans-Hermann Igges
10.04.2019 | Stand 09.04.2019, 20:11 Uhr

Paderborn. Das neue Stadthaus an Abdinghof und Marienstraße und der benachbarte Marienplatz: Bisher sollen sie planerisch aus einem Guss sein. Entsprechend gehörten die Öffnung des Platzes zum neuen Rathaus hin und der Wegfall der Mauer zu den vom Rat beschlossenen Vorgaben für die Planer. Doch nun gibt es Streit: Dass dabei womöglich etliche der zwölf markanten, 60 bis 70 Jahre alten Linden gefällt werden müssten, wird jetzt von den Paderborner Naturschutzverbänden zum Thema gemacht. Platz und Rathausneubau als Einheit zu sehen, stelle den "grundsätzlichen Webfehler" dieser Planung dar, kritisieren die Verbände. Ein Platz ohne Bäume und Begrünung wäre dem Lärm der Busse ausgesetzt und lasse jede Aufenthaltsqualitität vermissen. Die Verbände, die am letzten Wochenende bereits hunderte Unterschriften für den Erhalt der Linden sammelten, setzen nun auf die Kirchengemeinde St. Liborius als Eigentümerin des Platzes. "Wir erwarten, dass die Kirche die historische Stätte mit ihrer herausragenden historischen, kulturellen und religiösen Bedeutung mit den symbolischen zwölf Linden um die Mariensäule für die Bürger erhält und daher ihre Zustimmung zur Fällung versagt", formuliert Fritz Buhr, Sprecher der Verbände, eine eindeutige Erwartung. Dechant Benedikt Fischer freut sich immerhin, dass dem Platz so viel Wertschätzung entgegen gebracht wird. Er sieht aber auch das Problem: "Uns liegt nicht an einer Freifläche ohne Begrenzungen. Und auf keinen Fall soll es einen völligen Kahlschlag geben, auch wenn wir womöglich über die Anzahl nachdenken müssen", sagt der Geistliche. Bedeutung der zwölf Linden um die Marienstatue Gleichzeitig sei ihm durchaus die symbolische Bedeutung der genau zwölf Linden, die um die Marienstatue aus dem Jahr 1861 gruppiert sind, bewusst. Fischer: "Das werden wir genau so in die Gespräche des Projektbeirates ab 8. Mai einbringen." Der Stadt gegenüber habe man aber grundsätzliche Gesprächsbereitschaft signalisiert. Würde man Platz und Stadthaus nicht aufeinander beziehen, wäre das nach seiner Meinung jedenfalls auch kontraproduktiv, plädiert Fischer für eine gewisse Öffnung des Platzes. Und mit dem Gefälle des Geländes sei schließlich auch irgendwie umzugehen. Tatsächlich liegt, anders als das öffentlich vorgestellte Zeichnungen nahe legen, momentan noch keine exakte Planung für den Marienplatz vor. Jens Reinhardt, Sprecher der Stadt Paderborn: "Derzeit existiert mit dem vorliegenden Wettbewerbsergebnis lediglich eine städtebauliche und landschaftsarchitektonische Grundkonzeption, die jetzt planerisch noch konkretisiert werden muss." Der Zustand der Linden werde vom Garten- und Umweltamt der Stadt derzeit als "verkehrssicher" eingeschätzt.

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