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Am Neuen Platz: Die Zentrale der Verbundvolksbank OWL und der Volksbank Paderborn. - © Hans-Hermann Igges
Am Neuen Platz: Die Zentrale der Verbundvolksbank OWL und der Volksbank Paderborn. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Windkraft beschert der Paderborner Volksbank eine Wachstums-Delle

Bilanz 2018: Die Voksbank Paderborn zahlt ihren Mitgliedern eine überdurchschnittliche Dividende. Dennoch bezeichnet man das Ergebnis des letzten Jahres nur als "zufriedenstellend"

Hans-Hermann Igges
30.03.2019 | Stand 29.03.2019, 20:55 Uhr

Paderborn. Ausgerechnet ihr starkes Engagement bei der Finanzierung von Windrädern und Photovoltaikanlagen in der Region hat im letzten Jahr dafür gesorgt, dass die Bilanzsumme der Volksbank Paderborn unter dem Strich weniger stark gewachsen ist. Von in der Spitze 600 Millionen Euro an Krediten für die Branche waren zum Ende letzten Jahres nach eigenen Angaben noch 512 Millionen Euro in den Büchern. Ohne diesen Sondereffekt wäre das Bilanzvolumen der Paderborner Zweigniederlassung der Verbundvolksbank OWL um 4,6 Prozent gewachsen - tatsächlich habe das Plus aber lediglich 2,5 Prozent betragen, sagte jetzt Karl-Heinz Rawert, für die Volksbank Paderborn zuständiger Vorstand der Verbundvolksbank OWL, vor Medienvertretern. Insgesamt entfalle auf die Kernregion der Volksbank Paderborn ein Anteil von 55 Prozent der Bilanzsumme von 6,3 Milliarden Euro im ganzen Verbund. Dieser erstreckt sich über die Kreise Paderborn, Höxter, Detmold, Minden und die Stadt Bielefeld und hat gerade das erste gemeinsame Geschäftsjahr hinter sich. Umstellungswochenende vom 5. bis 8. April Der erst seit dem 1. Januar offiziell amtierende neue Vorstandsvorsitzende der Verbundvolksbank OWL, Ansgar Käter, bezeichnete die Bilanz 2018 denn auch trotz der wiederum überdurchschittlichen Dividende von 5,5 Prozent für die 57.000 Mitglieder zurückhaltend als insgesamt "zufriedenstellenstellend". Das Jahr sei geprägt gewesen von der aufwendigen Vorbereitung auf die vom 5. bis 8. April anstehende IT-Umstellung sowie von der personellen und inhaltlichen Umstellung der Filialen. Zwar gibt es im Bereich der Volksbank Paderborn seit letztem Jahr statt 25 nur noch 23 mit Personal besetzte Zweigstellen, weil die Kunden der Filiale in Sennelager und die der Filiale an der Neuhäuser Straße anderen Filialen zugeordnet wurden; gleichzeitig habe man zehn bisherige Mitarbeiter der Hauptstelle auf das Filialnetz verteilt. Ziel sei, vor Ort möglichst viel Kompetenz anzubieten. Ob dadurch ein weiterer Rückgang der Zweigstellen vermieden werden kann, werde sich zeigen. Vorstand Rawert: "Das entscheiden die Kunden durch ihre Nachfrage." Für dieses Jahr seien jedenfalls keine weiteren Schließungen vorgesehen. Insgesamt rechnet die Volksbank Paderborn für 2019 mit weiteren Zuwächsen. Allein 100 Millionen zusätzlicher Kredite seien bereits genehmigt. Auch der Bausparboom (zuletzt plus 14 Prozent) werde anhalten. Besonderen Wert legt man auf die Förderung in der Region: 450.000 Euro gingen im letzten Jahr an 500 Vereine für Sport, Kultur, Soziales und Heimatpflege. Als "starkes Thema" (Rawert) gilt die Unterstützung von Startups ("Garage 33"). Gerade entdeckt wurde seitens der Volksbank das Mittel des Crowd-Funding: Initiativen, die für spezielle Projekte selbst eine nennenswerte Anzahl von Sponsoren werben, bekommen von der Volksbank Geld dazu. Guthabenzinsen bei 200 Firmenkunden Wachstum spiegelt sich auch in der Personalplanung wider. Während Großbanken Personal abbauen, macht die Volksbank (insgesamt 237 Mitarbeitende) allen ihren Auszubildenden (zuletzt 36) Angebote zur Übernahme. Auch Bewerber von außerhalb hätten eine Chance, so Vorstandsvorsitzender Ansgar Käter. Von einer möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank erwarte man im übrigen keine Nachteile fürs eigene Geschäft. Dadurch werde man, so die Hoffnung, zusätzliche Firmenkunden gewinnen, denen die Verbindung zu nur einer Großbank zu wenig sei. Allerdings müssen Firmenkunden auch bei der Volksbank Paderborn inzwischen auf liquide Mittel ab einer Million Euro 0,4 Prozent Guthabenzinsen zahlen - so viel, wie auch die Volksbank berappt, wenn sie Geld bei den Zentralbanken parkt. Grund dafür ist die laut Käter "verkehrte Welt der Niedrigstzinsen". Dies treffe derzeit 200 Kunden der Verbundvolksbank. Aktuell sei nicht daran gedacht, auch andere Kunden durch Guthabenzinsen an den eigenen Liquiditätskosten von jährlich insgesamt 1,6 Millionen Euro zu beteiligen. Man rechne momentan aber auch nicht mit einem baldigen Ende dieser Phase.

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