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Auf die Qualität kommt es an: Harald Gülzow (l.) und Milan Toups entnehmen eine Wasserprobe. - © Gerhard Seybert
Auf die Qualität kommt es an: Harald Gülzow (l.) und Milan Toups entnehmen eine Wasserprobe. | © Gerhard Seybert

Paderborn Hohe Nitratbelastung im Paderborner Abschnitt der Lippe

Eine Messfahrt vom VSR-Gewässerschutz zeigt, dass die intensive Landwirtschaft den Fluss stark belastet.

Holger Kosbab
26.03.2019 | Stand 26.03.2019, 19:27 Uhr

Paderborn. Umweltschützer schlagen Alarm: Die Nitrat-Belastung der Lippe ist laut einer Untersuchung des Umweltverbands VSR-Gewässerschutz erheblich zu hoch. Als Ursache wird das intensive Aufbringen etwa von Gülle genannt. Die Ergebnisse einer Messfahrt passen zum aktuellen Vorgehen der EU, die im Kampf gegen zu viel Nitrat im Grundwasser von Deutschland strengere Auflagen fürs Düngen verlangt. Angesichts des Drucks aus Brüssel will Umweltministerin Svenja Schulze das Düngerecht schnell verschärfen. Von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein weise die Lippe eine viel zu hohe Nitratkonzentration auf, schreibt der VSR-Gewässerschutz in einer Presseinformation mit der Auswertung einer Messfahrt vom Februar 2018 an der Lippe und seinen Nebenflüssen. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser dürfte das Lippewasser für einen guten Zustand höchstens 11 Milligramm Nitrat pro Liter aufweisen. Die Messungen ergaben jedoch an der gesamten Lippe und an den Mündungen der Nebenbächen einen mehr als doppelt so hohen Wert. Zum Vergleich: Die deutsche Trinkwasserverordnung schreibt einen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter vor. Bereits die Karstquelle der Lippe in Bad Lippspringe sei mit 22,2 Milligramm/Liter belastet. Bis nach Paderborn bleibe die Belastung unverändert hoch. Nach dem Zufluss der Pader mit 30,4 Milligramm und der Alme (31,3) steige die Nitratkonzentration in der Lippe auf 29,3 Milligramm in Sande. Dies sei die höchste gemessene Belastung auf dieser Messfahrt. Erst nach dem Zufluss des Wassers aus dem Lippesee falle die Konzentration auf 26,5 Milligramm/Liter. Bis Hamm bleibe die Nitratbelastung dann weitgehend unverändert. Kommunen sollten Flächen ökologisch bewirtschaften lassen In der Landwirtschaft müsse dringend gehandelt werden, so Bareiß-Gülzow. „Die derzeitige Düngeverordnung erlaubt eine Überdüngung der Felder und reicht somit nicht aus, um die Nitratbelastung in die Lippe und Nebenflüsse so weit zu senken, dass ein guter Zustand erreicht wird." Dagegen vermindere eine ökologische Bewirtschaftung nach neuesten Untersuchungen des Thünen-Instituts, einer in Braunschweig ansässigen Bundesforschungs­anstalt, die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Allerdings würden im Lippe-Einzugsgebiet weniger als drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet – der Bundesschnitt beträgt 8,2 Prozent. Der VSR-Gewässerschutz fordert eine wesentliche Erhöhung der ökologischen Flächen. Dies sei in Anbetracht des politischen Ziels von 20 Prozent ökologisch bewirtschaftete Landflächen bis 2030 dringend nötig. Damit die ökologischen Betriebe auch ausreichend landwirtschaftliche Flächen pachten könnten, rät der VSR-Gewässerschutz Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

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