Im Paderborner Finke-Möbelhaus läuft der Ausverkauf auf vollen Touren. - © Birger Berbüsse
Im Paderborner Finke-Möbelhaus läuft der Ausverkauf auf vollen Touren. | © Birger Berbüsse

Paderborn So reagieren Mitarbeiter und Kunden auf den Neubau auf dem Finke-Gelände

Bis zu 350 Arbeitsplätze sollen entstehen. Höffner investiert rund 60 Millionen Euro

Birger Berbüsse
13.03.2019 | Stand 13.03.2019, 18:58 Uhr

Paderborn. Ganz still ist es, als Geschäftsführer Franz-Josef Golüke den Finke-Mitarbeitern verkündet hat, was wohl schon alle wissen: Auf dem Gelände soll nach dem Abriss des Möbelhauses ein neues entstehen. Nur wenige Minuten lang spricht er in der Betriebsversammlung am Dienstagmorgen zu den Angestellten, dann eilen alle an ihre Arbeitsplätze. Pünktlich um 10 Uhr öffnen die Türen des Traditionsgeschäfts, an dessen Stelle womöglich schon 2020 ein neues Möbelhaus entstehen soll. "Für uns kommt das zu spät", sagt eine Angestellte nach der Betriebsversammlung im Gespräch mit nw.de und verweist auf die längst ausgesprochenen Kündigungen. Sie hat Tränen in den Augen. Die Frau mittleren Alters, die nicht namentlich genannt werden möchte, fügt fast trotzig hinzu: "Eigentlich interessiert es mich auch nicht mehr." Seit gut 15 Jahren arbeitet sie bei Finke. "Jetzt habe ich damit abgeschlossen." Aber dennoch: Wenn jetzt ein Neubau kommen soll - warum konnte die Höffner-Gruppe dann nicht gleich das alte Möbelhaus stehen lassen? Dieser Gedanke sei ihr und ihren Kollegen schon durch den Kopf geschossen. Eine Chance für die Mitarbeiter? Kurt Krieger, Höffner-Inhaber und Finke-Aufkäufer, will nach dem Abriss auf dem Gelände für rund 60 Millionen Euro ein modernes Möbelhaus bauen. Der genaue Zeitplan hängt vom Genehmigungsverfahren ab. In der Betriebsversammlung soll aber das Jahr 2020 genannt worden sein. Bis zu 350 Arbeitsplätze sollen nach Unternehmensangaben entstehen. Könnte das nicht eine neue Chance für die alten und im Sommer ausscheidenden Mitarbeiter sein? "Dazu wurde in der Betriebsversammlung nichts gesagt", sagt die langjährige Angestellte. Sie hat längst Bewerbungen verschickt. Auf der Rückseite des Einrichtungshauses werden derweil weiter die Laster beladen. Der Ausverkauf läuft auf vollen Touren. Die Männer, die die Möbel schleppen, sind Angestellte der Finke-Logistik und waren deshalb nicht auf der Betriebsversammlung. Die Nachricht haben sie wie die betroffenen Mitarbeiter am Vorabend über die Medien erfahren. Ein seltsames Vorgehen sei das, erst die Öffentlichkeit und dann die Mitarbeiter zu informieren. "Die Art und Weise ist nicht sehr schön", sagt einer von ihnen. Aber trotzdem: Der Mann, der ebenfalls ungenannt bleiben möchte, setzt seine Hoffnung auf einen bleibenden Arbeitsplatz in den angekündigten Neubau. "Mit mir hat aber noch keiner gesprochen", fügt er hinzu. Er wisse noch nicht, wie es mit ihm weitergehe. Erst Schock, dann Freude Erfreut reagieren die Kunden, die immer noch scharenweise kommen, auf die Botschaft, dass es in Paderborn auch künftig ein großes Möbelhaus geben soll. "Nach der Abriss-Ankündigung war ich schockiert", sagt Anni Waldhoff, die mit ihrer Freundin Marion Gutschmidt auf der Suche nach einem günstigen Teppich ist. Nun freue sie sich, schließlich gehe es auch um Arbeitsplätze. Und außerdem würden sie gerne bummeln gehen, fügen die beiden Rentnerinnen schmunzelnd hinzu. Seit mehr als 20 Jahren kauft das Ehepaar Kass bei Finke ein. Mit Unverständnis hätten sie auf den geplanten Abriss reagiert, schließlich sei das "kein schlechtes Möbelhaus", sagen Kasper und Ruth Kass. Beide wohnen sogar in der Nachbarschaft und würden die bekannte bunte Fassade künftig vermissen. "Die gehört doch zum Stadtbild." Dass ein neues Haus gebaut wird, finden sie richtig. Gleichzeitig denken sie aber auch an die Mitarbeiter: "Unter welchen Bedingungen werden die hier wohl beschäftigt?" In der Betriebsversammlung gab es dazu keine Antworten.

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