Katharina Müller (v.l.), Laetitia Wendt, Hanna Phillips, Güven Erkut und Ilja Nienaber stecken unter anderem hinter den Fridays-for-Future-Demos in Paderborn. - © Lieselotte Hasselhoff
Katharina Müller (v.l.), Laetitia Wendt, Hanna Phillips, Güven Erkut und Ilja Nienaber stecken unter anderem hinter den Fridays-for-Future-Demos in Paderborn. | © Lieselotte Hasselhoff

Paderborn Fridays for Future: Wie fünf Paderborner Jugendliche das Klima retten wollen

Zweimal 500 Schüler gingen bislang in Paderborn gegen den Klimawandel auf die Straße. Im NW-Gespräch erzählen die Organisatoren, was sie antreibt

Paderborn. Die Liste der Schlagwörter ist lang: Rekordsommer, Klima-Ziele, Borkenkäfer-Plage, Klimaflucht und Landüberflutung - dass die Paderborner Organisatoren der Fridays-for-Future-Demos für ihr Anliegen brennen, ist nicht zu überhören. In einem Café sind sie zum Gespräch mit der NW zusammengekommen. Nur ein kurzes Stichwort braucht's, damit sich zwischen den vier Schülern und einem jungen Studenten, der ebenfalls Teil des Orga-Teams ist, Sekunden später eine hitzige Debatte über die Folgen des Klimawandels entspannt. Auch die teils kritischen Reaktionen deutscher Politiker auf die von der Schwedin Greta Thunberg ins Leben gerufene Schüler-Bewegung sind Teil der Diskussion. "Unsere Politiker wenden sich gegen diejenigen, die auf den Klimawandel aufmerksam machen, anstatt das Klima zu retten", kritisiert Katharina Müller von der Gesamtschule Elsen. Die 18-jährige Laetitia Wendt bleibt gelassen: "Dass junge Leute und noch dazu Mädchen sich organisieren, ist neu für die", merkt sie an: "Da kommen alte Männer wohl nicht mit klar." Minimalistisch leben fürs Klima Wiederkehrendes Thema unter den fünf Aktivisten ist ein vermeintliches Missverhältnis zwischen Wirtschaftsinteressen und Umweltschutz. "Deutschland wird seine Klima-Ziele für 2020 nicht erreichen", sagt Güven Erkut vom Gymnasium Theodorianum. Dazu habe das Land nicht ausreichend in erneuerbare Energien investiert. Der 18-Jährige versucht, auf seine Weise seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern: "Seit ein oder zwei Jahren bin ich darum bemüht, minimalistisch zu leben." Nur wenn es unbedingt nötig sei, kaufe er sich neue Kleidung und er achte auf seinen Plastikverbrauch. "Meinen Rucksack habe ich jetzt seit der fünften Klasse, und er erfüllt immer noch seinen Zweck." Auch der 15-jährigen Hanna Phillips ist eine nachhaltige Lebensweise wichtig. "Ich lebe zwar nicht so minimalistisch wie Güven, aber ich kaufe meine Kleidung ausschließlich Second Hand", erzählt sie. Außerdem sei sie Vegetarierin. Damit stoße sie allerdings im Alltag auf viele Hürden: "Es ist zum Beispiel schwer, auswärts essen zu gehen, wenn es nicht gerade Pizza Margherita sein soll." Phillips geht damit auch auf kritische Kommentare zu den Schüler-Demos in den Sozialen Medien ein. "Am Freitag fett Demo und am Samstag mit Coffee-to-go-Becher und Plastikbeutel fette Beute bei HM gemacht" postet zum Beispiel eine Facebook-Nutzerin. "Die wichtigsten Veränderungen liegen immer noch in den Händen der Politik", sagt Phillips. Diese hätte viel mehr Handlungsmöglichkeiten als sie derzeit ausschöpfe, bekräftigt auch Müller: "Beispielsweise die Abschaffung von Plastikverpackungen." "Die haben nicht verstanden, was wir wollen" Mit Verweis auf die Facebook-Kommentare sagt Wendt: "Leute, die so etwas schreiben, haben nicht verstanden, was wir eigentlich wollen." Die Folgen des Klimawandels lägen so offensichtlich auf der Hand, dass es keinen Grund gebe, die Dringlichkeit der Lage anzuzweifeln: "Deshalb machen so viele bei unseren Demos mit." Überparteilich und unabhängig von Umweltorganisationen würden die Schüler agieren, betont sie. "Im Grunde fordern wir mit dem Klimaschutz etwas, das völlig selbstverständlich sein sollte", stimmt ihr der 26-jährige Student Ilja Nienaber zu. Weil sie sich der Klima-Problematik annehmen will, möchte Wendt nach ihrem Abschluss Umweltmanagement studieren. Als Abiturfächer hat sie Sozialwissenschaften und Wirtschaft gewählt: "Ich denke, es ist gut, über Wirtschaft Bescheid zu wissen, um eine nachhaltige Gesellschaft zu ermöglichen." Allerdings - und mit diesem Einwand entfacht Müller die Debatte der Gruppe erneut - brauche das Thema Nachhaltigkeit mehr Platz im Schulunterricht: "Zur Zeit redet die Landesregierung lediglich darüber, das Fach Wirtschaft stärker auszuweiten." Nächste Demo am 15. März Am 15. März ist es wieder so weit: Zum dritten Mal rufen Paderborner Schüler und Studierende zur Teilnahme an der Fridays-for-Future-Demonstration in der Innenstadt auf. Beginn der Demo ist um 13 Uhr am Marktplatz.

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