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Alles muss raus: Der Räumungsverkauf bei Finke in Paderborn läuft auf Hochtouren. - © Lena Henning
Alles muss raus: Der Räumungsverkauf bei Finke in Paderborn läuft auf Hochtouren. | © Lena Henning

Paderborn Ausverkauf bei Finke: Besuch in einem Möbelhaus, das bald verschwindet

Beim Einrichtungshaus Finke in Paderborn deuten die Zeichen inzwischen unübersehbar auf den nahenden Abschied hin.

Lena Henning
13.02.2019 | Stand 13.02.2019, 12:39 Uhr

Paderborn. Die Imbissbude ist schon länger geschlossen. Bereits auf dem Parkplatz versprechen große Schilder und Plakate satte Rabatte. Beim Einrichtungshaus Finke in Paderborn deuten die Zeichen inzwischen unübersehbar auf den nahenden Abschied hin. "Totaler Räumungsverkauf" steht auf den roten Klebefolien, die von den Schaufensterscheiben leuchten. In weniger als sieben Wochen ist Schluss. Dann schließt das Möbelhaus und soll abgerissen werden. Das Aus für den Standort Paderborn hatte die Kriegergruppe, die das Finke-Unternehmen im Sommer übernommen hatte, im November bekannt gegeben. Zunächst hieß es, der Verkauf in Paderborn solle bis Juni 2019 gehen. Doch der wird jetzt bereits einige Monate früher eingestellt - zu unrentabel sei das Geschäft, hieß es. Zudem fehlen die Mitarbeiter, denn viele haben bereits gekündigt. Feilschen um jeden Rabatt-Prozentpunkt Die, die noch da sind, erleben nun die letzten Tage der Finke-Ära in Paderborn. "Eine komische und auch etwas traurige Stimmung" herrsche derzeit im Möbelhaus, berichtet eine Mitarbeiterin. Einige Kunden hätten Mitleid oder seien enttäuscht über die anstehende Schließung, so ihre Erfahrung aus den Gesprächen. Viele seien aber auch einfach nur auf Schnäppchensuche und feilschten mit den Verkäufern um jeden Prozentpunkt Rabatt. Schnäppchenjäger können derzeit bei Finke das eine oder andere gute Geschäft machen. Bis zu 50 Prozent gibt es aktuell auf Ausstellungstücke. 70 Prozent auf Weihnachtsdeko. Im gesamten Einrichtungshaus bewerben Banner und Plakate die Rabatte: "Preissensation" heißt es da oder "Aktionspreis - radikal reduziert". Zwischendrin der Hinweis, dass die Ware wegen Geschäftsaufgabe vom Umtausch ausgeschlossen ist. Der Ausverkauf ist allgegenwärtig. Manche Ecken stehen schon leer Tatsächlich sind viele Ausstellungsstücke schon verkauft. Ein Monteur in grauen Arbeitshosen schraubt ein Regal auseinander. In Folie verpackt, zum Teil schon auf Rollwagen geladen, warten Tische, Stühle und Sofagarnituren darauf, von ihren neuen Besitzern abgeholt zu werden. Immer wieder sind auf den Etagen ganze Ecken völlig leer geräumt. Die einzelnen Wohnbereiche der Möbelausstellung sehen aus wie nach einem Umzug noch nicht komplett eingerichtet; die Deko, die normalerweise gemütliche Wohnatmosphäre vermitteln und zum Kauf anregen soll, fehlt. Kleine rote Zettel an den Möbelstücken weisen darauf hin, welche schon verkauft sind. Ein Ehepaar aus Brilon ist in der Sofa-Abteilung auf der Suche nach einem Schnäppchen. Eigentlich wollten sie schon viel früher kommen. "Jetzt stellen wir fest, dass fast alles, was uns gefällt, schon verkauft ist", sagt die Frau. "Am Ende alles eine Frage des Preises" Vor allem bei Ware, die normalerweise der Preisbindung der Hersteller unterliegt, könnten Kunden derzeit günstige Angebote erzielen, sagt ein Verkäufer. Alles, was bis Ende März nicht verkauft wird, könnte wahrscheinlich in den anderen Finke-Filialen landen. Die Preise könnten bis dahin aber auch noch weiter sinken. "Am Ende ist das alles eine Frage des Preises - wenn man's richtig macht, bleibt hier nichts übrig", sagt er. Die Aussicht auf günstige Preise scheint die Kunden anzulocken. Für den Vormittag eines Wochentags ist es relativ voll, so seine Einschätzung. Dabei sei die Personalsituation schwierig, weil inzwischen nicht mehr viele Mitarbeiter übrig seien. An Freitagnachmittagen und samstags könne nicht mehr jeder Kunde beraten und bedient werden. In der Küchenabteilung sind verkaufte Ausstellungsküchen mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. An den Wühltischen in der Deko-Abteilung stöbern Kunden nach Schnäppchen. Überall versprechen kleine knallorangene Aufkleber Vergünstigungen und Sonderpreise. In einem Regal finden sich Deutschland-Fanartikel, die nicht so ganz zur Jahreszeit passen. Wahrscheinlich Restposten aus längt vergangenen Sommermärchen-Zeiten. Neben der Osterdeko (selbstverständlich auch reduziert) steht ein einsamer Weihnachtsbaum aus Plastik.

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