So wie zuletzt am Rathaus in Bielefeld wollen am Freitag auch in Paderborn Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen. - © Dennis Angenendt
So wie zuletzt am Rathaus in Bielefeld wollen am Freitag auch in Paderborn Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen. | © Dennis Angenendt

Paderborn Schüler ziehen fürs Klima durch die Paderborner Innenstadt

Auch in Paderborn wollen Schüler unter dem Motto "Fridays for Future" für den Klimaschutz protestieren. Das findet Fürsprecher - und Kritiker.

Lena Henning
05.02.2019 | Stand 08.02.2019, 11:41 Uhr

Paderborn. Direkt nach der Zeugnisvergabe wollen Schüler am Freitag, 8. Februar, auch in Paderborn für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Unter dem Motto "Fridays for Future" streiken seit einigen Wochen nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg in ganz Deutschland Schüler für eine bessere Klima- und Umweltpolitik. Nun erreicht die Protestwelle auch Paderborn: "Banner, Plakate und laute Stimmen sind erwünscht", hatten die Jugendlichen, die die Organisation des Protests übernommen haben, in einer Pressemitteilung geschrieben. Inzwischen haben die Organisatoren auch die Demonstrationsroute bekannt gegeben. Die Polizei hat bestätigt, dass eine Kundgebung und ein Demonstrationszug durch die Innenstadt angemeldet wurden. Unter dem Motto "No PLANet B" gibt es ab 12.30 Uhr auf dem Marktplatz zunächst eine Versammlung mit Redebeiträgen von Schülern und Studenten, sowie eine Open Stage, eine offene Bühne also, bei der jeder das Mikro ergreifen kann. Der Demonstrationszug geht dann am Dom los, am Rathaus vorbei, den Kamp hoch bis zum Gericht und zurück zum Marktplatz. Die Organisatoren hoffen auf bis zu 250 Teilnehmer; die Polizei rechnet mit etwa 150 Demonstranten. Da am Freitag in NRW die Halbjahreszeugnisse verteilt werden, endet der Unterricht schon mittags. Für die Demonstration in Paderborn muss also nicht die Schule geschwänzt werden. "Weil es die erste Aktion dieser Art in Paderborn ist, wollen wir allen Schülern damit die Chance geben, an der Demonstration teilzunehmen, auch ohne dass sie die Schule schwänzen müssen", sagt Katharina Müller aus dem Organisationsteam. Trotzdem sorgt derweil die Frage, ob Schüler für solche Protestaktionen Unterricht verpassen dürfen, weiter für Diskussionen. Schüler dürfen in Deutschland nicht streiken. Darauf wies zuletzt auch das NRW-Schulministerium noch einmal explizit hin: Die Teilnahme an einem Schülerstreik während der Unterrichtszeit sei "unzulässig". Sigrid Beer, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Paderborn und bildungspolitische Sprecherin, hatte im Zusammenhang mit den "Fridays for Future"-Protesten gefordert, dass Schüler für diese Aktionen unterrichtsfrei bekommen und den Schulstoff eigenständig nacharbeiten. Auf Twitter schrieb sie: "Die Schüler*innen-Proteste sind gelebte politische Bildung. Jede Schule sollte ihnen selbst Raum geben." Sieveke: Schulschwänzen nicht "schön reden" Das nahm Daniel Sieveke, Paderborner Landtagsabgeordneter der CDU, zum Anlass, gegen Beer auszuteilen: "Hören Sie endlich auf damit, das in Mode gekommene Schulschwänzen für besseres Weltklima schön zu reden", schreibt er auf seiner Homepage. Demonstrieren könne jeder in seiner Freizeit, dafür müsse "keine Stunde der wichtigen Unterrichtszeit geopfert" werden. Den guten Willen wolle er den Demonstranten nicht in Abrede stellen. Er sei jedoch überzeugt, dass in der Zeit, die die Schüler mit Streiken verbracht haben, kompetente Lehrer das komplexe Klimaproblem besser im Unterricht hätten behandeln können. Kritik an den Äußerungen Sievekes gab es wiederum vom Regionaverband OWL im Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW): "Dass Schüler sich auf breiter Basis politisch engagieren, ist mehr als lobenswert und verdient Anerkennung", heißt es in einer Stellungnahme. Dass sich Schüler trotz drohender schulischer Konsequenzen für den Klimaschutz einsetzten, zeige, wie wichtig ihnen das Thema sei. "Im Gegensatz zu vielen Politikern haben die jungen Demonstranten die Zeichen der Zeit erkannt", so Geschäftsstellenleiterin Sonya Harrison.

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