Mit den Bewerbern für das Priesteramt wird auch über ihre sexuelle Orientierung gesprochen. - © Pixabay
Mit den Bewerbern für das Priesteramt wird auch über ihre sexuelle Orientierung gesprochen. | © Pixabay

Paderborn Neben Paderborn weihen auch andere Bistümer homosexuelle Priester

Paderborn und die anderen deutschen Bistümer stehen damit im Widerspruch zum Vatikan

Birger Berbüsse
01.02.2019 | Stand 31.01.2019, 17:20 Uhr

Paderborn. Deutsche Priesterseminare nehmen grundsätzlich auch homosexuelle Männer auf. Das hat der Vorsitzende der katholischen Priesterausbilder Deutschlands klargestellt. Für homosexuelle wie heterosexuelle Männer sei die entscheidende Frage, ob sie zölibatär leben könnten oder wollten, sagte Hartmut Niehues dem zum Erzbistum Köln gehörenden Internetportal domradio.de. Zu Wochenbeginn hatte der Regens des Paderborner Priesterseminars mit seinen Aussagen für Aufsehen gesorgt. Michael Menke-Peitzmeyer hatte bestätigt, dass das Erzbistum auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiere, solange sie den Zölibat einhielten. Nur praktizierte Sexualität sei aber ein Ausschlusskriterium, das für alle sexuellen Neigungen gelte. Der Vatikan sieht das anders Dies steht im Widerspruch zu den Richtlinien des Vatikans von 2016, denen zufolge Homosexuelle praktisch von der Weihe ausgeschlossen sind. Die Forderung, Männer mit „tief sitzenden homosexuellen Tendenzen" vom Priesteramt auszuschließen, sieht Hartmut Niehues als erklärungsbedürftig an. Es gehe um die Unterscheidung von Orientierung und Praxis. Mit den Bewerbern für das Priesteramt werde über die sexuelle Orientierung gesprochen, sagte Niehues, der das Münsteraner Priesterseminar leitet. „Das ist auf jeden Fall Standard in jedem deutschen Bistum." Sexuelle Reife der Kandidaten wird immer thematisiert Die Frage nach der sexuellen Reife der Kandidaten werde immer wieder thematisiert. Er lehne es aber ab, dass Priester ihre sexuelle Orientierung öffentlich machten. Dies sei weder notwendig noch hilfreich. "Als heterosexuell orientierter Mensch oder als homosexuell orientierter Mensch muss ich meine Orientierung nicht auf der Stirn tragen", so Niehues. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck fordert in der Freiburger Zeitschrift "Herder Korrespondenz" (Februar), dass die katholische Kirche ihre Haltung zu Homosexualität ändere. Nötig sei eine "Entpathologisierung" der Homosexualität. Zudem wandte er sich gegen eine Verbindung mit der Missbrauchsdebatte. "Es wäre geradezu abwegig zu behaupten, das Problem sexuellen Missbrauchs ließe sich etwa dadurch lösen, den Zugang zum Priestertum nur auf heterosexuell empfindende Männer zu beschränken." Die sexuelle Orientierung sei keine Ursache für Missbrauch. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich auf Anfrage von nw.de nicht zu dem Thema äußern.

realisiert durch evolver group