Fabian Christ (l.) und Benjamin Nagel sind Geschäftsführer und Firmengründer von Verlinked. Die von kleinen Diagnosegeräten aufgezeichneten Daten der jeweiligen Maschinen werden mit ihrer speziellen Software aufbereitet dargestellt. - © Hans-Hermann Igges
Fabian Christ (l.) und Benjamin Nagel sind Geschäftsführer und Firmengründer von Verlinked. Die von kleinen Diagnosegeräten aufgezeichneten Daten der jeweiligen Maschinen werden mit ihrer speziellen Software aufbereitet dargestellt. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Paderborner Firma schickt Maschinen auf den Prüfstand

Wie das Softwarehaus Verlinked es in nur vier Jahren zur ersten Umsatzmillion geschafft hat

Paderborn. Maschinen und Ostwestfalen haben eines gemeinsam: Sie sind nicht gerade dafür bekannt, unnötig viel von sich zu erzählen. Ausgerechnet zwei Paderborner entlocken nun aber Fräs- und Bohrmaschinen, Sägen oder Stanzen, völlig egal, ihre verborgenen Betriebsgeheimnisse. Damit versorgen sie speziell kleinere und mittelständische Unternehmen mit wichtigem Wissen und helfen dabei, Betriebsabläufe zu optimieren. Digitalisierung im Zeichen von Industrie 4.0. Das soll die Kunden im Wettbewerb stärken und entpuppt sich zunehmend als Marktlücke: Schon im vierten Jahr des Bestehens ihres 2014 gegründeten Softwarehauses "Verlinked" mit Sitz in Paderborn haben Fabian Christ (39) und Benjamin Nagel (38) nach eigenen Angaben die erste Umsatzmillion geschafft. Zuletzt verdoppelte sich der Umsatz sogar binnen eines Jahres. Inzwischen hat ihre Firma zwölf Mitarbeiter. In diesem Jahr könnten bis zu zehn neue dazu kommen am Hoppenhof 32, dem Firmensitz. Doch Informatiker sind selbst in der IT-Hochburg Paderborn fast schon rar. Denn: "Auch andere Branchen stellen inzwischen Softwareentwickler ein", sagt Fabian Christ. Egal von welchem Hersteller Mit Software von Verlinked können Daten auch älterer Maschinen, egal von welchem Hersteller, ausgelesen werden - je nachdem, über welche Art von Schnittstelle man die Maschine erreichen kann. So lautet das Firmenversprechen. Benjamin Nagel: "Selbst, wenn es nur einen einfachen An/Aus-Schalter gibt, lässt sich über das Auslesen des Stromflusses noch eine ganze Menge über die Maschine sagen. Zum Beispiel, ob sie noch etwas taugt oder vielleicht doch besser ersetzt werden sollte." Doch meist lässt sich viel mehr herausbekommen. Nagel nennt ein Beispiel aus der Praxis: "Wenn Maschinen Ausschuss produzieren, ist das teuer. Durch das Auslesen der Daten lassen sich Prozesse durchgehend überwachen und steuern." Wenn ein Fehler auftritt, wird er so schneller bemerkt. Oder auch festgestellt, dass das alte Schätzchen vielleicht doch langsam ausgetauscht werden sollte. Weiterer Vorteil: Durch die Daten lassen sich Prozesse möglichst genau so an anderen Produktionsorten auch wiederholen. Nagel: "Betriebe wissen so jedenfalls, woran sie sind mit ihren Maschinen." Die passende vorkonfigurerte Hardware zur Software von Verlinked liefert das Paderborner Unternehmen Janztec. Die kleinen Elektronik-Kästchen zur Vernetzung von Maschinen werden in Bad Lippspringe hergestellt und machen einen robusten Eindruck. "Die ermittelten Daten bleiben im Netzwerk der jeweiligen Firma und werden durch unsere Programme aufbereitet. Bei Firmen, die über mehrere Standorte verteilt sind, bietet sich aber auch eine Cloud-Lösung an", sagt Benjamin Nagel. Anfang mit Phoenix Contact Das Thema Automatisierung und Cloud war es auch, das die beiden promovierten Geschäftsführer Fabian Christ und Benjamin Nagel beruflich zusammenführte: Für Phoenix Contact, den lippischen Hersteller von Verbindungstechnik, bauten sie in einem Forschungsprojekt einen Prototypen, der nach eigenen Angaben auf der Hannover Messe so gut ankam, dass daraus ein fester Auftrag der Blomberger wurde. Dieser wiederum führte vor vier Jahren zur Firmengründung und sorgte dafür, dass das junge Unternehmen völlig ohne Fördermittel oder Schulden die Startphase überlebte und abheben konnte. Phoenix Contact zählt bis heute zu den wichtigsten Kunden, auch wenn die typische Kundschaft der Firma aus kleinen und mittleren Betrieben mit 100 bis 1.500 Mitarbeitern besteht . "Insgesamt ist die Region OWL mit den Netzwerken OWL-Maschinenbau und It's OWL ideal für uns", sagt Benjamin Nagel. Gerade am Anfang habe man auch von einem "tollen Netzwerk der Uni Paderborn" profitiert. Im Umfeld des damals gerade gegründeten TecUP (Technologietransfer- und Existenzgründer-Center) habe man viele Verbindungen knüpfen können. Inzwischen bekam Verlinked einen NRW-Gründerpreis und das Qualitätslabel "Ausgründungen aus der Universität Paderborn".

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