0
Rückblick: Viele Landwirte verzeichnen im Sommer 2018 deutlich weniger Erträge, weil es wochenlang nicht geregnet hat und der Boden staubtrocken war.
 - © Jobst Lüdeking
Rückblick: Viele Landwirte verzeichnen im Sommer 2018 deutlich weniger Erträge, weil es wochenlang nicht geregnet hat und der Boden staubtrocken war.
| © Jobst Lüdeking

Kreis Paderborn Dürre 2018: Wenige Bauern im Kreis Paderborn wollen Beihilfe vom Ministerium

Bloß sechs von 1.500 Paderborner Betrieben bekommen Geld vom Land für die Ernteausfälle. Kreislandwirt Johannes Giesguth sieht andere Wege zur Risikominimierung sinnvoller

Kristoffer Fillies
27.01.2019 | Stand 27.01.2019, 10:22 Uhr

Kreis Paderborn. Der Rekordsommer 2018 beschäftigt die Landwirte im Kreis Paderborn noch immer. Die Politik hatte im Herbst die sogenannte „Dürrebeihilfe" für Betriebe in Aussicht gestellt, die aufgrund der langanhaltenden Trockenheit mindestens 30 Prozent weniger Ertrag nachweisen konnten. Nur wenige der etwa 1.500 Paderborner Landwirtschaftsbetriebe informierten sich bei der zuständigen Landwirtschaftskammer über einen Antrag – ein Bruchteil hat ihn gestellt. „Fast 100 Betriebe haben sich bei uns gemeldet", sagt Stefan Berens, Leiter der OWL-Unternehmensberatung der Landwirtschaftskammer. In den Kreisen Paderborn, Höxter und Lippe seien letztlich nur 18 Anträge gestellt worden. Dabei kämen sechs Anträge aus Paderborn, sieben aus Höxter und fünf aus Lippe. Von einem Paderborner Betrieb sei bis jetzt noch nicht abschließend geklärt, ob er beihilfeberechtigt ist. Die meisten Anträge seien von Futterbaubetrieben mit Milchviehhaltung, Mutterkuhhaltung und/oder der Bullenmast gestellt worden. Bis in den November hinein sei so wenig Regen gefallen, dass viele Felder nur einmal zu Beginn des Jahres abgeerntet werden konnten, erklärt Kreislandwirt Johannes Giesguth. „So wenig Niederschlag ist bisher einmalig gewesen." Getreideernte im gesamten Kreis weniger gewesen Nach einem langen Winter 2017/2018 habe sich gleich der trockene Sommer angeschlossen. „Die Getreideernte ist im gesamten Kreis durchschnittlich weniger gewesen." Die meisten Bauern hätten daher höchstens einen Schnitt für das Futter der Tiere gehabt. „Danach kam nichts mehr." Da sich die Hoffnungen auf genügend Wasser auch im Herbst nicht erfüllt haben, müsste jetzt Futter teuer dazugekauft werden, um die Tiere bis Ende Mai zu versorgen. Dann erst könne mit neuer Ernte gerechnet werden. „Die 18 Betriebe beantragen Beihilfen für Futterzukäufe und einen Ausgleich für die Ertragsminderung", erklärte Unternehmensberater Berens. Durch höhere Preise bei zum Beispiel Gerste sei der Ertragsverlust für viele Betriebe allerdings auch wett gemacht worden. Die Landwirte hoffen, dass das Dürrejahr eine Ausnahme bleibt. Durchschnittlich 14.000 Euro für die Antragssteller Durchschnittlich beträgt die Beihilfe für die Antragssteller rund 14.000 Euro. Die Spanne liegt zwischen 3.000 und 32.000 Euro. Für viele Betriebe sei der erforderliche Nachweis einer Ertragsminderung von 30 Prozent nicht darstellbar gewesen. „Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland sind wir in den drei Kreisen trotz der Trockenheit gut weggekommen", sagt Berens. Josef Lammers, Geschäftsführer der Kreisstellen Höxter-Lippe-Paderborn der Landwirtschaftskammer, erwartet das Geld für die Landwirte erst in einigen Wochen. „Derzeit prüft das Landesministerium, ob die Betriebe das Geld in der beantragten Höhe bekommen." Laut Kreislandwirt Johannes Giesguth werden die bestehenden Probleme der Landwirte durch die Dürrebeihilfe nicht gelöst. „An den Zahlen sehen wir, dass die Beihilfe nur einigen wenigen Betrieben nützt." Zudem werde nur 50 Prozent der eigentlichen Schadensumme ausgeglichen. Kreislandwirt fordert Risikoausgleichsrücklage für die Bauern Was wirklich helfen könne, sei die Möglichkeit einer steuerbefreiten Risikoausgleichsrücklage. „Die Forderung ist nicht neu", sagt Giesguth. Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert seit vielen Jahren die Einführung einer steuerfreien Rücklage. In guten Jahren könnten die Landwirte diese bilden sie dann in wirtschaftlich schlechteren Jahren steuerwirksam wieder auflösen. Dadurch sollen, laut DBV, die stark schwankenden Gewinne in der Landwirtschaft besser verteilt werden können und die Einkommensteuerbelastung für die Landwirte reduziert werden. Das Bundesagrarministerium hat sich bisher gegen eine Risikoausgleichsrücklage ausgesprochen und auf eine Studie aus dem Jahre 2011 verwiesen. Danach führe die Rücklage nicht zu den erwünschten Entlastungseffekten bei markt- und witterungsbedingten Einkommensschwankungen in der Landwirtschaft. Für die Dürrebeihilfe aufgrund der Ernteausfälle 2018 haben Bund und Land bis zu 17,8 Millionen Euro in NRW bereitgestellt. Insgesamt 637 Anträge sind bei der Landwirtschaftskammer NRW eingegangen. 15,5 Millionen Euro betrage das Antragsvolumen. Demnach reichen die Bundes- und Landesmittel aus, heißt es in einer Pressemitteilung der Landesregierung. Die durchschnittliche Antragshöhe liegt landesweit bei 24.300 Euro.

realisiert durch evolver group