Erinnerung: An Kardelen erinnert ein Gedenkstein auf dem Westfriedhof. - © Holger Kosbab
Erinnerung: An Kardelen erinnert ein Gedenkstein auf dem Westfriedhof. | © Holger Kosbab

Paderborn Mordfall vor 10 Jahren: Kardelen durfte nicht erwachsen werden

Vor zehn Jahren wurde die achtjährige Grundschülerin von einem Nachbarn missbraucht und ermordet

Paderborn. Das 18. Lebensjahr gehört wohl mit zu den aufregendsten Phasen im Leben eines Menschen. Viel steht dann auf dem Plan, der Führerschein zum Beispiel, der Schulabschluss, erste Erfahrungen im Beruf, möglicherweise auch ausgelassenes Feiern bis in die frühen Morgenstunden, kleine und große freie Entscheidungen. All das durfte Kardelen nicht erleben. Sie wurde ermordet, als sie gerade erst mit dem Besuch der Grundschule begonnen hatte. An diesem Samstag jährt sich der Tag ihres Verschwindens und damit auch ihres gewaltsamen Todes zum zehnten Mal. In den frühen Abendstunden des 12. Januar 2009 – es ist ein Montag – melden die Eltern ihre Tochter bei der Polizei voller Sorge als vermisst. Die Achtjährige hatte nachmittags wie schon so oft in Sichtweite ihres Elternhauses gespielt. Dort begegnet sie ihrem Mörder, dem Nachbarn Ali K. Ihm folgt sie – höchstwahrscheinlich voller Vertrauen – in dessen Wohnung. Der 29-Jährige missbraucht und erwürgt Kardelen. Ihre Leiche bringt er in einem geliehenen Auto bis zum Möhnesee. Während Ali K. die Bekleidung des Kindes aus dem fahrenden Wagen heraus einfach auf die Straße wirft, versteckt er den kleinen Leichnam unter Tannenreisern in einer Schonung. Spaziergänger finden erste Spur am Möhnesee Unterdessen rückt in Paderborn bereits eine große Suchaktion an. Wenige Stunden, nachdem die besorgten Eltern ihre Tochter als vermisst gemeldet haben, durchkämmen Polizeifahrzeuge die Straßen der Stadt, um mit Hilfe von Lautsprecherdurchsagen das Kind zu finden. Noch in der Nacht nehmen Beamte mit Spürhunden die Suche auf, ebenso wie Freunde, Verwandte und Nachbarn der Familie. Zwei Tage später endecken Spaziergängerinnen 60 Kilometer von Paderborn entfernt am Möhnesee Kinderkleidung. Sehr schnell finden die Ermittler der 30-köpfigen Sonderkommission heraus, dass Kardelen die aufgefundene Jeans, den Mantel und die Unterwäsche an dem Tag trug, an dem sie verschwand. 24 Stunden später schlägt ein Polizeihund in einer Tannenschonung am südlichen Ufer des Möhnesees an. Die Fahnder bergen die Leiche eines kleinen Mädchens: Es ist Kardelen. Sie wird am 17. Januar in der Türkei bestattet. Der Täter wird vom Schwiegervater ausfindig gemacht Der Täter ist Anfang Februar überführt. Eine Visitenkarte, die sich bei der am Möhnesee entdeckten Kinderkleidung fand, hat Ali K. ins Visier der Fahnder gebracht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in der Nachbarschaft zu Kardelens Heim werden zahlreiche Spuren gefunden. Auch das genetische Material, das am Leichnam des Mädchens gesichert werden konnte, verweist auf ihn als Täter. Festgenommen wird der 29-Jährige Mitte Februar in der Türkei. Dorthin hatte er sich kurz nach der Tat abgesetzt. Großen Anteil am Fahndungserfolg hat sein Schwiegervater, der Ali K. in seinem Versteck in Didim an der Ägis aufspürte. Am 24. Dezember 2009 wird Ali K. im türkischen Söke zu lebenslanger Haft verurteilt.

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