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Das Aus ist besiegt: Das Möbelhaus Finke in Paderborn schließt 2019 und wird danach abgerissen. - © Marc Köppelmann
Das Aus ist besiegt: Das Möbelhaus Finke in Paderborn schließt 2019 und wird danach abgerissen. | © Marc Köppelmann

Rückblick 2018 Die Finke-Story - Ende eines Möbelhauses

Der Verkauf des Unternehmens und die fatalen Folgen für Paderborn haben unsere Berichterstattung 2018 geprägt. Ein Rückblick.

Martin Fröhlich
31.12.2018 | Stand 31.12.2018, 14:35 Uhr

Paderborn. Als im April Tausende Paderborner ihre Häuser wegen einer Bombenentschärfung verlassen mussten, dachten wir in der Lokalredaktion, dass kein anderes Thema dieser Größe mehr kommen würde in 2018. Doch wir lagen falsch. Die Finke-Story war die Geschichte des zweiten Halbjahres. Beim Blick zurück stießen wir im Archiv auf ein Foto. Es zeigt drei Paderborner Studenten, die einen Einkaufsgutschein für das Möbelhaus Finke gewonnen haben. Das Bild stammt aus dem April und wohl niemand hat da geahnt, was wenige Monate später folgen würde. Für 2019 war noch ein Online-Shop geplant Gerüchte um einen Unternehmensverkauf durch Wilfried Finke (67) gab es in der Szene immer mal, doch nie wurde es konkret. Anders im August 2018. Da informiert der Möbelhändler seine Mitarbeiter darüber, dass er einen Verkauf prüfe. Angebote von der Konkurrenz erhalte er regelmäßig. Die Veränderungen in der Branche machten solche Gedankenspiele notwendig, schreibt er. Zugleich hat er aber Pläne für die Zukunft, kündigt für 2019 einen Online-Shop an. Schon eine Woche später wird die Belegschaft völlig überraschend binnen acht Minuten darüber informiert, dass schon alles beschlossen sei: Die Höffner-Gruppe des Möbelmilliardärs Kurt Krieger übernimmt die Finke-Gruppe. Höffner ist hinter Ikea und XXL-Lutz drittgrößter Player im deutschen Markt. Über genau diese Übernahme war schon 2011 einmal spekuliert worden. Sieben Jahre später betont der gesundheitlich angeschlagene Wilfried Finke, die Übernahme sichere eine Nachfolgelösung nach seinem Ausscheiden. Der Geschäftsführer dementiert Am 9. Oktober dann der Vollzug: Das Bundeskartellamt genehmigt die Übernahme zum 1. Januar 2019. Gerüchte, dass zwei Standorte von Finke geschlossen werden könnten, dementiert zu diesem Zeitpunkt Geschäftsführer Franz-Josef Golüke. Alles scheint seinen Gang wie geplant zu gehen. Bis zum 5. November. An diesem Tag lässt die Krieger-Gruppe die Bombe platzen: das größte Möbelhaus von OWL, der Finke-Standort in Paderborn, wird 2019 geschlossen und abgerissen. Das Unternehmen sei ein Sanierungsfall, sagt Kurt Krieger. Es gebe keine Alternative. 340 Mitarbeiter in Verkauf und Verwaltung verlieren ihre Arbeitsplätze. Lediglich die Logistik in Paderborn bleibt erhalten. Das gelte wahrscheinlich auch für die Finke-Standorte in Kassel, Münster, Hamm, Jena und Erfurt. Details gibt es erst bei der Betriebsversammlung Als Zeitplan gibt die neue Unternehmensleitung vor: Das Möbelhaus schließt Ende Juni 2019, die Verwaltung Ende des Jahres 2019. Aber kurz vor Weihnachten gibt es erneut Nachrichten aus dem Hause Finke: Der Verkauf wird nun schon zum 31. März 2019 eingestellt. Es rechne sich nicht mehr, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Am 22. Dezember meldet die Krieger-Gruppe dann, dass man sich mit dem Betriebsrat in Paderborn auf einen Sozialplan geeinigt habe. Die Details erfahren die Mitarbeiter am 2. Januar in einer Betriebsversammlung. So wird auch das Jahr 2019 in Paderborn weiter im Zeichen der Finke-Story stehen. Wir bleiben für Sie dran.

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