Ohne Zukunft: Das Möbeleinrichtungshaus Finke in Paderborn wird im März 2019 geschlossen. - © Lena Henning
Ohne Zukunft: Das Möbeleinrichtungshaus Finke in Paderborn wird im März 2019 geschlossen. | © Lena Henning

Paderborn Neue Finke-Besitzer einigen sich mit Betriebsrat

Die Mitarbeiter in Paderborn werden über die Details informiert. Die Krieger-Gruppe sieht die Rettung der anderen Standorte vorerst als gelungen an.

Paderborn. Gute Nachrichten für die Finke-Gruppe - zumindest außerhalb von Paderborn. Der neue Besitzer Kurt Krieger (Höffner-Möbel) sieht die Übernahme als vorerst gelungen an. In einer seiner seltenen öffentlichen Stellungnahmen hat der Möbel-Milliardär erklärt, die Rettung für die Standorte in Kassel, Hamm und Münster stehe nun. Für Paderborn erklärte Krieger, man habe sich mit dem Betriebsrat auf einen Sozialplan und einen Interessensausgleich geeinigt. Er sprach wörtlich von einem "Durchbruch". Das Möbelhaus in Paderborn wird bereits zum 31. März geschlossen, nachdem es zunächst bis Juni geöffnet bleiben sollte. Die Verwaltung in Paderborn arbeitet noch bis Ende 2019 und wird dann ebenfalls geschlossen. Das Gebäude wird danach abgerissen. Einzig erhalten bleibt in der Domstadt das Logistikzentrum, das sogar erweitert werden könnte. Mit der Einigung mit dem Betriebsrat in Paderborn sei eine "wichtige Hürde auf dem Weg zur Sanierung der Finke-Gruppe genommen worden", so die Krieger-Unternehmensleitung. Verträge sind schlechter dotiert Am Samstag wurden die Mitarbeiter in Paderborn über die Einigung informiert. Details sind noch nicht bekannt. Eine Einigung auf einen Interessensausgleich ist auch für Arbeitgeber von entscheidender Bedeutung, weil sie verhindert, dass Arbeitnehmer einen Nachteilsausgleich verlangen können. Dieser kann bei Kündigungen unter anderem zu höheren Abfindungen führen. Für die Standorte in Hamm, Münster und Kassel gibt es inzwischen sogenannte Fortführungs-Vereinbarungen, so Krieger. Dort allerdings sollen die Mitarbeiter deutlich schlechter dortierte Verträge unterschreiben. Ihr sogenanntes Garantiegehalt würde von rund 2.400 Euro auf rund1.700 Euro sinken und sie wären deutlich stärker von Provisionen für erzielte Verkäufe abhängig. Das aber soll in der Branche durchaus üblich sein. "Die Rettung der Finke-Gruppe in Nordrhein-Westfalen und Hessen steht damit", erklärte Kurt Krieger. "Das ist ein Meilenstein und eine gute Nachricht für die Finke-Gruppe insgesamt." Eine Sanierung sei für alle Beteiligten schwierig und herausfordernd. Die Betriebsräte hätten hart verhandelt. "Geleitet von der Verantwortung für das gesamte Unternehmen haben sie Entscheidungen getroffen, die schmerzhaft sind, jedoch das Überleben von Finke möglich machen und viele Arbeitsplätze sichern." Das verdiene Anerkennung und Respekt. Anderswo ist die Zukunft noch unklar Die Möbelhäuser in Hamm, Münster und Kassel waren nach der Übernahme im Herbst in eigene Gesellschaften ausgegliedert worden. Dadurch mussten dort neue Betriebsräte gewählt werden. Nach den Wahlen traten aber an einigen Standorten die neu gewählten Spitzen zurück und wurden ersetzt. Inwiefern dies mit der Durchsetzung der neuen Rahmenbedingungen in Zusammenhang steht ist unklar. Aus Mitarbeiterkreisen hieß es, die neue Unternehmensleitung habe latent damit gedroht, die Standorte ebenfalls zu schließen, falls die Belegschaft die neuen Bedingungen nicht akzeptiert. Zu hören ist auch von etlichen freiwilligen Kündigungen, was wiederum den Plänen der Krieger-Gruppe entgegenkommt, die ohnehin angekündigt hatte, Personal abbauen zu wollen. Kurt Krieger sieht die Lage der Gruppe nun so: "Finke kann nun wieder nach vorne schauen. Die Gruppe hat wieder eine Zukunft". Er hatte nach der Übernahme öffentlich erklärt, das von Wilfried Finke einst groß gemachte Unternehmen sei ein Sanierungsfall und befinde sich finanziell in dramatisch schlechter Lage. Unklar ist derzeit noch, was mit den Preis-Rebell-Häusern und den beiden Finke-Möbelhäusern in Thüringen geschieht.

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