Fordern Erneuerung: Dem Aufruf des Bundesverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft zu einer Klageandacht folgten am Mittwochabend etwa 100 Menschen. - © Marco Schreiber
Fordern Erneuerung: Dem Aufruf des Bundesverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft zu einer Klageandacht folgten am Mittwochabend etwa 100 Menschen. | © Marco Schreiber

Paderborn Paderborner Katholiken fordern Aufklärung von Missbrauchsfällen

Missbrauchsskandal: Bei der Aktion #MachtLichtan versammeln sich 100 Gläubige vor der Herz-Jesu-Kirche am Westerntor

Marco Schreiber
12.12.2018 | Stand 13.12.2018, 08:53 Uhr

Paderborn. Etwa einhundert Frauen und Männer kamen am Mittwochabend zu einer Klageandacht an die Paderborner Herz-Jesu-Kirche. Sie wollen damit ein Zeichen gegen das Vertuschen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche setzen. Zu der Protestaktion hatte der Bundesverband der Katholischen Frauengemeinschaft unter dem Motto #MachtLichtan. Der nach eigenen Angaben mit 450.000 Mitgliedern größte Frauenverband Deutschlands fordert tiefgreifende Reformen. Verkrustete Machtstrukturen, die den sexuellen Missbrauch nachgewiesenermaßen begünstigen, müssten abgeschafft werden. Nach dem 18 Uhr-Läuten sprach Katharina Brechmann von den Stufen der Kirche am Westerntor zu den versammelten Frauen und Männern. Die Vorsitzende des kfd-Diözesanverbands Paderborn sagte, die Studie der Bischöfe über den sexuellen Missbrauch habe das Vertrauen in die Kirche zutiefst erschüttert. Sie habe "Wut im Bauch und im Kopf" - aber auch die "unerschütterliche Hoffnung", dass Licht ins Dunkel der Missbrauchsfälle gebracht wird und sich die Kirche erneuert. Sie sei enttäuscht und fassungslos über das Schweigen der Verantwortlichen, ergänzte Dorothee Brünger vom kfd-Diözesanleitungsteam. Vertrauen sei zerstört, weil die Täter gedeckt worden seien. "Die Belange der Institution standen im Vordergrund, nicht die Belange der Opfer", sagte Brünger. Von Wut, Enttäuschung und Verzweiflung beim Gedanken an die oft minderjährigen Opfer sprach auch Diözesanpräses Roland Schmitz. Viele würden sich fragen, "will ich noch zu dieser Kirche gehören". "Im Grunde macht das alles sprachlos", sagte Schmitz. Sie wollen Licht ins Dunkel bringen Nach den knappen Ansprachen rief Katharina Brechmann die Versammelten dazu auf, die Kirchentür mit den mitgebrachten Taschenlampen anzuleuchten. Man wolle damit symbolisch Licht ins Dunkel bringen. Danach brachten die Rednerinnen ihren Glauben an die Kraft der Erneuerung zum Ausdruck. Mit einem Gebet fassten sie ihre Hoffnung in Worte, "dass auf Worte Taten folgen". "Definitiv überfällig" fanden zwei Frauen aus Mantinghausen die Protestaktion. Sie seien enttäuscht über die Vorkommnisse und dass nie darüber gesprochen worden sei. Die katholische Kirche stehe eigentlich für Offenheit. Eine Paderbornerin sagte, die Kirche müsse endlich begreifen, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Sie hofft, dass der öffentliche Protest ein Umdenken bewirkt. "Steter Tropfen höhlt den Stein", sagt sie. "Man redet über Verbrecher und Kranke" Diözesanpräses Schmitz sagte nach der 20-minütigen Veranstaltung, man sei den Bischöfen dankbar, dass sie die Missbrauchsstudie überhaupt beauftragt haben. Das Ergebnis allerdings "liegt schwer auf der Seele". Jetzt sei es wichtig, "den Finger in die Wunde zu legen". Man rede über Verbrecher und über Kranke in den eigenen Reihen, was schwer auszuhalten sei. Für diese Forderungen auf die Straße zu gehen, hält Schmitz für einen mutigen Schritt. "Es ist ein Thema, bei dem man sich trauen muss." Deshalb habe man bewusst den Weg gewählt, an vielen Orten vor die Kirchen zu ziehen. Für Katharina Brechmann ging es dabei auch darum, den Frauen und Familien eine Stimme zu geben, die betroffen sind. Brechmann: "Sie werden die Erinnerung an die Übergriffe das ganze Leben nicht los."

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