Rufen zum Protest auf (v.l.): Christa Mertens, Roland Schmitz und Katharina Brechmann vom kfd-Diözesanverband Paderborn. - © Regina Brucksch/kfd
Rufen zum Protest auf (v.l.): Christa Mertens, Roland Schmitz und Katharina Brechmann vom kfd-Diözesanverband Paderborn. | © Regina Brucksch/kfd

Paderborn Katholische Frauen im Kreis Paderborn proben den Aufstand

"Macht Licht an": Die kfd ruft bundesweit zu Klageandachten auf

Marco Schreiber
09.12.2018 | Stand 07.12.2018, 15:37 Uhr

Paderborn. Der größte Frauenverband Deutschlands probt den Aufstand. Die Katholische Frauengemeinschaft kfd will „Druck und Dampf machen", dass sich endlich etwas ändert in der Kirche, sagt Agnes Wuckelt. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd kommt aus dem Paderborner Ortsteil Elsen und wird in Düsseldorf an der bundesweiten Aktion teilnehmen. Was die Frauen damit fordern, nämlich verkrustete Machtstrukturen abzuschaffen, kann durchaus als eine „kleine Revolution" verstanden werden, bestätigt Wuckelt. Licht ins Dunkel des Missbrauchsskandals bringen Am Mittwoch, 12. Dezember, sollen sich Frauen wie Männer zu Klageandachten unter offenem Himmel versammeln. Vor den Kirchtüren wollen sie singen, beten und ihre Forderungen verlesen. Anschließend sollen die Portale mit Taschenlampen ausgeleuchtet werden, weil endlich Licht ins Dunkel des Missbrauchsskandals gebracht werden soll. Mit der Aufklärung sollen unabhängige Stellen beauftragt werden, verlangt der kfd. Mit dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger sei erst „die Spitze des Eisbergs" aufgedeckt worden, sagt Wuckelt. „Über den Missbrauch erwachsener Frauen ist noch längst nichts bekannt." Revolutionär ist die Forderung der kfd nach demokratischen Strukturen in der katholischen Kirche. „Wichtige Entscheidungen sollen nicht nur von Klerikern getroffen werden, sondern auch von Laien", so Wuckelt. Frauen sollen zu Diensten und Ämtern zugelassen werden, die ihnen bisher verwehrt sind. Man könne dies auch als Rückbesinnung auf die Wurzeln der Kirche verstehen. Göttliche Legitimation der Bischöfe? Anfangs seien die Bischöfe auf Zeit gewählt worden, sagt die Diplom-Theologin. Auch eine Abwahl sei möglich gewesen, bis die jetzige Struktur mit einer göttlichen Legitimation versehen worden sei. Der kfd-Bezirk Büren beteiligt sich an sieben Orten an der Aktion, berichtet Bezirksvorsitzende Marianne Kluge. Ihr geht es darum, dass die Frauen mit ihren Forderungen nach außen hin sichtbar werden, nicht länger „nur bei Kaffee und Kuchen bei der Weihnachtsfeier". Was sie vor die Kirchtüren treibt, ist auch die Enttäuschung darüber, „dass sich so wenig getan hat", sagt Kluge. „Wir wollen, dass sich etwas ändert." Diese Forderung wollen die Frauen den Bischöfen bei deren nächster Konferenz waschekörbeweise überreichen, sagt Kluge. Dazu wurden bislang 70.000 Postkarten mit dem Slogan und den drei Kernforderungen beim kfd-Bundesverband abgerufen, die von den Teilnehmern unterschrieben werden können. "Das ging bis in die Schlafzimmer" Auch mit dem Thema Sexualität soll in der Kirche anders umgangen werden, fordert der kfd. Christa Mertens, geistlicher Beistand im Diözesanbezirk Paderborn, wünscht sich mehr Offenheit. Die Kirche dürfe nicht zurückfallen und den moralischen Zeigefinger heben. „Das ging bis in die Schlafzimmer, dass die Kirche den Eheleuten Vorschriften machte", sagt Mertens. Beschlossen wurde die Aktion „#MachtLichtan" bei der Bundesversammlung der kfd. Man wolle damit den aufklärungswilligen Bischöfen den Rücken stärken und die Bremser ermahnen, sagt Bundesvize Agnes Wuckelt. „Es gibt einige Hardliner, die meinen, Veränderungen seien nicht nötig und von Jesus nicht gewollt", sagt sie. Diese hätten den Ernst der Lage nicht erkannt. „Wenn jetzt nichts geschieht, wird die Kirche aus unserer Gesellschaft verschwinden."

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