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Rund 600 Paderborner haben am frühen Montagabend gegen die AfD und ihr Weltbild demonstriert. - © Birger Berbüsse
Rund 600 Paderborner haben am frühen Montagabend gegen die AfD und ihr Weltbild demonstriert. | © Birger Berbüsse

Paderborn 600 Paderborner demonstrieren gegen die AfD

Die Kundgebungen führen zwar zu Verkehrsbehinderungen, bleiben aber friedlich

Katharina Thiel
12.11.2018 | Stand 12.11.2018, 20:56 Uhr |
Birger Berbüsse

Paderborn. Er nutze jede Gelegenheit, um zu zeigen, dass er gegen die Standpunkte und Politik der AfD sei, sagt Christoph Kramm. Deshalb geht der 52-jährige Paderborner natürlich auch am Montagnachmittag auf die Straße, um gegen die Kundgebung der Partei zu demonstrieren. Mit ihm ziehen bis zu 600 weitere Paderborner laut, aber friedlich durch die Innenstadt. Begonnen hatte die Demonstration pünktlich um 16 Uhr vor dem Theodorianum und somit eine halbe Stunde vor Beginn der AfD-Veranstaltung. Zunächst 150 Teilnehmer hören die einstimmenden Worte von Konrad Nagel-Strotmann, Bezirksvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB): „Völkisches Denken und Nazidenken ist leider seit 1945 nicht ausgestorben." Menschen, die nicht deutsch aussehen, würden auf offener Straße gejagt, demokratische Kräfte als linksradikal oder rot-grün-versifft bezeichnet. „Mit Worten wird die Lunte gelegt und die Taten folgen bald." Doch in Paderborn wehre man sich schon lange dagegen. „Denn für die Meinungsfreiheit der Demokratie brauchen und wollen wir keine Alternative!" Carla Klöpper vom Bündnis gegen Rechts verweist auf die Großdemo in Bielefeld vom Wochenende und die Vorfälle in Chemnitz. „Menschenfeindliche Politik muss als solche erkannt, benannt und bekämpft werden, bevor sie in pogromartiger Gewalt gipfelt." Ihre Schlussfolgerung: „Wir müssen immer kritisch bleiben, damit der Rechtsruck in der Gesellschaft nicht weiter normalisiert wird." Denn dies sei ein Ziel, dass die AfD verbissen verfolge. Vom Theodorianum ziehen die Demonstranten die Westernstraße entlang zum Westerntor – und wachsen dabei immer mehr. Bis zu 600 sind es nach Polizeiangaben schließlich, die zwei Mal auf einer Route durchs Riemekeviertel und die Bahnhofstraße die Herz-Jesu-Kirche umkreisen, wo die AfD ihre Versammlung abhält. "Nazis auf den Mond - weil da keiner wohnt" Dabei erklingen immer wieder Rufe wie „Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall", „Alle zusammen gegen den Faschismus" und natürlich „Nazis raus". Auf den Plakaten und Schildern sind Sprüche zu lesen wie „Stoppt den Hass" und „Solidarität statt Hetze". Ein Plakat hält auch die 29-jährige Désirée Hückelheim: „Nazis auf den Mond, weil da keiner wohnt" hat sie drauf geschrieben. Auch sie ist regelmäßig bei den Gegenprotesten dabei. Zwar dürfe sich jeder äußern, sagt sie mit Blick auf die AfD. „Aber es ist wichtig zu zeigen, dass wir mehr sind." Das ist an diesem Montagabend gelungen: Vor der Herz-Jesu-Kirche haben sich nur rund 80 AfD-Anhänger versammelt. Im Mittelpunkt der fünf Reden stand vor allem die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ein Hauch von 1933 liegt in der Luft", sagt Karl-Heinz Tegethoff, Sprecher der AfD im Kreis Paderborn. Norbert Senges, Vorsitzender der AfD im Kreis Höxter, spricht von einem „Irrsinn, in dem wir zur Zeit leben". Als das Schlimmste, was Merkels Regierung hinterlassen habe, bezeichnet er den „Aufstieg der Grünen. Wer die Grünen wählt, wählt Islamisierung und unkontrollierte Massenimmigration." Unterbrochen werden die Reden immer wieder vom Rufen und Pfeifen der Gegendemonstranten, die Thomas Röckemann, Mitglied im Landtag NRW, als „Luschen und Studienabbrecher" bezeichnet. Stephan Brandner, Bundestagsabgeordneter für die AfD, sagt, dass „keiner von denen den Ernst des Lebens verstanden hat." Vom Nationalsozialismus distanzierte er sich: „Wer uns in diese Ecke stellt, ist politisch unfähig." Die AfD habe „keinen einzigen Nazi" in ihren Reihen. Nach etwa zwei Stunden waren beide Veranstaltungen beendet. Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle, allerdings musste das Westerntor mehrfach kurzzeitig gesperrt werden. Erst kürzlich hatten 1.000 Paderborner beim Konzert gegen Hetze und Gewalt ein Zeichen gesetzt.

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