Im Gespräch: Die Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Drüke, Moderatorin Julia Ures und Bürgermeister Michael Dreier. - © Andreas Götte
Im Gespräch: Die Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Drüke, Moderatorin Julia Ures und Bürgermeister Michael Dreier. | © Andreas Götte

Paderborn Im Frauencafé geht's um das Thema Transsexualität

Politisches Frauencafé beschäftigt sich mit dem Thema „Trans in Paderborn“. Die genaue Zahl von Betroffenen ist nicht bekannt.

Andreas Götte
11.11.2018 | Stand 11.11.2018, 10:56 Uhr

Paderborn. Das Thema Transmenschen sorgt bei vielen gleichermaßen für Neugier und Unsicherheit. Wieviele Menschen in Paderborn leben, deren Geschlechtsidentität eine andere ist als ihre Geschlechtsmerkmale ist nicht genau bekannt. Nach Angaben von Bianca Schröder von der Paderborner Aidshilfe gab es nur eine Personenstandsänderung im Jahr, obwohl es zuvor 30 Beratungsanfragen gegeben hatte. Studien gehen davon aus, dass eine von 400 Personen ein Transmensch ist. Das wurde beim politischen Frauencafé der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn am Samstagnachmittag im Rathaus bekannt. Die Transition, also der Übergang von einem in ein anderes juristisches Geschlecht, scheitert laut Schröder in Paderborn an fehlenden Gutachtern und auch häufig am Geld. Nach Angaben von Diplom-Sozialarbeiter und Supervisor Gert Smolorz gibt es zurzeit in Paderborn eine Selbsthilfegruppe mit zwölf Personen. In den Räumlichkeiten der Aidshilfe, treffen sich rund 70 Jugendliche, die sich als queer (Identität zwischen Mann und Frau) bezeichnen. „Darunter sind auch einige Transjugendliche, Eine Transkindergruppe gibt es in Paderborn nicht", so Smolorz. Auch fehlten in der Paderstadt Endokrinologen zur Hormonbehandlung. Unter dem Strich sei Paderborn jedoch in Sachen Transgender ganz gut aufgestellt. Smolorz verwies auf den Antrag auf eine Transberatungsstelle im Jugendhilfeauschuss. Es gebe viele sensibilisierte Schulsozialarbeiter und auch viele sozialpädagogische Familienhilfen. „Ich wünsche mir jedoch mehr Fachkompetenz beim Jugendamt", so Smolorz. Expertin sieht noch viel Handlungsbedarf Lena Klatte, psychosoziale Beraterin im Projekt Transberatung in Düsseldorf, äußerte auch ein paar Wünsche. „Transpersonen sind nicht falsch, sondern das System, in dem sie sich bewegen, ist es", so die Referentin. Sie kritisierte das Transsexuellengesetz (TSG), dass für Betroffene ein Gerichtsverfahren mit zwei Gutachen vorsehe als problematisch. „Antragsteller seien dadurch einem enormen Druck ausgesetzt, dass die Gefahr des Durchfallens groß sei. Klatte sprach sich für den Wegfall des Gesetzes und für die Erweiterung des bestehenden Namensänderungsgesetzes aus. Das sei jedoch am Innenministerium in Berlin gescheitert, so Klatte. „Dabei wäre diese Reform ein Beitrag, Beratungsstellen überflüssig zu machen", betonte die Referentin. Bundesweit gebe es zwar Selbsthilfestrukturen, aber nur wenig professionelle Beratung. Gert Smolorz betonte im Gespräch mit der Moderatorin und freien Journalistin Julia Ures, dass Transpersonen nicht krank seien. Jedoch habe das Leiden der Betroffenen einen Krankheitswert. Transfrauen outeten sich deutlich früher als Transmänner. Smolorz sprach auch das Thema Suizid an. Das könne dann passieren, wenn Betroffene ihr Andersein versteckten und nicht ohne Diskriminierung ausleben könnten. Dabei spiele letztlich das Äußere keine Rolle, sobald Menschen sich zuwendeten. "Wir möchten, dass Transmenschen sich hier wohlfühlen" Nach Angaben der Paderborner Gleichstellungsbeauftragten Dagmar Drüke ist das Thema stets präsent bei ihrer Arbeit. Man arbeite mit der Aidshilfe und bei der Projektförderung zusammen. Zudem sei die Gleichstellungsstelle auch Anlaufstelle für Diskriminierungsformen. Bürgermeister Michael Dreier betonte die weltoffene Ausrichtung Paderborns. „Die Stadt ist bunt und vielfältig. Wir möchten, dass Transmenschen sich hier wohlfühlen und möchten für alle Menschen ein offenes Ohr haben und kompetener Ansprechpartner sein."

realisiert durch evolver group