In Bewegung: Der von Inhabern geführte Möbelhandel steht in Paderborn zahlreichen Filialisten gegenüber. - © Montage NW/Grundmann Fotos: Marc Köppelmann
In Bewegung: Der von Inhabern geführte Möbelhandel steht in Paderborn zahlreichen Filialisten gegenüber. | © Montage NW/Grundmann Fotos: Marc Köppelmann

Paderborn Nach dem Finke-Aus: Möbelhändler wünschen sich einen Platzhirsch

Finke-Ende: Paderborns Möbelhändler beschleicht Verwunderung und Sorge. An bessere eigene Geschäfte glauben die wenigsten. Das größte Möbelhaus im Kreis ist nun in Delbrück

Hans-Hermann Igges
07.11.2018 | Stand 07.11.2018, 13:11 Uhr

Paderborn. Entsetzen und Verwunderung: Die Nachricht vom Ende für das Einrichtungshaus Finke schlägt weiterhin Wellen. Die gesamte Paderborner Möbelwelt zeigt sich betroffen. Tenor: Niemand mag so recht daran glauben oder sich auch nur vorstellen, dass der neue Eigentümer der Finke-Gruppe, die Krieger Handel SE, tatsächlich auf die Platzhirschrolle im Möbelhandel des Oberzentrums Paderborn verzichten wird. Und: Alle glauben, die Stadt insgesamt und auch der Möbelhandel würden verlieren ohne einen solchen Kundenmagneten. Aus der Politik kommen bereits Signale, die Stadt möge sich aktiv um eine anderes großes Möbelhaus bemühen. Wenn Finke schließt, ist das Delbrücker Einrichtungshaus Hansel mit seinen 15.000 Quadratmetern das größte im Raum Paderborn. „Wahrscheinlich wird uns das dann den einen oder anderen Kunden mehr bringen", sagt Albert Hansel, der zusammen mit seinem Bruder Bernfried in zweiter Generation die Geschäfte des Familienunternehmens führt. Und fügt gleich hinzu: „Aber von Freude über die Schließung kann keine Rede sein." "Paderborn braucht einen Magneten" Auch wenn die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Finke-Gruppe in der Branche seit längerem bekannt gewesen sein, habe man doch nicht mit einem so drastischen Schritt gerechnet. Er gehe allerdings davon aus, dass Krieger das Geschäft nach der Zerschlagung völlig neu aufbaue. Albert Hansel: „Nach Paderborn gehört einfach ein großes Möbelhaus. Das gehört zum gesunden Wettbewerb." Selbst hege man jedoch keine Pläne, in diese große Lücke zu springen. Hansel: „Wir sind ein überschaubarer Betrieb und immer gesund gewachsen. Das wäre eine zu große Investition." Allerdings überlege man durchaus seit längerem, in einzelnen Segmenten in Paderborn aktiv zu werden. „Dass nach einer Übernahme gleich das ganze Stammhaus platt gemacht wird – so etwas hätte ich nie gedacht", sagt Martin Johannknecht, der sich als Möbelhändler am Frankfurter Weg schon vor 15 Jahren aus dem Vollsortiment zurückgezogen und auf Sofas und Büromöbel spezialisiert hat. Es sei für ihn unvorstellbar, dass die Krieger-Gruppe den Standort Paderborn ganz aufgebe. Johannknecht: „Paderborn braucht so einen Magneten – gerade mit Blick auf die Nachbarzentren Kassel und Bielefeld. Es wird dort etwas Neues entstehen, wir wissen bloß noch nicht, was." Die Gründe für den harten Schritt könne er nicht beurteilen, das Einrichtungshaus Finke habe bis dato auf ihn aber keinesfalls einen angeschlagenen Eindruck gemacht. Klar sei aber, dass im Möbelhandel ein scharfer Wind wehe. Klar sei auch, dass ein großes Möbelhaus für die Kunden attraktiv bestückt sein müsse. Da seien Sortimentsbeschränkungen, wie sie in Paderborn mit Rücksicht auf die Geschäfte der Innenstadt bestehen, nicht angebracht. Daran, dass der restliche lokale Möbelhandel von der Aufgabe des Finke-Hauses sogar profitieren könne, glaubt Martin Johannknecht nicht. „Das war auch nach der Aufgabe von Osthoff am Frankfurter Weg nicht der Fall", sagt er. „Vielleicht verkaufen wir vorübergehend ein paar Sofas mehr, aber auf die Dauer verteilt sich der Umsatz in der Fläche." Wenn es Neuansiedlungen in Paderborn gebe, dann seien das Filialen von Ketten – ohne Bindung und Identifikation mit der Stadt, befürchtet er. Händler rechnen mit Plänen der Krieger-Gruppe Um die Zugkraft des gesamten Standortes fürchtet auch Nataly Kirwald, Inhaberin des gleichnamigen Geschäftes mit hochwertigen Manufakturmöbeln und Einrichtungsgegenständen in der Innenstadt. Sie sagt: „Dass es bei Finke zuletzt so schlecht gelaufen sein soll, hätte ich nicht gedacht. Wir waren wirklich schockiert, auch wegen der Mitarbeiter." Ohne das große Haus werde Paderborn insgesamt anders wahrgenommen. Aber auch Nataly Kirwald glaubt, dass der neue Eigentümer schon einen Plan in der Tasche habe, den er nur noch nicht bekannt gebe. So könne man die Entscheidung jedenfalls nicht verstehen. Der Fall des Großen zeige aber auch, dass es andererseits für Nischenanbieter wie auch Kirwald selbst durchaus eine Chance gebe, wenn sie sich auf Qualität und Kundennähe besinnen. Ob und welchen Plan die Krieger-Familie in der Tasche hat, weiß auch Frank Wolters nicht. Der Chef der Paderborner Wirtschaftsförderungsgesellschaft war beim 90-Minuten-Gespräch am frühen Montagabend dabei, das Bürgermeister Michael Dreier mit Krieger-Chefin Sonja Krieger führte. Dabei kritisierte Dreier auch die Informationspolitik des Unternehmens, zumal vorherige Gespräche eine solche Wendung offenbar keineswegs hatten denkbar erscheinen lassen. Frank Wolters: „Frau Krieger weiß durchaus, wovon sie redet. Man wird sich durchaus genaue Gedanken gemacht haben, wie es weitergeht." Erste Fraktion fordert Handeln der Stadt Sicher sei es unbefriedigend, dass momentan niemand mehr wisse, aber in der Zwischenzeit bis zur Schließung des Möbelhauses zum 30. Juni werde sich sicher einiges klären. Wolters: „Klar ist immerhin, dass die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Fläche, die ein Standort für Möbel ist, auch über den Abriss hinaus gelten." Momentan gebe es aber auch noch keinen Grund für die Stadt, von sich aus tätig zu werden und womöglich einen anderen Möbelhaus-Großinvestor zu suchen. Das nämlich fordert bereits die Ratsfraktion von „Für Paderborn". Deren Sprecher Stephan Hoppe fordert Bürgermeister Dreier und die Verwaltung auf, entsprechende Planungen vorzulegen. Weitere Gespräche mit Krieger seien sinnlos. Diese würden sich nicht zum (vom Bürgermeister geforderten) Wiederaufbau bekennen. Hoppe vermutet, dem Unternehmen gehe es um Grundstücksspekulationen, „um am Ende die Kommune unter Zugzwang zu setzen und Sonderregelungen zu bekommen". Hoppe weiter: „Aber nicht in Paderborn."

realisiert durch evolver group