Rund 340 Mitarbeiter arbeiten am Finke-Standort in Paderborn. Ihnen droht ab nächstem Jahr die Arbeitslosigkeit. - © Marc Köppelmann
Rund 340 Mitarbeiter arbeiten am Finke-Standort in Paderborn. Ihnen droht ab nächstem Jahr die Arbeitslosigkeit. | © Marc Köppelmann

Paderborn Finke-Schließung in Paderborn: Was die Mitarbeiter dazu sagen

Am Montagmorgen erfahren die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung, dass es in Paderborn nicht mehr weitergeht. Die meisten sind einfach nur fassungslos.

Lena Henning
06.11.2018 | Stand 06.11.2018, 14:48 Uhr
Kristoffer Fillies

Paderborn. Fassungslosigkeit, Wut, Trauer. "Vor allem Trauer", sagt ein Finke-Mitarbeiter. Seit 25 Jahren schon arbeitet er in dem Möbeleinrichtungshaus an der Paderborner Straße. Am Montagmorgen haben er und seine Kollegen erfahren, dass es für sie nicht mehr weiter gehen wird und der Standort in Paderborn im Juni geschlossen wird. Die Krieger-Gruppe, die das Unternehmen Finke im August übernommen hatte, hält das für notwendig, um Finke wieder wettbewerbsfähig zu machen. 340 Mitarbeitern droht die Kündigung. Die Entscheidung ist am Montag das Gesprächsthema unter den Mitarbeitern. Die meisten können noch gar nicht begreifen, was ihnen in der Betriebsversammlung verkündet wurde. Erst vor wenigen Wochen hatte es noch geheißen, dass der Standort Paderborn bestehen bleiben solle. "Es ist, als ob man sein Zuhause verliert", sagt eine Mitarbeiterin, den Tränen nahe. Sie ist seit 25 Jahren bei Finke. "Wir haben das hier doch alles mit aufgebaut." Viele der Mitarbeiter sind schon lange dabei. Teilweise würden mehrere Generationen einer Familie bei Finke arbeiten. "Der Einzelne interessiert gar nicht. Das ist schon alles sehr traurig", sagt einer. "Das ist gnadenlos brutal", sagt ein anderer frustriert. Er ist seit 26 Jahren dabei. Unter der Schließung des Standorts hätten nicht nur die Mitarbeiter, sondern ganze Familien zu leiden. "Wir Mitarbeiter sind nur ein Kostenfaktor" Einige vermuten hinter der Entscheidung, den Standort zu schließen, reines Kalkül: "Wir Mitarbeiter sind für die nur ein Kostenfaktor." Zu viele der langjährigen Mitarbeiter hätten gute Verträge gehabt - zu teuer für die neuen Eigentümer, mutmaßen einige. Viele machen sich jetzt große Sorgen, wie es weitergehen soll. "Ich bin 58 - ich bekomme doch nirgendwo mehr einen Job", sagt eine Mitarbeiterin. Sie setze ihre Hoffnung jetzt auf den Betriebsrat. "Der macht wirklich gute Arbeit." Der Betriebsrat will mit der Krieger-Gruppe einen Sozialplan aushandeln. Arbeitsmarktlage im Einzelhandel sei gut Bereits jetzt stehe die Agentur für Arbeit im Kontakt zur Finke-Filialleitung. Älteren Arbeitnehmer möchte die Arbeitsagentur Mut machen: "Die Lage für Berufe im Einzelhandel ist gut. Arbeitgeber suchen nach Fachkräften. Da sind Mitarbeiter mit langjähriger Berufserfahrung besonders wertvoll geworden", sagt Matthias Dainat, Sprecher der Arbeitsagentur Ostwestfalen-Lippe. Nächste Woche werde es erste Mitarbeitergespräche bei Finke geben. In einer großen Versammlung solle es um Themen wie Arbeitslosengeld oder Weiterbildungsmöglichkeiten gehen. "Die Mitarbeiter können uns dann alles fragen, was ihnen zum Thema Jobverlust unter den Nägeln brennt", sagt Dainat. Gleichzeitig gehe es der Arbeitsagentur darum, in persönlichen Gesprächen mit Mitarbeitern schon konkret die Arbeitssuche zu besprechen. "Die Mitarbeiter erhalten von uns beratende Unterstützung. ,Wie bewerbe ich mit bei anderen Unternehmen und wie finde ich diese Überhaupt?', sind Fragen, die wir klären können." Erleichterung herrschte dagegen am Standort der Logistik Finke in Mönkeloh - zumindest vorerst. Die Mitarbeiter waren am Montagmittag nämlich ebenfalls zu einer Versammlung eingeladen und kamen mit einem eher mulmigen Gefühl. Ihnen sei jedoch versichert worden, dass es erstmal so weitergehen soll - ohne Kündigungen.

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