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Rund 1.000 Paderborner sind zu dem Konzert gekommen. Viele schwenken Flaggen. - © Hans-Hermann Igges
Rund 1.000 Paderborner sind zu dem Konzert gekommen. Viele schwenken Flaggen. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Paderborner setzen Zeichen gegen Hetze und Gewalt

1.000 Besucher kommen zum Konzert auf dem Marktplatz

Hans-Hermann Igges
27.10.2018 | Stand 27.10.2018, 12:43 Uhr |

Paderborn. Kulturfeststimmung auf dem Marktplatz: Auch das doch noch regnerische Herbstwetter konnte gestern Abend nicht verhindern, dass bis zu tausend Paderbornerinnen und Paderborner demonstrativ Flagge zeigten für eine lebendige Demokratie und gegen Hetze und Gewalt. Im Vordergrund des dreistündigen Programms standen zwar Musik und Poetry Slam, doch fehlte es nicht an politischen Botschaften. „What a wonderful world": Lothar Pohlschmidt, Sänger und Initiator des Konzerts, setzte mit rauchiger Stimme gleich zu Beginn den Akzent: Die Welt ist doch viel zu schön für Hass und Verachtung. Eine Lesart, die von Lokalgrößen aus der Musik- und Poetry-Slam-Szene vertieft wurde. Dabei waren die Pop- und Rockmusiker von GoodBeats und Miss Daisy, die Jazzer Benny Düring und Rainer Schallenberg sowie das Quintessence Saxophone Quintett, Bruni Bruns und Matthias Wegener. Dazu gesellten sich, ebenfalls ohne Gage, die Wortakrobaten Dean Ruddock und Nadine Durbberke. Bis es am Ende gemeinsam und individualistisch hieß: „My Way". Bewusst kurz fielen die politischen Statements aus – es dürfte ohnehin fast jeder gewusst haben, worum es ging. Paderborns CDU-Bürgermeister Michael Dreier dankte Pohlschmidt und talkte auf der Bühne mit dem stellvertretenden Landrat Vincenz Heggen (ebenfalls CDU) sowie Jürgen Schmidt (SPD) über Demokratie und Zusammenhalt. Mit Spannung erwartete man Theater-Intendantin Katharina Kreuzhage. Denn: Gegen sie wurde vom AfD-Kreisverband Strafanzeige wegen Verleumdung und Volksverhetzung gestellt. Anlass dafür sieht die AfD in einer Grafik im aktuellen Theaterprogramm, in der Wahlergebnisse von AfD und NSDAP gegenübergestellt werden. Ob ein Verfahren eröffnet wird, ist unklar. Die Anzeige vom 7. August befindet sich immer noch in der Prüfung durch die Paderborner Staatsanwaltschaft. Kreuzhage. "Wir sind in der Mehrheit" Den Vorwurf finde sie „einigermaßen bizarr", sagt Kreuzhage nur. Dann kam sie aufs Grundsätzliche, auf die politischen Kräfte, die bei verunsicherten Menschen Ängste schüren, einfache Lösungen vorgaukeln und einen autoritären Staat wollen. Dabei seien Demokratie und Rechtsstaat wesentlich dafür, Lösungen für die Probleme zu entwickeln. Und, so Kreuzhage, die dafür mit viel Applaus und Bravo-Rufen bedacht wurde: „Wir, die Anhänger von Demokratie und Freiheit, sind in der Mehrheit. Das sollten wir öfter mal spüren lassen." Zuvor hatte Martin Menacher, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Ostwestfalen-Lippe, für einen Zusammenschluss plädiert „gegen rechte Hetze und Gewalt über alle Partei- und Organisationsgrenzen hinweg, egal ob auf der Arbeit, im Sportverein, in der Nachbarschaft oder in der Politik". Es liege an jedem Einzelnen, wie lebendig die Demokratie sei. Und die gebe es weder ohne Streit noch ohne Minderheitenrechte. Unsachliche Kommentare in sozialen Medien seien wenig förderlich; mit ideologischen Scheuklappen und Gesprächsverweigerung gegenüber politisch Andersdenkenden komme man aber auch nicht weiter. Gleichzeitig forderte er, den „Inszenierungen rechter Propaganda und bewussten Tabubrüchen keinen Raum" zu geben. Die Alternative zur Demokratie bedeute einen Rückfall in Terror und Barbarei, warnte er und beklagte den „Schulterschluss der AfD mit rechtsextremen Organisationen und gewaltorientierten Hooligans" wie zuletzt in Chemnitz. Für Betroffenheit sorgte schließlich Noah Ebrahem, ein aus Syrien Geflohener mit der Schilderung persönlicher Erfahrungen.

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