Jochen Viehoff (v. l.), Thies Pfeiffer  und Doreen Hartmann demonstrieren, was der Serviceroboter Prepper kann. - © Hans-Hermann Igges
Jochen Viehoff (v. l.), Thies Pfeiffer  und Doreen Hartmann demonstrieren, was der Serviceroboter Prepper kann. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn In Paderborn sind die Roboter los

Künstliche Intelligenz und Robotik im Heinz-Nixdorf-Museumsforum

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Ab jetzt wird im Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) permanent gefegt. Allerdings nur in einem Glaskasten. Dafür aber von einem über zwei Meter großen Roboter namens Beppo. Mit äußerster Akkuratesse schiebt der weiße Riese per Besen rote Kügelchen zu Mustern zusammen - es sollen vier Millionen sein, die er so täglich bewegt. Doch Beppo wird dauernd gestört: Ein Lichtkegel wandert auf dem Granulatteppich hin und her. Dieser irritiert ihn derart, dass Beppo das Licht scheinbar wütend mit seinem Besen ausstößt, bevor er weiter arbeitet. Der Lichtkegel wiederum reagiert auf Bewegungen der Besucher, die sich vor dem Glaskasten bewegen. Es dürfte schwer sein, dem faszinierenden Spiel mit dem fegend meditierenden Beppo, der eigentlich ein umprogrammierter Arbeitsroboter aus der Automobilindustrie ist, nicht zu verfallen. Und Roboter Beppo hat reichlich Kollegen im neuen Ausstellungsbereich des Paderborner Computermuseums. Der widmet sich auf 500 Quadratmetern mit über 70 Exponaten und 22 interaktiven Medienanwendungen und Mitmachstationen dem aktuellen Thema der Künstlichen Intelligenz (KI). "Diese ist seit ein paar Jahren auch im Alltag der Menschen angekommen", nennt HNF-Geschäftsführer Jochen Viehoff den Grund, warum das immer noch weltweit größte Computermuseum seine 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zum Teil neu konzipiert hat. Dabei ist KI eigentlich schon immer wesentlicher Bestandteil des HNF, das schon 2001 in einer Sonderschau die Leistungsfähigkeit von menschlichem Gehirn und Computern verglich. Auch ein Avatar ist dabei Zwei Jahre Vorbereitung haben Viehoff sowie Kuratorin Doreen Hartmann und ihr Team in den neuen Ausstellungsschwerpunkt gesteckt. Viele Objekte wurden extra dafür angeschafft, etliche waren aber auch schon vorhanden. Zum Beispiel Avatar Max, der auf Texteingaben der Besucher reagiert und sogar seine Mine verziehen kann. Ab 1999 an der Universität Bielefeld entwickelt, spricht er seit 14 Jahren vorbeischlendernde Besucher an. Thies Pfeiffer vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) hat schon als Student an dem Avatar mitgearbeitet. Er sagt: "Es ist interessant zu sehen, wie zeitlos Max eigentlich ist." Zwar verfüge Max über keine Sprachsteuerung, von seiner bekannten Kollegin Alexa, die auf Zuruf zum Beispiel den Wetterbericht vorträgt, unterscheide ihn aber immer noch ein sehr viel breiteres Wissen. Das Spektrum der ausgestellten Maschinen reicht insgesamt von fußballspielenden und sozialen über spielerische Roboter bis zu Literatur- und Filmfiguren wie HAL9000 und RoboCop. Wen soll ein selbststeuerndes Auto überfahren? Die Ausstellung will aber weit mehr als ein Schau technischer Spielereien sein. "Wir wollen Interesse wecken und Technik erklären und so auch zu ihrer Entmystifizierung beitragen", sagt Kuratorin Doreen Hartmann. Letztendlich sollten die Besucher eine eigene Haltung entwickeln können zu wichtigen, auch ethischen Fragen im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI. Prägnantes Beispiel: Wen soll ein autonom fahrendes Auto im Zweifel tatsächlich überfahren? Die Oma oder das Kind? Die Ausstellung wird von einem Vortragsprogramm begleitet, das am 7. November startet. Zum Familientag an diesem Sonntag (10 bis 18 Uhr) ist der Eintritt ins gesamte HNF frei.  

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