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Es wird noch mit weiteren Opfern gerechnet. - © Pixabay (Symbolbild)
Es wird noch mit weiteren Opfern gerechnet. | © Pixabay (Symbolbild)

Paderborn Weitere Missbrauchs-Opfer melden sich im Erzbistum Paderborn

Nicht nur Priester sind beschuldigt. Neun Kleriker sind in der Seelsorge der katholischen Kirche tätig

Sabine Kauke
23.10.2018 | Stand 23.10.2018, 18:40 Uhr

Paderborn. Im Paderborner Erzbistum haben sich nach der Vorstellung der Missbrauchsstudie weitere und damit neue Betroffene gemeldet. „Ja, es werden weitere Gespräche geführt", bestätigte Pressesprecher Thomas Throenle auf Nachfrage der Neuen Westfälischen. Darüber hinaus gibt es laut Erzbistum auch Kontaktaufnahmen von Angehörigen Betroffener und Hinweise Dritter. Ehe sich ein Opfer melde, seien seit dem Übergriff oft Jahre oder gar Jahrzehnte vergangen. „Darum ist davon auszugehen", so Throenle, „dass sich weitere Betroffene melden werden." Zuerst hatte Radio Hochstift über die neuen Betroffenen berichtet. "Kein Paderborner Bischof beschuldigt" Das Generalvikariat verzeichnet in den Jahren 1946 bis 2015 mindestens 197 Betroffene, zu zwei Dritteln männlich, und 111 beschuldigte Kleriker. Bei ihnen handelt es sich nicht allein um Priester aus Kirchengemeinden, sondern offenbar auch um Funktionsträger. „Von den Paderborner Bischöfen ist keiner beschuldigt", heißt es in der Pressestelle des Generalvikariates. Bis zum Ende des Untersuchungszeitraums am 31. Dezember 2015 waren bereits 82 der 111 Beschuldigten verstorben, fünf weitere starben seither. Wo werden die übrigen 24 noch lebenden Kleriker im Erzbistum eingesetzt? „Der Missbrauchsbegriff ist in der MHG-Studie sehr weit gefasst", erläutert Thomas Throenle. Er umfasse auch Grenzverletzungen wie beispielsweise ungewollte Umarmungen. Entsprechend unterschiedlich sei der Einsatz der Beschuldigten, wobei man sich konsequent an die Vorschriften der Deutschen Bischofskonferenz halte. „Wer sich eines Missbrauchs eines Minderjährigen schuldig gemacht hat, wird nicht mehr im Dienst eingesetzt. In Fällen von Grenzverletzungen kommt nach entsprechender Begleitung allenfalls ein Einsatz in besonderen Seelsorgebereichen ohne Bezug zu Kindern und Jugendlichen in Betracht. Sofern sich ein Missbrauchsvorwurf nicht bestätigt hat, ist nach Prüfung des Einzelfalls ein Einsatz in der Seelsorge möglich", so Throenle. Wer Missbrauch begangen hat, wird nicht mehr eingesetzt „13 der 24 Kleriker sind inzwischen in Rente", sagt der Pressesprecher. Zwei weitere sind aus dem priesterlichen Dienst ausgeschieden: Beide wurden nach Rom gemeldet worden, wo Dienstenthebungsverfahren geführt werden. Einer von ihnen sei auf eigenen Antrag aus dem Klerikerstand entlassen worden, der andere wurde strafweise entlassen. Drei weitere Beschuldigte würden aktuell in der Sonderseelsorge im Erzbistum Paderborn eingesetzt, die übrigen sechs in der allgemeinen Seelsorge. Anzeigen gegen bereits verstorbene Täter gibt es nicht und auch nicht alle 24 noch lebenden Beschuldigten wurden angezeigt. „Grenzverletzungen kommen nicht zur Anzeige. Aber im Falle eines Missbrauchsverdachts wird Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft ermittelt", erläutert der Pressesprecher. Ausnahme: „Wenn ein Opfer das nicht möchte". Aber auch dann gibt es eine Ausnahme: „Besteht Wiederholungsgefahr, dann müssen wir eine Anzeige machen, auch gegen den Willen eines Opfers". "Institutionelles Versagen" In der vergangenen Woche haben sich die Generalvikare der 27 deutschen (Erz-)Diözesen mit der MHG-Studie und der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche befasst. Übereinstimmend betonte die Konferenz, dass das "institutionelle Versagen" aufgearbeitet, Intervention und Prävention weiterentwickelt werden müssten, wie es auch schon Paderborner Akteure gefordert haben. Dazu gehörten das Thema „innerkirchliche Machtstrukturen" ebenso sowie Fragen der Sexualmoral. Diskutiert wurde auch die Frage der Einrichtung interdiözesaner/bistumsübergreifender Sondergerichte.

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