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Manfred Webel unterstützt Caspar (18) dabei, aus einem Yton-Stein einen Kopf zu fertigen. - © Lena Henning
Manfred Webel unterstützt Caspar (18) dabei, aus einem Yton-Stein einen Kopf zu fertigen. | © Lena Henning

Paderborn Wie junge Paderborner Künstler von Profis lernen

Beim Projekt "Kulturgesellen" lernen die Jugendlichen auch, wie sie ihre Kreativität beruflich nutzen können

Lena Henning
19.10.2018 | Stand 18.10.2018, 15:55 Uhr

Paderborn. Bildhauerei, Fotografie, Malerei, Design - das ist doch brotlose Kunst? Dass das nicht so ist, zeigen sechs Paderborner Künstler, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Und genau dazu wollen sie Jugendliche mit dem Projekt "Kulturgesellen" motivieren. "Bei der klassischen Berufsorientierung in der Schule fällt der kreative Bereich oft komplett raus", sagt Laura Schlütz. Sie ist Modedesignerin und eine der Künstlerinnen, die den Jugendlichen zur Seite stehen. Sie weiß aus eigener Erfahrung: Die Entscheidung für einen kreativen Beruf erfordert Mut. Sie entschied sich gegen das Lehramtsstudium, das ihr ein sicheres Einkommen und geregelte Arbeitszeiten garantiert hätte, und studierte stattdessen Mode-Textil Design. Inzwischen entwirft sie eigene Kleidungsstücke. "Das ist genau der Weg, der mich erfüllt", sagt sie über ihre Berufswahl. Lorena (14) ist begeistert. Sie will auch Modedesignerin werden. Ihr Gesellenstück, das sie in der zweiwöchigen Projektphase gemeinsam mit Laura Schlütz entwirft und erarbeitet, soll ein gelber Overall im Stil einer Latzhose sein. Dazu hat sie ein sogenanntes Moodboard erstellt, eine Art Pinnwand, auf der sie Ideen sammelt - zu Schnitten, Formen, Stoffen. "Man kann nicht einfach drauf los schneidern", erklärt Schlütz. Verschiedene Entscheidungen müssen berücksichtigt werden: Soll das Kleidungsstück alltagstauglich oder festlich sein? "Auch den richtigen Stoff auszuwählen, ist gar nicht so einfach", sagt Lorena. Wie soll der Stoff fallen? Soll er leicht und fließend sein oder schwer? "Die Farbe ist nicht alles", so Schlütz. "Man braucht Leidenschaft und muss zäh sein" Maya (14) malt und zeichnet normalerweise sehr gerne. Bei den Kulturgesellen arbeitet sie das erste Mal mit Holz. Aus Menschen mit Insektenköpfen hat sie eine Tanzszene entworfen - zunächst als Bleistiftskizze auf Papier, die dann weiter abstrahiert und schließlich aufs Holz übertragen wird. "Das macht viel Spaß, aber zwei Wochen sind fast ein bisschen wenig Zeit", sagt sie. Sie muss sorgfältig arbeiten - jeder Handgriff muss sitzen. "Holz kennt keine Gnade", sagt der Künstler Manfred Webel, der Maya anleitet. Auch Caspar (18) arbeitet mit einem für ihn ganz neuen Material: Ytong, einem leichten Porenbeton, der normalerweise auf Baustellen eingesetzt wird. "Ich wollte gerne was Abstraktes machen und hatte die Idee für ein verzerrtes Gesicht, das irgendwie geknickt aussieht", sagt Caspar. Sein Kunstwerk hat auch eine politische Botschaft: Die Skulptur soll später den Kopf eines Schwarzen darstellen, auf dem Schädel ein Handabdruck eingearbeitet werden. "Das soll die Unterdrückung darstellen", erklärt der junge Künstler - anfassen ausdrücklich erlaubt. Manfred Webel ist begeistert: "Hier sind wirklich tolle Jugendliche dabei, viele sind sehr begabt und schuften mit Herzblut." Webel, Schlütz und die anderen Künstler unterstützen die Jugendlichen, erklären, wie sie arbeiten, und wie man ein professioneller Künstler werden kann. "Man braucht auf jeden Fall Leidenschaft - und man muss zäh sein", sagt Webel. "Man muss das lieben, was man tut", rät Schlütz. Und damit auch die Öffentlichkeit suchen: "Viele Perspektiven ergeben sich, wenn man sich erst einmal in dieser Szene tummelt."

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