Parade zum Christopher-Street-Day im Zeichen der Regenbogenflagge, abseits von Demos ist das Leben für Homosexuelle in Paderborn nicht einfach. - © picture alliance / Frank Duenzl
Parade zum Christopher-Street-Day im Zeichen der Regenbogenflagge, abseits von Demos ist das Leben für Homosexuelle in Paderborn nicht einfach. | © picture alliance / Frank Duenzl

Paderborn Coming-Out-Day: "Es ist schwierig, in Paderborn schwul zu leben"

David und Jason sind homosexuell. Am heutigen Coming-Out-Day erzählen sie von ihren Erfahrungen

Holger Kosbab

Paderborn. Outen? Warum ist das eigentlich notwendig? Familie und Freunde sollten einen so lieben und mögen, wie man ist. Auch wenn jemand schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell ist. Und doch ist es für viele Menschen noch immer ein schwieriger Schritt, sich offen zu ihrer Sexualität zu bekennen. Auch David Koch (32) aus Paderborn und Jason Eppendahl (17) aus Hövelhof haben da ihre Erfahrungen gemacht. Am heutigen Coming-Out-Day ist der passende Tag, um ihre Geschichten zu erzählen. Davids Eltern waren die Ersten, denen er von seiner Homosexualität erzählt hat. Seine Mutter hat locker reagiert und meinte nur, es zähle nur, dass er glücklich sei. Sein Vater machte sich jedoch wie etliche Eltern unnötige Vorwürfe. Er glaubte, in der Erziehung irgendetwas falsch gemacht zu haben. Und vielleicht sei es ja bloß so eine Phase, die vorüber geht. Davids Cousin hatte es da besser: Als er sich gegenüber seinen Eltern als bisexuell outete, reagierten beide ganz entspannt. Immerhin wird David von seinem Vater heute so akzeptiert, wie er ist. „Schon mit zehn Jahren habe ich gewusst, dass ich anders bin", sagt David. Mädchen haben ihn nicht interessiert. Mit 12 war er sich dann sicher, schwul zu sein. Aber erst mit 14 oder 15 war er mutig genug, darüber mit seinen Eltern zu reden. Seine beste Freundin war da an seiner Seite. Als Messdiener die Homosexualität verheimlicht Seine erste Liebe hatte David mit 16. Es war ein Mitschüler aus einer Stufe unter ihm. Mit 16 Jahren hat dann auch seinem besten Freund gesagt, dass er schwul ist. Ab da waren die beiden keine Freunde mehr. „In der Schule habe ich mich gar nicht geoutet", sagt er. Hatte er doch erlebt, wie ein Mitschüler aus der Parallelklasse nach seinem Coming-Out von anderen Schülern gehänselt wurde. Komplett offen schwul lebt David erst seit einigen Jahren – außerhalb Paderborns auch schon länger. An der Pader hat er seine Homosexualität eher verdeckt und vor allem als Messdiener im Dom – zuvor war er ab seinem 14. Lebensjahr in Schloß Neuhaus und Elsen Ministrant – ganz versteckt. Jetzt kehrt er der katholischen Kirche aufgrund ihrer Einstellung zu seiner Sexualität den Rücken. Er wird austreten. Weiter mitmarschieren will er dagegen bei den Neuhäuser Schützen. Hier wissen einige bereits, dass er nur Männer liebt. In Kürze beendet David seine Ausbildung zum Kundenbetreuer, mit dem Fahrplanwechsel zum 9. Dezember wird er im Rhein-Ruhr-Express unterwegs sein. "Ganz langsam geht es" Jason war 12 oder 13 Jahre, als er fühlte, schwul zu sein. In seiner Familie haben davon zuerst seine Mutter und seine Großmutter erfahren. Die haben ihm den Rücken gestärkt. Sein Vater hatte damit jedoch große Probleme. Sprüche wie „Ich hätte so gerne gerne Enkelkinder" musste sich Jason anhören. „Aber ganz langsam geht es", sagt der Schüler des Paderborner Gymnasiums Theodorianum. Da Jason eher der Typ Einzelgänger ist und nicht viele Freunde hat, blieben hier entsprechende Enttäuschungen wegen seiner Homosexualität aus. Und als er früher im Verein Badminton gespielt hat, da ging es um Sport. Seine Sexualität war einfach kein Thema. Mit seinem Schwulsein geht er allerdings sehr offen um. Ein Bändchen in Regenbogen-Farben am Handgelenk oder ein T-Shirt der Pader-Pride – der Paderborner Christopher Street Day – sind eine Art Dauer-Outing. Von der Schwierigkeit in Paderborn offen schwul zu leben Doch er kennt auch das Gegenteil, Schwule, die nur im vertrauten Raum offen leben. „Es ist noch immer so, dass wir nicht überall so leben können, wie wir wollen", sagt David. Gerade in Paderborn sei es – anders als in Köln, Hamburg oder Berlin – schwierig, offen schwul zu leben. Er erinnert sich auch an Situationen, in denen sich andere plötzlich merkwürdig gefühlt hätten, als sie von seinem Schwulsein wussten. „Wenn alles in Ordnung wäre, dann bräuchten wir keinen Christopher Street Day", sagt Jason. Dabei ebneten Schwule, Lesben, Bi- und Trans- und Intersexuelle so zugleich auch für andere Menschen den Weg, so leben zu können, wie sie wollen. „Damit sind wir eine Art Schneepflug für die Gesellschaft."

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