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Therapiewillig: Wilfried W. will in die Psychiatrie. - © Wilfried Hiegemann
Therapiewillig: Wilfried W. will in die Psychiatrie. | © Wilfried Hiegemann

Paderborn/Höxter Bosseborn-Prozess: Urteil möglicherweise schnell rechtskräftig

Bosseborn-Prozess: Nach zwei Jahren hat das Schwurgericht Paderborn ein Urteil gefällt, das möglicherweise schon bald rechtskräftig wird

Jutta Steinmetz
06.10.2018 | Stand 06.10.2018, 14:37 Uhr

Paderborn/Höxter. Was lange währt, wird endlich gut, ist eine reichlich abgedroschene Sentenz – die aber möglicherweise nur allzu gut auf den Bosseborn-Prozess zutrifft. Mit dem Urteil des Schwurgerichts Paderborn zeigten sich alle Beteiligten zufrieden. Sehr gut möglich also, dass die Entscheidungen der Richter um den Vorsitzenden Bernd Emminghaus schnell rechtskräftig werden. Dabei hatten Anklage und Verteidigung mächtig weit auseinandergelegen mit ihren Anträgen. Lebenslänglich hatte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer für das Paar gefordert, während sich Verteidiger Peter Wüller für einen Freispruch seiner Mandantin Angelika W. ausgesprochen hatte. Überprüfung durch den Bundesgerichtshof „Das Urteil ist sehr gut begründet und inhaltlich zutreffend", sagte Meyer anerkennend nach Ende der Verhandlung. Zwar seien die Richter seinem Antrag, Angelika W. und Wilfried W. zu lebenslanger Haft zu verurteilen, nicht gefolgt. Sie hätten sich aber den Vorwurf „Mord durch Unterlassen" zu eigen gemacht. Ob er eine Überprüfung durch den Bundesgerichtshof anstrebt, mochte Meyer noch nicht verbindlich sagen. „Ich tendiere aber eher nicht dazu", gab er einen kurzen Hinweis. Ähnlich äußerte sich auch Peter Wüller. Seine Mandantin sei zufrieden. „Sie hat schon über Rechtskraft nachgedacht", sagte er. „Aber ich möchte, dass sie darüber noch eine Woche lang nachdenkt. Allerdings ist Angelika W. sehr gut davongekommen." Entspannung auch bei den Verteidigern von Wilfried W. „Wir sind mit dem Urteil äußerst zufrieden", resümierte Detlev Binder. Das Gericht habe deutlich zwischen den Angeklagten differenziert und bei Angelika W. einen größeren Schuldanteil gesehen. Trotz ihres Aussageverhaltens – die 49-Jährige hatte frühzeitig die Taten offenbart und dabei sowohl ihren Ex-Mann wie auch sich selbst schwer belastet – sei Angelika W. zu einer höheren Strafe verurteilt worden. In die forensische Psychiatrie Dass es ihm am liebsten gewesen wäre, wenn das Urteil schon direkt nach seiner Verkündung rechtskräftig geworden wäre, daraus machte Detlev Binder keinen Hehl. „Wir hätten Rechtsmittelverzicht erklärt", sagte er. Damit hätte sein Mandant sowohl den Schuldspruch als auch das Strafmaß sofort akzeptiert. Der Verteidiger möchte nämlich gerne, dass Wilfried W. möglichst bald aus dem Gefängnis in die forensische Psychiatrie wechselt. Sein Mandant müsse schnell mit der Therapie beginnen, sagte Binder. Angelika W. hingegen möchte, wie Wüller sagte, da bleiben, wo sie ist. Es gefalle ihr im Gefängnis. „Sie fühlt sich da wohl."

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