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Die Reihe "Kammerflimmern" startet am Paderborner Theater. - © Reinhard Rohlf
Die Reihe "Kammerflimmern" startet am Paderborner Theater. | © Reinhard Rohlf

Paderborn Kino im Theater: Neue Film-Reihe startet im Paderborner Schauspielhaus

Kammerflimmern: Intendantin Katharina Kreuzhage bringt Filmstoff auf die Theater-Leinwand

Holger Kosbab
03.10.2018 | Stand 03.10.2018, 14:47 Uhr |

Paderborn. Literarische und filmische Stoffe hat Paderborns Theater-Intendantin Katharina Kreuzhage schon immer gerne auf die Bühne gebracht. Jetzt zeigt sie auch Filme. Am Samstag, 6. Oktober, startet im Studio die neue Reihe „Kammerflimmern". Kreuzhage ergänzt das Theaterprogramm um Filme, die gesellschaftskritische Themen aufgreifen oder inhaltlich zum Spielplan passen. Zwischen Kino- und Theaterkunst gebe es unendlich viele Parallelen, sagt Kreuzhage. Mit dem Programm möchte das Theater aber auch eine Lücke im Bereich des Programm- und Arthouse-Kinos schließen, das in Paderborn so nicht existiert. Zugleich kooperiert das Theater mit dem Pollux-Kino, über das die Abrechnungen und der Erwerb der Filmrechte laufen. Kino und Theater erhoffen sich davon gegenseitige Effekte und neue Besuchergruppen. Filme ohne Werbung und jede Menge Beinfreiheit „Wir sind uns bewusst, dass es wohl etwas dauern wird, bis sich das Paderborner Kino- und Theaterpublikum daran gewöhnt hat", sagt Kreuzhage. Im Angebot habe sie anspruchsvolle Filmkost, die ohne Werbung läuft, Beinfreiheit ohne Ende und Popcorn. Filmbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 9 Euro (ermäßigt 7,50 Euro). Zum Auftakt am Samstag, 6. Oktober, läuft „Cleaners" über die Zensur von pornografischen oder gewalttätigen Inhalten bei Facebook. Der Film lief kürzlich bereits im Fernsehen, dürfte seine Eindringlichkeit aber auch auf der großen Leinwand entfalten. Der Film zeigt die Gefahren des Internets am Beispiel von Facebook-Mitarbeiten auf den Philippinen. Zugleich sei die Internet-Reinigung ein zweischneidiges Schwert, sagt Kreuzhage. Das Theater selbst hat sich aus Gründen des Datenschutzes bewusst von Facebook, Instagram und Youtube verabschiedet. Die Reihe wird am 2. November mit „A Serious Man" von den Brüdern Joel und Ethan Coen fortgesetzt, der locker an die aktuelle Inszenierung „Oleanna" angelehnt ist. Am 7. Dezember folgt „Styx": Darin spielt Susanne Wolff eine Ärztin, die während eines Segeltörns auf ein überfülltes Fischerboot trifft, das nach einem Sturm unterzugehen droht. Im Kern steht die Frage nach dem Helfen und was Hilfe ist. Wenn Träume an der Realität scheitern „Citizenfour" behandelt am 5. Januar den Fall Edward Snowden. Um zwei kenianische junge Mädchen geht es am 1. Februar in „Rafiki". Die beiden stammen aus Familien mit politisch völlig unterschiedlichen Meinungen – und verlieben sich ineinander. Die beiden letzten Filme beziehen sich direkt aufs Theaterprogramm. „Robert & Frank" (1. März) um einen alternden Juwelendieb und seinen Pflegeroboter dockt an „Ab jetzt" an: ein Stück von Alan Ayckbourn über die soziale Kompetenz von Mensch und Maschine. Der Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" (4. Mai) blickt in die kaputte Seele eines US-Dorfs. Auf der Bühne liefert das Theater dazu „Mary Page Marlowe – Eine Frau" über Lebensträume, die an der Realität scheitern. Noch ohne Termin ist „Kulenkampffs Schuhe" über die Fernsehunterhaltung im Nachkriegs-Deutschland: Shows, die die Traumata einer ganzen Nation therapieren sollen.

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