Wird abgerissen: Dieser an den Marienplatz grenzende Teil wird künftig durch den Neubau der Stadtverwaltung ersetzt. - © Holger Kosbab
Wird abgerissen: Dieser an den Marienplatz grenzende Teil wird künftig durch den Neubau der Stadtverwaltung ersetzt. | © Holger Kosbab

Paderborn Paderborner Stadthaus-Entscheidung nochmal vertagt

Den Kommunalpolitikern fehlen detaillierte Informationen. Auch ein anderer Standort kommt wieder ins Spiel

Holger Kosbab
21.09.2018 | Stand 21.09.2018, 12:02 Uhr

Paderborn. 69,5 Millionen Euro soll die neue Paderborner Stadtverwaltung am Standort Abdinghof kosten. Deren Herzstück soll ein moderner Bürgerservice sein, wofür allein 44,5 Millionen Euro eingeplant sind. 13 Millionen sind für die Sanierung der Gebäudeteile A und B vorgesehen. Bei solchen Summen war den Mitgliedern des Bauausschusses und des Betriebsausschusses Gebäudemanagement eine gerade mal zweieinhalbseitige Vorlage zu dünn, um dem Riesenprojekt gleich im ersten Durchgang zuzustimmen. Die Entscheidung wurde vertagt. Zum Vorwurf, der Vorlage würden detaillierte Informationen fehlen, erklärte Sören Lühr, Leiter des Gebäudemanagements Paderborn (GMP), dass der Text auf vorherige Beschlüsse aufbaue. Dennoch wird das GMP den Text nochmals überarbeiten und dann ein zweites mal beraten. Wie Paderborns Technische Beigeordnete Claudia Warnecke sagte, habe die Stadt zwar keinen großen, aber noch etwas zeitlichen Spielraum. Ratsbeschluss bis Ende November nötig Die neue Stadtverwaltung ist der wichtigste und mit Abstand größte Punkt des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK). Hierfür muss die Stadt Paderborn alle Einzelmaßnahmen beim Land Nordrhein-Westfalen anmelden, um mögliche Förderungen zu erhalten. Ursprünglich hätten in Düsseldorf alle absehbaren Vorhaben, die von der Stadt Paderborn im Jahr 2019 eingereicht werden, Ende August vorliegen müssen. Diese Frist wurde bis Ende November verlängert. Bis dahin müsse ein zustimmender Ratsbeschluss her. "Wir haben hier eine ziemlich fette Entscheidung zu fällen", sagte Klaus Schröder (Grüne). Jenseits des Preisgerichts zum Hochbaulichen-Freiraumplanerischen Wettbewerb sei über das Vorhaben bislang wenig diskutiert worden. Schröder sei vor allem überrascht über die Schätzung der Sanierungskosten für die Gebäudeteile A und B von 13 Millionen Euro. Schon vor vielen Jahren seien diese Kosten mit 12,6 Millionen Euro beziffert worden. Die Kostensteigerungen seien offenbar nicht entsprechend berechnet. Schröder vermisste zudem Details zu den letztlich einziehenden Ämtern und städtischen Einrichtungen. Offen sei auch, wie die Planung den Stadthaushalt künftig belaste. Zumal auch der zweite Verwaltungsstandort Hoppenhof nach aktuellem Stand mit 24 Millionen Euro zu Buche schlage, so Schröder. Mit der Alanbrooke-Kaserne als potenziellem Verwaltungsstandort hätte es schon eine bessere Lösung gegeben, für die es auch eine viel höhere Förderung gegeben hätte. Heute würden vom Land 7 Millionen Euro kommen - gegenüber 31 Millionen Euro, die es am Standort Alanbrooke gewesen wären. "Das ist ganz schön heftig gegen die Stadt gelaufen", sagte Schröder. Entscheidung "im Schweinsgalopp" Reinhard Borgmeier (Linksfraktion/Offene Liste) hätte es noch nie erlebt, über eine solche Summe in so kurzer Zeit und "im Schweinsgalopp" zu entscheiden. Mit dem Hoppenhof seien es 100 Millionen Euro. Er wünschte eine intensivere Beratung - auch wenn es beim architektonischen Entwurf einen Konsens gäbe. Harsche Kritik kam von Stephan Hoppe (Für Paderborn), der die Planung einen "Prachtbau" nannte. Baukosten-Steigerungen seien nicht im erforderlichen Maße berücksichtigt. Als die Wahl für den zweiten Standort anstatt auf die Alanbrooke-Kaserne auf den Hoppenhof fiel, sei dies als die günstigste Lösung verkauft worden. Jetzt seien es 100 Millionen Euro, "ein Wahnsinn". Und die Bürger würden dazu nicht gefragt. Markus Mertens (CDU) betonte, dass mit der neuen Stadtverwaltung am Abdinghof Werte geschaffen würden. "Nicht nur für die Angestellten, sondern auch für die Bürger." Auch Mertens vermisste jedoch noch ein paar Informationen. "Wir sind uns einig, dass wir das heute nicht entscheiden können", resümierte Dieter Honervogt, Vorsitzender des Bauausschusses.

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