Paderborn Wie in Paderborn aus Flüchtlingen Fachkräfte werden

Das Potenzial fehlende Arbeitskraft zu ersetzen ist vorhanden

Paderborn. Seit März 2018 bis Dezember 2019 erhält die Stadt Paderborn als Modellkommune eine Förderung im Rahmen des Projektes "Einwanderung gestalten" durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration. "Erfolgreich tätig ist diese nun im Bereich der Arbeitsmarktintegration", erläutert die Stadt in ihrer Pressemitteilung. Gemeinsam werden Perspektiven für die Berufswahl mit den geflüchteten Projektteilnehmern entwickelt Aber wieso ist das so wichtig? Auf der einen Seite herrscht deutschlandweit ein immenser Facharbeitermangel, andererseits gilt es, die motivierten Zugewanderten der Flüchtlingswelle 2015/2016 - mit teilweise mehrjähriger Berufserfahrung - in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese zwei Perspektiven gilt es zusammenzubringen. Viele der neuen Mitbürger haben Sprach- und Integrationskurse sowie berufliche Einstiegsqualifikationsmaßnahmen (EQ) und Praktika absolviert, sind mittlerweile in Deutschland angekommen und auf der Suche nach einer Ausbildung oder einer festen Arbeitsstelle. Sie bringen das Potenzial für fehlende Facharbeiter mit. Mit ihrem Einsatz im Bereich der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter möchte die Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten der Stadt Paderborn die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger in die Arbeitswelt begleiten, aber auch die Unternehmen unterstützen, die ihnen die Chance geben, sich zu beweisen. Das Projekt "Startzeit" hat Geflüchtete im Fokus, die Unterstützung bei der Bewerbung, der Stellensuche und der Vermittlung zwischen Geflüchteten und potenziellem Arbeitgeber benötigen. Dieses findet in Form einer offenen Sprechstunde im Jugendkulturzentrum MultiCult immer montags von 16 bis 20 Uhr statt. Gemeinsam werden Perspektiven für die Berufswahl mit den geflüchteten Projektteilnehmern entwickelt, nach geeigneten Stellenangeboten recherchiert und passende Bewerbungen und Lebensläufe verfasst. Auch eine Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche wird angeboten. Darüber hinaus wird über notwendige Behördengänge sowie über Arbeitnehmerrechte und -pflichten im Arbeitsverhältnis aufgeklärt. Projekt zwei "der Wegbereiter" ist auf Unternehmen ausgerichtet, die Geflüchtete in Ausbildung beschäftigen. Individuelle und maßgeschneiderte Hilfe durch haupt- und ehrenamtliche Unterstützer wird gemeinsam mit dem Unternehmen entwickelt. "Die Organisation, Planung und Durchführung wird durch das Projekt getätigt, so dass eine Einzelförderung des Auszubildenden mit Fluchterfahrung erfolgen kann. Das hilft dem Betrieb und dem Auszubildenden gleichermaßen", sind die Beteiligten überzeugt. "Hilfe zur Selbsthilfe" Ein großes Augenmerk liege hier beispielsweise auf der sprachlichen und mathematischen Zusatzförderung. Die Hilfen werden stets mit den Kooperationspartnern der IHK, SBH und dem Integration Point abgestimmt. "Es ist besonders wichtig, hier keine Doppelstrukturen aufzubauen", so Sozialdezernent Wolfgang Walter. Fachvokabular der jeweiligen Ausbildungsrichtung wird in allgemeinen Sprachkursen nicht gelehrt. Hier besteht bei den Geflüchteten innerhalb der Ausbildung oft Nachschulungsbedarf. Durchgeführt wird die individuelle Hilfe im Rahmen von drei Patenschaftsmodellen: hauptamtliche Paten, ehrenamtliche Paten und "Hilfe zur Selbsthilfe" für die Unternehmen, die einen "Unternehmenskümmerer" bereitstellen möchten, der die Strukturen und Belegschaft der Unternehmen kennt. "Alle im Arbeitsmarktintegrationsbereich oder in der Flüchtlingshilfe tätigen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Unterstützer sind eingeladen, an den Community-Netzwerktreffen teilzunehmen, um sich auszutauschen und zu beraten. Denn soviel steht fest: Es verändert sich stets viel in diesem Bereich und gemeinsam lassen sich Lösungen einfacher finden als im Alleingang", erklärt Verena Kopp, die die Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten leitet. Diese Stelle versteht sich als Bindeglied zwischen dem Ehrenamt und dem Hauptamt. Da generell im Bereich der Arbeitsmarktintegration bereits eine Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten und Zuständigkeiten vorherrscht, sind sowohl die Geflüchteten als auch das Ehrenamt oftmals überfordert. Um die Komplexität zu reduzieren und Transparenz zu schaffen, bietet die Koordinierungsstelle verschiedene Arbeitskreise zwischen Haupt- und Ehrenamt als auch eine Internetplattform an, die alle Angebote der Kooperationspartner zusammenfasst sowie Ansprechpartner und Öffnungszeiten nennt. Wer an dem Projekt interessiert ist, sich als Betrieb oder Ehrenamtlicher am Projekt beteiligen möchte oder selbst als geflüchtete Person Hilfe im Bereich der Arbeitsmarktintegration Unterstützung benötigt, der kann sich an Anja Dick von der Projektleiter wenden (a.dick@paderborn.de). Ausführlich informiert werden in diesen Tagen auch die Kommunalpolitiker über diese Integrationsbemühungen in den heimischen Arbeitsmarkt: Am gestrigen Donnerstag wurde der Integrationsrat informiert, am kommenden Mittwoch der Paderborner Sozialausschuss.

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