Gesprächsrunde: Im Airport-Forum diskutierte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek mit heimischen Wirtschaftsvertretern. Für Carsten Linnemann ist seine CDU-Parteikollegin „eine der authentischsten Persönlichkeiten, die ich kenne". - © Jens Reddeker
Gesprächsrunde: Im Airport-Forum diskutierte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek mit heimischen Wirtschaftsvertretern. Für Carsten Linnemann ist seine CDU-Parteikollegin „eine der authentischsten Persönlichkeiten, die ich kenne". | © Jens Reddeker

Paderborn Wirtschaftsfachleute schütten der Ministerin ihr Herz aus

Sorgen: Auf Einladung von Carsten Linnemann können Praktiker aus dem Kreis Paderborn Anja Karliczek ihre Meinung sagen

Jens Reddeker

Paderborn. Die Ministerin wollte den Gesprächspartnern vielleicht einfach etwas mehr Zeit für die Vorbereitung geben. Anja Karliczek (CDU), in Angela Merkels Kabinett zuständig für die Ressorts Bildung und Forschung, stand aber wohl eher unfreiwillig rund eine Stunde im Stau, bevor sie am Paderborner Flughafen mit weiteren Problemen konfrontiert wurde. Weil sich Unternehmen, Behörden und Kammern in Zeiten des Fachkräftemangels auch im Kreis Paderborn um die Zukunft der dualen Berufsausbildung sorgen, hatte Karliczeks Parteifreund und Abgeordneten-Kollege Carsten Linnemann die Münsterländerin als Gast in eine illustre Runde von Verbandsvertretern und Praktikern gebeten. Reinhild Pötting von der Thüler Schützenschneiderei Heinrich Werner erläuterte, dass sie in den letzten 15 Jahren im Betrieb nur eine Auszubildende gehabt habe - ihre eigene Tochter. Handwerksberufe müssten für junge Menschen wieder attraktiver werden, fordert die kämpferische Schneiderin. "Das Ansehen und der Wert des Handwerks sind in den Augen vieler gesunken." Leiter der Agentur für Arbeit ärgert sich Unterstützung fand sie beim Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, Peter Gödde: "Wir müssen es schaffen, alle Schüler in den Sekundarstufen I und II für Berufsausbildungen zumindest wieder zu interessieren." Industrie und Handwerk fehlt nach eigenen Angaben dafür nicht selten der Zugang zu so manchen weiterführenden Schulen. Rüdiger Matisz, Leiter der Agentur für Arbeit in Paderborn, ärgert es, dass sich Paderborner Gymnasien bei einer Ausbildungsmesse, die sein Haus gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer sowie dem Handwerk organisiert "raus halten". Thomas Koch, Ausbildungsleiter bei Benteler, hält vor allem die fehlenden Kenntnisse aus der Unternehmenspraxis beim Lehrpersonal für ein Problem: "Warum gehört ein betriebliches Praktikum eigentlich nicht zur Lehrerausbildung?" fragt er. Der Paderborner Malermeister Dietmar Ahle sagt, dass er es schwer habe, überhaupt Zugang zu Schulen zu bekommen, wenn er dort mit anderen Handwerkern über Ausbildungsberufe informieren wolle. Der Ministerin gab die Paderborner Runde auch mit auf den Weg, dass sich die duale Ausbildung zügiger an die sich immer schneller drehende Welt anpassen müsse. Maler Ahle berichtet: "In vielen Berufen sind die technischen Fortschritte immens. Doch die Lehrenden sagen dann, dass solche Methoden nicht Teil der Ausbildungspläne seien. Damit kommen wir aber nicht weiter." Das sieht auch Anja Karliczek (Linnemann: "Eine herausragende Doppelkopfspielerin") so. Die gelernte Bankkauffrau und Hotelfachfrau aus Ibbenbüren gibt zu: "Die Anpassung einer Ausbildung dauert oft sehr lange. Im Hotelfach waren es zuletzt sieben Jahre." Auf Hinweis von Peter Gödde ("Da müssen sie einfach Dampf machen, so etwas muss auch mal in zwei oder drei Jahren gehen"), verspricht sie, sich zu kümmern. Darüber hinaus sagt sie für die Bundesregierung: "Wir wollen die berufliche Bildung wieder nach vorne stellen." Die Wirtschaftsvertreter im Kreis hoffen, dass sie davon bald etwas zu spüren bekommen.

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