An Paderborner Schulen, die auf den von der Stadt neu verpflichteten Caterer gesetzt haben, gibt es seit Schuljahresbeginn massive Probleme mit der Mittagsversorgung. - © picture alliance / dpa
An Paderborner Schulen, die auf den von der Stadt neu verpflichteten Caterer gesetzt haben, gibt es seit Schuljahresbeginn massive Probleme mit der Mittagsversorgung. | © picture alliance / dpa

Paderborn Neuer Caterer: Mensa-Chaos in Paderborner Schulen

Seit Schuljahresbeginn blieben in Paderborn die Teller von tausenden Schülern leer

Sabine Kauke

Paderborn. Dass das ein oder andere Schulkind daheim mal über das Mensa-Essen klagt, kommt sicher vor. Die Beschwerden aber, die Eltern seit Schuljahresbeginn von ihren Kindern hören, gehen über dieses Maß weit hinaus. Die Stadt hat einen neuen, auswärtigen Caterer für 6.500 Mittagessen an Grundschulen und weiterführenden Schulen unter Vertrag. Und der ist mit dieser Aufgabe offenbar hoffnungslos überfordert. Bisher kam ein Großteil der Menüs für die Kinder und Jugendlichen verspätet oder sogar nicht. Beilagen fehlten und Essen, was ankam, reichte oft nicht für alle. „In den ersten Tagen wurden 80 Prozent der Kinder nicht versorgt", sagt Stadtsprecher Jens Reinhardt auf Nachfrage der NW. Eine ganz neue Erfahrung, denn der bisherigen Hauptcaterer, Esslust aus Wewer, war stets zuverlässig gewesen. Doch weil dieser Vertrag ausgelaufen war, musste die Stadt die Versorgung mit 6.500 Mittagessen neu ausschreiben und das angesichts eines Auftragsvolumens von 1,6 Millionen Euro pro Jahr europaweit. Das Rennen machte ein Lieferant mit Verwaltungssitz in Bad Meinberg, Produktion in Warendorf und einem Standort in Paderborn-Sennelager. „Die Stadt muss den günstigsten Anbieter nehmen", erläutert Jens Reinhardt. Nach Unternehmensangaben werden in Paderborn 31 Schulen und Kindergärten beliefert. "Für 180 Kinder Brötchen geschmiert" „Der Ausdruck Katastrophe ist noch geschmeichelt. Das ist ein unhaltbarer Zustand", sagt Barbara Haack-Schulze, Leiterin der Offenen Ganztagsschule an der Dionysiusschule. Dort warteten wie beispielsweise an den Grundschulen Riemeke, Alme und Elisabeth oder im Bürgerhaus Schloß Neuhaus hungrige Schüler vergeblich aufs Essen. „An dem Tag haben wir für 180 Kinder Brötchen geschmiert", sagt Barbara Haack-Schulze. Seither werde zwar Essen geliefert, aber teils bis zu zwei Stunden zu spät. „Das sprengt jeden Ablauf, hier ist mittags alles eng getaktet", schildert die OGS-Leiterin die Probleme, die auch andere Schulen haben. Darüber hinaus seien die Mengen nicht immer ausreichend und die Qualität teilweise „fragwürdig". Manches ist daher nicht an die Kinder ausgegeben worden. Auch die Eltern sind zunehmend verärgert, einige „sehr erbost", weiß Barbara Haack-Schulze. Dass die Mengen nicht ausreichen, bekommen auch Schüler in der Mensa von Reismann- und Pelizaeus-Gymnasium zu spüren. „Die Lasagne-Stücke wurden immer kleiner, der Nachtisch reichte nicht für alle", berichten sie. Am Goerdeler-Gymnasium griffen Sekretärinnen sowie Lehrerinnen und Lehrer in ihren Freistunden am ersten Schultag zum Messer und belegten Brötchen aus der Cafeteria für ihre Schüler, als kein Essen geliefert wurde. Auf Kosten des Caterers, berichtet Schulleiterin Helga Lazar. Danach wurde geliefert, aber ebenfalls nicht vollständig. „Bis Mitte dieser Woche lief es immer noch nicht rund". Stadt setzt Nachbesserungsfrist „Nachdem der bewährte Caterer Esslust die Ausschreibung nicht bekommen hat ist das Ergebnis eine unerträglich chaotische Situation, in der Essenslieferungen ausbleiben und teils von unzumutbarer Qualität sind", bilanziert ein Schulleiter. Wie Schuldezernent Wolfgang Walter am Donnerstagabend im Stadtrat erklärte, hat die Stadt dem Caterer eine Nachbesserungsfrist gesetzt. Es gebe zwar Besserungen, man sei aber noch lange nicht da, wo man sein wolle. Walter kündigte einen ausführlichen Bericht zum Schulessen für die Sitzung des Schulausschusses am kommenden Dienstag (17 Uhr, Hoppenhof) an. Der Vertrag mit dem neuen Caterer, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, hat eine Laufzeit von zwei Jahren. In den Schulen wird allerdings schon gemunkelt, dass diese Zusammenarbeit aber auch ganz schnell wieder vorbei sein könnte. In dem Fall wäre dann aber wohl eine neue Ausschreibung notwendig – mit allen damit verbundenen Folgen. CDU fordert: "Probleme zeitnah abstellen" Dass die Leistungen europaweit auszuschreiben sind, hält CDU-Fraktionschef Markus Mertens für „schwachsinnig". Die Firma, die sich mit einem „Kampfpreis" an der Ausschreibung beteiligt habe, gehe „völlig unvorbereitet an die Arbeit", kritisiert Mertens, der sich die Abläufe im Bürgerhaus angesehen hat. Die Rede dort sei von einem gestressten Fahrer und viel zu wenig Personal in Küche und Auslieferung. „Die Probleme sind zeitnah abzustellen", fordert Mertens in einer Pressemitteilung der CDU-Fraktion. Der CDU-Chef erwartet von der Verwaltung, „dass hart durchgegriffen wird". Funktioniere es aber nicht, plädiere er für ein „Ende mit Schrecken". Insgesamt gebe es noch eine Rest-Hoffnung, dass sich alles zum Guten wende, meint jedenfalls Markus Mertens.

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