Ist ein sich ständig verändernder Raum: Die Stadtbibliothek Paderborn. - © Holger Kosbab
Ist ein sich ständig verändernder Raum: Die Stadtbibliothek Paderborn. | © Holger Kosbab

Paderborn Neue Angebote in der Paderborner Stadtbibliothek

Die Digitalisierung bringt Veränderungen mit sich. Die Öffnungszeiten sollen verlängert werden

Holger Kosbab

Paderborn. Insgesamt sinkende Ausleihzahlen, aber ein Anstieg bei der Entleihe digitaler Medien, weniger Besuche und aktive Nutzer, zugleich aber eine längere Aufenthaltsdauer. Dies sind einige Aussagen aus dem Jahresbericht der Stadtbibliothek Paderborn für das Jahr 2017. Die Leiterin Katrin Stroth wird den Bericht am Dienstag im Kulturausschuss des Stadtrats (17 Uhr, Rathaus) vorstellen. Der Jahresbericht für 2017 setzt – im Gegensatz zu früher – nur noch auf ganz wenig auf Zahlen und ganz viel auf Angebote. Diese werden von Mitarbeitern erläutert. „Ihre Beiträge sollen zeigen, dass eine Bibliothek viel mehr ist als Zahlen", sagt Stroth. Doch ganz ohne geht es nicht. E-Ausleihe auf dem Vormarsch Um knapp 30.000 ist die Zahl der Ausleihen auf 618.432 zurückgegangen, die E-Ausleihe zugleich um mehr als 14 Prozent auf 63.699 gestiegen. Mittlerweile geht jeder fünfte Euro des Gesamtetats in digitale Angebote. Die Zahl der Besuche rutschte um mehr als 14.000 auf 305.320. Damit liege Paderborn im Trend, sagt Stroth. Sei eine Bibliothek nicht gerade an einer attraktiven Stelle neu gebaut worden, so gäbe es überall in Nordrhein-Westfalen ein Besucher-Minus von vier bis sechs Prozent. Hauptgrund ist die Digitalisierung der Medien. Früher kamen die Leute in die Bibliothek, liehen sich etwas und gingen wieder. Doch diese Zeiten seien vorbei. Ebenfalls verändert habe sich die Kundenerwartung an die Serviceleistungen. Durch die große Verfügbarkeit im Internet, sollten alle Medien auch in der Bibliothek am besten sofort bereitstehen. Durch all dies sind Bibliotheken heute viel stärker als Treffpunkt und Aktionsort für viele kreative Mitmachangebote gefragt. Vor genau einem Jahr hatte Stroth das neue Konzept vorgestellt, um die Bibliothek für das Publikum attraktiv zu halten oder um neue Kunden anzusprechen. War die Bibliothek zuvor schon ein vielseitiger Lernraum und Treffpunkt, so ist sie seit der Konzeptionsänderung auch ein Raum der Inspiration. In der Breite und mit der hohen Technisierung und Digitalisierung sei dies für eine Bibliothek ungewöhnlich, sagt Stroth. Auch Kollegen aus anderen Bibliotheken, beispielsweise aus Melle oder Detmold, kommen an die Pader, um sich anzuschauen, worauf Stroth und ihr Team bauen. Trotz aller Veränderungen: „Im Fokus steht immer noch der Mensch", betont Stroth. Mit der Vermittlung der neuen Inhalte und Angebote soll denn auch einer möglichen digitalen Spaltung entgegen gewirkt werden. Dies betrifft beispielsweise Kunden, die nicht über eine technische Infrastruktur verfügen oder auch mit der Handhabung überfordert sind. Bibliotheken würden durch die immer wichtiger werdende Funktion als Treffpunkt aber genauso zu einem Gegentrend zu allen digitalen Angeboten, sagt die Stadtbibliotheksleiterin. So werde in Helsinki demnächst eine riesige Bibliothek eröffnet mit einem Kino, einem Theater, einer Sauna und ganz vielen Möglichkeiten. „Die Bürger sind gefragt worden, wie sie sich ihre Bibliothek der Zukunft vorstellen", sagt Stroth. Eine weitere Ausweitung des Angebots wird es in Paderborn auch durch die Open Library geben, die im Jahr 2020 im Adam-und-Eva-Haus an den Start gehen wird. Ohne Personal könnte dort von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein – und das zwar jeden Tag. An einem Tag sollen auch die Öffnungszeiten in der Stadtbibliothek ausgedehnt werden: am Samstag, dem, gemessen an der Öffnungsdauer, ausleihstärksten Tag. Wie weit die Öffnung über die heutige Zeit von 10.30 bis 14 Uhr hinaus geht, will Stroth aber erst im Kulturausschuss sagen.

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