Neu im Ensemble des Paderborner Theaters (v. l.) Carsten Faseler und Robin Berenz. - © Holger Kosbab
Neu im Ensemble des Paderborner Theaters (v. l.) Carsten Faseler und Robin Berenz. | © Holger Kosbab

Neue Schauspieler des Theaters Paderborn im Porträt

Robin Berenz und Carsten Faseler sind in „Andorra“, dem Eröffnungsstück der neuen Spielzeit zu sehen

Holger Kosbab

Paderborn. Sie sind zwar erst wenige Wochen in Paderborn. Doch ihren Lieblingsort haben Robin Berenz und Carsten Faseler, die seit der neuen Spielzeit zum Ensemble des Paderborner Theaters gehören, bereits gefunden. Beide sind begeistert vom Paderquellgebiet und seiner entspannten Atmosphäre. Beide haben hier, am Wasser und umgeben von Bäumen, Büschen und Blumen, auch den Text für ihre ersten Rollen gelernt. Berenz und Faseler, beide 29, stehen derzeit in der Parabel „Andorra" auf der Bühne und erleben zugleich eine intensive Diskussion. Schließlich hat die AfD gegen eine Grafik zum Stück im Programmheft Strafanzeige erstattet gegen das Theater und seine Verantwortlichen wegen Verleumdung und Volksverhetzung sowie Theaterchefin Katharina Kreuzhage mit einer Unterlassungsklage gedroht. Die Situation an sich sei etwas beängstigend, wenn so etwas Freies wie die Kunst so an den Pranger gestellt wird, sagen beide und sind sich einig: Es ist wichtig, dass Stücke wie „Andorra" auf dem Spielplan stehen. Dass die deutsche Geschichte mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust immer wieder und weiter erzählt wird. Notwendig sei aber auch, dass die Menschen dafür einstehen, gegen rechts zu sein. „Je mehr es machen, desto besser", sagt Faseler in Anspielung auf die Gegenproteste zu den Ereignissen in Chemnitz unter dem Hashtag „Wir sind mehr". "Immer etwas mit Theater gemacht" Robin Berenz wurde in Recklinghausen geboren und ist in der Nähe von Duisburg aufgewachsen. Zunächst studierte er Soziologie, fünf Semester lang war er deshalb in Wuppertal. Doch dann war er mehr auf der Bühne, als in der Uni, sagt Berenz. Die allererste Berührung mit Theater hatte er mit 18 Jahren in der Jugendgruppe Spieltrieb, einer bekannten Amateurgruppe, die auch eine feste Größe auf dem Spielplan des Duisburger Theaters sei, das über kein eigenes Ensemble verfüge. „Ab da habe ich immer etwas mit Theater gemacht." Während des Soziologie-Studiums war es das Theater in Cronenberg. „Irgendwann habe ich gedacht: Du kannst den Schritt wagen und dich an einer Schauspielschule bewerben", sagt Berenz. Nach dem Anschluss des Schauspiel-Studiums an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf hat er in Paderborn sein erstes Engagement. Und er sei überrascht, wie schön es in der Stadt ist. Offenbar hat er sich richtig entschieden, als seine Wahl auf das Theater Paderborn fiel und sein gutes Gefühl nach dem Vorsprechen nicht getäuscht hat. Auch Carsten Faseler war schon einmal mächtig überrascht von Paderborn. Als er hörte, dass Libori kommt, hat er das Fest erstmal gegoogelt und dabei vor allem die kirchliche Seite entdeckt. Dass es mehr ist und echt lohnenswert, merkte er, als Libori lief. Geschichtenerzählen und Begegnungen Faseler ist in Essen geboren und aufgewachsen. Er studierte Schauspiel an der Hochschule Musik, Theater und Medien Hannover. 2014 zog er nach Berlin und stand als Gast in Marburg und Stendal auf der Bühne. Schon im nächsten Jahr folgte der nächste Ortswechsel und er ging nach Stendal, wo er im Theater der Altmark bis Sommer sein erstes Festengagement hatte. Im Vergleich zu Berlin war diese Kleinstadt für ihn die totale Entspannung. „Auch wenn da ab nachmittags auf den Straßen nichts mehr los war", sagt er. Das sei in Paderborn echt anders. Überall seien Menschen auf der Straße und es gäbe „mehr Angebote wegzugehen, mehr Cafés, mehr Bars". In Stendal hat er auch Erfahrungen zum Thema Diskriminierung gemacht. Als er „Krieg: Stell dir vor, er wäre hier", ein Stück für Schulklassen spielte, „war es schon erschreckend, was da aus so manchem Kindermund gekommen ist", sagt Faseler. Diskriminierung beginne auf dem Schulhof, wenn „schwul" oder „Jude" Schimpfwörter seien. Zum Theater kam Faseler in Essen durch das Ten-Sing-Projekt des Christlichen Vereins Junger Menschen. Da wollte er zunächst ins Bandprojekt, in dem es aber keinen Platz mehr gab. Er landete im Schauspiel-Workshop. Ab da wusste er, Schauspieler werden zu wollen. Nächste Stationen vor dem Studium waren die Studiobühne in Essen und das Theater der Gezeiten in Bochum. Die Bühne als intensiver Erzählraum Was das Theater für die beiden Neuen im Ensemble ausmacht? Für Faseler ist das Geschichtenerzählen entscheidend: „Ich war immer fasziniert von Geschichten und bin froh, sie beruflich erzählen zu dürfen." Die Bühne ist für ihn ein intensiver Erzählraum, wo die Menschen eintauchen könnten in eine Geschichte, so wie auch am Kinderbett, wenn Mama und Papa erzählen. Geschichten sind für ihn das Mittel der Begegnung mit anderen, sagt Robin Berenz. Ihm geht es um den Moment, der auf der Bühne entsteht, eine einmalige Situation in Reaktion auf das Publikum: „Das macht für mich den Reiz aus." Berenz und Faseler wohnen in verschiedenen Teilen der Paderborner Südstadt. Jenseits der Schauspielerei machen beide Musik. Faseler spielt Gitarre und versucht sich auch an anderen Instrumenten. Außerdem entdeckt er gerade das Bouldern für sich, das Klettern in der Halle. Berenz ist froh über das Schlagzeug, das im Theater steht. Schon früher hat er in einer Band getrommelt und mag es noch immer. Und wann immer er Zeit hat, erschlendert er sich Paderborn. Eine Stadt kennenlernen, das geht am besten zu Fuß. Doch egal, ob es Robin Berenz und Carsten Faseler neben dem Theater laut lieben, es sie hoch hinaus zieht oder sie sich nur treiben lassen: Die Pader dürfte ein wichtiger Punkt bleiben. Für Momente der Ruhe – und zum Textlernen. Als nächstes spielen sie am Theater Paderborn in „Maunz’ und Wuffs guter Tag", einem Kinderstück über die Freundschaft zwischen einer Katze und einem Hund. Und eine Parabel – wie „Andorra".

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