Schulverweigerung erfolgreich beenden: Initiatoren und Förderer der Familienklasse. - © Kreis Paderborn
Schulverweigerung erfolgreich beenden: Initiatoren und Förderer der Familienklasse. | © Kreis Paderborn

Kreis Paderborn Projekt Familienklasse im Kreis Paderborn hilft bei der Versetzung

Wie Pia ihr Selbstvertrauen fand und was sich für sie seitdem verändert hat

Kreis Paderborn. Es ist neun Uhr. Pia hat ihre zweite Unterrichtsstunde. Das Besondere: Ihre Mutter ist dabei. Pia nimmt am Projekt Familienklasse teil. Das gemeinsame Ziel der beiden: Pias Versetzung. Im Kreis Paderborn verlassen durchschnittlich fünf bis sechs Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss. Gründe hierfür können wie bei Pia (Name geändert) auch Schulmüdigkeit und Schulverweigerung sein. Doch niemand verbaut sich mit Absicht die Zukunft. Schulische Probleme gehen häufig mit familiären Problemen einher. Hier genau setzt das Projekt Familienklasse an, das auf Kooperation und Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus setzt: Die Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehr- und Sozialkräfte treffen sich einmal pro Woche in einem Klassenraum, der so genannten Familienklasse, um die Probleme gemeinsam zu lösen. Jugendliche aus den Stufen fünf bis neun nehmen teil Die Krollbachschule in Hövelhof ist als Pilotschule seit 2012 dabei. Nun geht das erfolgreiche Projekt in die zweite Runde. Ab dem Schuljahr 2014/15 wurde das Projekt auf die Hauptschule Büren ausgeweitet. Insgesamt 138 Schülerinnen und Schüler nahmen daran teil. Beim zweiten Projektdurchgang sind die Krollbachschule Hövelhof und die Gesamtschule Büren vom Schuljahr 2017/2018 bis zum Schuljahr 2019/2020 dabei. Ausgewählt werden Jugendliche aus den Jahrgangsstufen fünf bis neun. "Unser gemeinsames Ziel ist es, frühzeitig gegenzusteuern, bevor die Schulmüdigkeit sich verfestigt und am Ende nichts mehr geht", erläutert Landrat Manfred Müller. "Habe gedacht, ich bin einfach dumm" Deshalb sei er sehr dankbar, dass die Bürgermeister von Büren und Hövelhof, Burkhard Schwuchow und Michael Berens, sowie die Reinhard Mohn Stiftung und Karl Bröcker Stiftung helfen würden, das Projekt zu finanzieren. "Familienklasse ist, wenn alle für ein gemeinsames Ziel an einem Strang ziehen", bringt es Yvonne Reclaw, pädagogische Fachkraft von IN VIA auf den Punkt. Mit Pia besuchen neun andere Schülerinnen und Schüler einmal wöchentlich die Familienklasse in der Krollbachschule. Begleitet wird jeder Schüler von mindestens einem Elternteil. Durchgeführt wird die Familienklasse durch eine pädagogische Fachkraft des Trägers IN VIA Paderborn, die das Projekt auch in Büren durchführt sowie einer Lehrkraft der Krollbachschule. "Ich habe gedacht, ich bin einfach dumm, weil ich ständig schlechte Noten schreibe", sagt Pia. Ihr Selbstvertrauen war im Keller. Sie war unmotiviert, fehlte häufig im Unterricht und war unkonzentriert. "In der Familienklasse habe ich gelernt, mich besser zu konzentrieren und so mehr im Unterricht mitzunehmen", sagt Pia. Dadurch wurden auch Pias Noten besser. Konkrete Ziele für die Zeit der Familienklasse Pia und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler haben sich für die Zeit in der Familienklasse konkrete Ziele gesetzt. Pia will sich beispielsweise in jeder Unterrichtsstunde drei Mal melden. Fred nimmt sich vor, pünktlich zum Unterricht zu kommen und Marco möchte sich besser auf seine Aufgaben konzentrieren. Nach jeder Schulstunde holen sich die Schülerinnen und Schüler die Rückmeldung ihrer Lehrer und dokumentieren, inwieweit sie ihre Ziele erreicht haben. Eine Erfolgskurve belegt sichtbar und schrittweise die Entwicklung. In der Familienklasse wird dann gemeinsam darüber diskutiert und reflektiert: Wo lief es gut? Was muss noch besser werden? Die IN VIA-Mitarbeiterin Yvonne Reclaw und Jochen Schroeder arbeiten nicht nur bei den wöchentlichen Treffen mit den Eltern und Schülerinnen und Schülern, sondern beraten die Familien auch Zuhause, suchen das Gespräch mit Lehrkräften und vernetzen sich mit anderen Institutionen, um wirklich jedem zu helfen und mitzunehmen. Pias Ziele haben sich im Laufe der Zeit verändert. Am Ende der Familienklasse hält sie ihr Versetzungszeugnis in der Hand und verkündet stolz: "Nach dem Abschluss im nächsten Jahr möchte ich auf jeden Fall weiter zur Schule gehen und den Realschulabschluss machen."

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