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Liboritrubel: In der Festwoche strömen viele Menschen in die Stadt. Doch am Sonntag bleiben die Geschäfte geschlossen. - © Andreas Zobe
Liboritrubel: In der Festwoche strömen viele Menschen in die Stadt. Doch am Sonntag bleiben die Geschäfte geschlossen. | © Andreas Zobe

Paderborn Gestrichen: Libori endet ohne verkaufsoffenen Sonntag

Bleibt das Ladenöffnungsgesetz wie es ist, müssen City und Peripherie getrennte Wege gehen

Sabine Kauke
04.08.2018 | Stand 03.08.2018, 18:27 Uhr |

Paderborn. Wenn am Sonntag das Libori-Finale über die Bühne geht, wird sich so mancher Besucher verwundert die Augen reiben: Denn anders als in all den Vorjahren bleiben die Geschäfte in Innenstadt und Peripherie an diesem Libori-Sonntag geschlossen. Nicht nur Kunden sind enttäuscht. Nach einer Klage der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte das Mindener Verwaltungsgericht diesen verkaufsoffenen Sonntag gestrichen. So ist es bisher allen beklagten Städten ergangen. Grundsätzlich würde Libori nach dem seit März geltenden Ladenöffnungsgesetz (LÖG) NRW zwar einen verkaufsoffenen Sonntag rechtfertigen, allerdings nur im näheren Umfeld des Festes und nicht in mehrere Kilometer entfernten Einkaufszentren der Peripherie. Nun bleiben die Schotten am Sonntag überall dicht. Und für die Zukunft gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Geschäfte am Stadtrand und City-Läden gehen getrennte Wege – oder das LÖG wird nachgebessert. "Selbstverständlich tut das weh" „Dieser Umsatz fehlt schon", sagt Mützenmachermeister Adolf Heinrichsdorf, Inhaber des gleichnamigen Hutgeschäftes am Marienplatz, auf Nachfrage der NW. Der zweite Liborisonntag sei umsatzstark, zumal viele Besucher aus dem Umland in die Stadt kommen. Er hält die bisherige Regelung mit vier einheitlichen, verkaufsoffenen Sonntagen für vernünftig. „Die Peripherie muss auf jeden Fall weiter dabei sein", sagt Heinrichsdorf. „Wo will man denn die Grenze ziehen? Bei einem Kilometer? Bei zwei?" „Selbstverständlich tut es weh, wenn verkaufsoffene Sonntage wegfallen. Dieses Geld fehlt uns", sagt Martin Johannknecht vom Büroforum Johannknecht am Frankfurter Weg. Auch seine Mitarbeiter seien mit der Entscheidung unzufrieden, sie arbeiteten ganz gern mal sonntags. Ralf Konersmann ist ebenfalls ärgerlich. „Zu Libori darf sich die Stadt nicht mit geschlossenen Geschäften präsentieren. Es geht doch vor allem um das Ansehen des Handelsstandortes Paderborn", moniert der Geschäftsführer des Schuhhauses Wüseke. „Peripherie und City dürfen nicht auseinander gerissen werden", steht auch für ihn fest. „Dass dieser Sonntag wegfällt, das ist schon schmerzhaft", meint Michael Stauber, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof. Beziffern mag er den Ausfall nicht, alle bisher vier verkaufsoffenen Sonntage seien wichtig für den Jahresumsatz. „Wie alle bin auch ich gespannt, wie es jetzt weitergeht", betont Stauber. "Es liegt an Unzulänglichkeiten des Gesetzes" „Noch haben wir keinen Plan", sagt Anne Kersting, Vorsitzende der Paderborner Werbegemeinschaft. Ende August will sich der Vorstand mit Vertretern der Interessengemeinschaften von den Gewerbegebieten Frankfurter Weg, Dören und Südring sowie des Möbelhauses Finke und Geschäftsleuten aus der City zusammen setzen und die Lage erörtern. Einige Kommunen hätten noch Probleme mit der Anwendung des neuen Gesetzes, hatte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart am Rande der Libori-Eröffnung erklärt. In Paderborn sei die Größe des Gebietes „wohl nicht hinreichend begründet" worden. „Wir haben sowohl in der entsprechenden Ratsvorlage als auch gegenüber dem Gericht größtmöglicherweise die Ausstrahlungswirkung von Libori dargestellt. Es ist also nicht richtig, wenn behauptet wird, die Ausstrahlungswirkung sei nicht hinreichend begründet worden", betont die Stadt auf Nachfrage der NW. Das LÖG biete keine Möglichkeit, Standorte, die sich in gewisser Entfernung zur Veranstaltung befinden, wirksam einzubeziehen. „Insofern liegt es nicht an mangelnder Begründung seitens der Stadt, es liegt an Unzulänglichkeiten des Gesetzes", kontert die Stadt. „Die Überarbeitung dieses Gesetzes ist dringend geboten. Es setzt die falschen Akzente", kritisiert auch die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. „Wir werden das im Landtag zum Thema machen." Von möglichen Nachbesserungen hatten die anderen Paderborner Landtagsabgeordneten, Daniel Sieveke (CDU) und Marc Lürbke (FDP), zum Liboriauftakt ebenfalls gesprochen – allerdings vor dem Statement des Ministers, das Sigrid Beer als „ziemlich dreist" bezeichnet. Einkaufen als Teil des Freizeitangebotes Auch nach Ansicht des Paderborner Handelsverbandes bleibt das „Entfesselungspaket", zu dem das LÖG gehört, „hinter den Erwartungen zurück", wie es in einer Mitteilung heißt. Die erwartete Rechtssicherheit für Kommunen bei der Beantragung verkaufsoffener Sonntage gebe es nicht, das zeige die jüngste Gerichtsentscheidung. Das Land sei nach wie vor gefordert, eine einfache, handhabbare Grundlage sowie Rechtssicherheit zu schaffen. Die Ausweitung der Anzahl von vier auf acht mögliche verkaufsoffene Sonntage im LÖG sieht der Handelsverband sogar als Hindernis an. „Um den attraktiven Erlebnisraum Innenstadt als multifunktionales Freizeiterlebnis wahrzunehmen, ist auch die begrenzte Sonntagsöffnung ein wichtiger Bestandteil", so Vorsitzender Ferdinand Klingenthal. Dabei gehe es nicht um eine ausufernde Zahl an Sonntagen. Anzuerkennen sei aber, dass Einkaufen Teil des Freizeitangebotes geworden sei. Bis in die P&C-Zentrale in Hamburg ist die Kehrtwende übrigens spät durchgedrungen: Per E-Mail lud der Textiler Kunden noch Freitagfrüh für Sonntag nach Paderborn ein. Nachmittags die Korrektur. Sorry – aber der Online-Shop sei jederzeit erreichbar. Impressionen und Infos rund um Libori finden Sie in unserem Live-Ticker:

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