Sorgen für reichlich „Kurzweyl“: Die Gaukler der schwedischen Gruppe „Pest und Kolera“. - © Uli Petzold
Sorgen für reichlich „Kurzweyl“: Die Gaukler der schwedischen Gruppe „Pest und Kolera“. | © Uli Petzold

Paderborn Mittelalterliches Treiben vor dem Paderborner Dom

Vor 950 Jahren wurde der Imad-Dom geweiht. Die Aussteller des Mittelaltermarktes ziehen ein gemischtes Fazit

Birger Berbüsse

Paderborn. Wie sich die Zeiten ändern: Vor 950 Jahren kam zur Weihe des Imad-Domes der Erzbischof des damals mächtigen Erzbistums Mainz in das zur Kirchenprovinz gehörende Suffraganbistum Paderborn. Zum 950. Jubiläum dieses Tages kam gestern aus dem nur noch „einfachen Bistum Mainz" ein Weihbischof ins „ehrwürdige Erzbistum Paderborn", um dieses Ereignis gebührend mitzufeiern. So sagte es der Angereiste selbst, Weihbischof Udo Markus Bentz. Er hielt im voll besetzten Paderborner Dom die Predigt des Festhochamtes, zu dem neben vielen Bürgern auch etliche Vertreter aus Politik und Gesellschaft gekommen waren. Bentz zog dabei Parallelen von den baulichen Veränderungen des Doms zum Wandel der Kirche an sich. Er rief dazu auf, dass die Kirche sich den Veränderungen der heutigen Zeit stellen müsse. Rund um die Kathedrale wurde derweil das ganze Wochenende über jene Epoche sicht- und greifbar, in der Bischof Imad einst seine Kathedrale errichten ließ. Denn anlässlich der ersten Paderborner Markttage gab es rund um den Dom den ersten Mittelaltermarkt in der Paderborner Innenstadt. Und dessen gut 30 Stände luden wirklich ein zu einer Reise zurück in die Zeit. Die wurde denn auch von einer ganzen Heerschar an Besuchern angetreten, die sich nicht nur an den authentischen Gewändern und Sprechweisen der Aussteller erfreuten, sondern auch an der reichlichen Auswahl: Es gab natürlich Met und ganz viel Fleisch, aber auch Kleidung, Pfeil und Bogen, Schmuck und Felle. Dieses Angebot brachte auch Familie Schild aus Schlangen nach Paderborn. „Das ist mal was anderes", freuten sich die Eltern Kerstin und Christian. Ihre beiden Söhne Florian (4) und David (5) haben derweil in einem hölzernen Riesenrad Platz genommen – das wird selbstredend nicht per Strom, sondern per Muskelkraft betrieben. Ebenso wie das Pferdekarussell, das sich ebenfalls reichlich Zulauf der kleinen Gäste erfreuen durfte. Für ordentlich „Kurzweyl" auf dem Mittelaltermarkt sorgten die schwedische Gauklergruppe „Pest & Kolera", während die beiden Bands „Klanginferno" und „Absolem" den Besuchern mit Trommeln, Dudelsäcken und Saiteninstrumenten einheizten. Während sich die Paderborner an dem gebotenen Schauspiel erfreuten, zogen einige der mittelalterlichen Marktbeschicker gegenüber der NW ein eher gemischtes Fazit. „Grundsätzlich ein tolles Ambiente – trotz des Gerüsts", urteilt Musiker Thomas von Markwarderode über die Örtlichkeit. Schade sei es jedoch, dass abends schon so früh (22 Uhr) Schluss sein müsse. Auch Rentierfell-Händler Lasse Kaumhaar ist nicht völlig zufrieden. Grundsätzlich sei die Stimmung schön und die Paderborner würden auch Kauflust zeigen. „Aber die moderne Party drumrum ist nicht so gelungen", kritisiert Kaumhaar, dass es auch noch einen Streetfoodmarkt und Musikauftritte gibt. Das sieht „die Bogenhexe" ähnlich. Denn zu einem Stadtfest komme ein anderes Publikum als zu einem reinen Mittelaltermarkt, berichtet Marianne Boka. Dennoch lobt sie den historischen Ort: „Der ist sehr schön."

realisiert durch evolver group