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Beim Begegnungscafé: Der Flüchtlingsarbeitskreis der Schulen St. Michael und die Flüchtlingsfamilien. - © Gymnasium St. Michael
Beim Begegnungscafé: Der Flüchtlingsarbeitskreis der Schulen St. Michael und die Flüchtlingsfamilien. | © Gymnasium St. Michael

Paderborn Irakische Familie verlässt Paderborn - aus Verzweiflung

Trotz guter Integration: Einer alleinerziehenden Mutter fehlt die Kraft, um weiter zu kämpfen. Der Flüchtlingsarbeitskreis St. Michael verabschiedet sich von Rana Al Rahil und ihren Kindern

18.07.2018 | Stand 18.07.2018, 17:21 Uhr

Paderborn. Eine irakische Familie wird aus Paderborn zurück in ihre Heimat gehen. Das habe die alleinerziehende Mutter Rana Al Rahil nun gemeinsam mit ihren drei Kindern schweren Herzens entschieden, schreibt der Flüchtlingsarbeitskreis der Schulen St. Michael in einer Presseinformation zum jüngsten Flüchtlingscafé. Der Mutter fehle mittlerweile einfach die Kraft, um weiter für ein Leben in Deutschland für ihre Kinder und sich zu kämpfen. Seit ihrer Flucht im Jahr 2015 besuchte die irakische Familie regelmäßig das Sprach- und Integrationsprojekt der Schulen St. Michael. Die Tochter Dalia habe mittlerweile mit Erfolg die 5. und 6. Klasse an der dortigen Realschule im regulären Unterricht absolviert. Gemeinsam mit dem Flüchtlingsarbeitskreis habe Rana Al Rahil darum gekämpft, in Deutschland eine neue Heimat zu finden und ein Bleiberecht zu erwirken. Nachdem sie schon einmal eine Aufforderung zur Ausreise erhalten habe, gegen die sie mit Hilfe des Arbeitskreises über eine Rechtsanwaltskanzlei Einspruch erhoben habe und ihr Asylantrag dann doch endgültig abgelehnt worden sei, konnte dieser mit Unterstützung der Paderborner Landtagsabgeordneten Sigrid Beer (Grüne) eine Petition beim Landtag NRW einreichen. Rana Al Rahil hoffte auf eine gute Zukunft in Deutschland Am 23. November des vergangenen Jahres sei dann aus Düsseldorf die positive Antwort gekommen, dass "die Petenten mit ihren Kindern selbst bei einem negativ abgeschlossenen Asylverfahren keine aufenthaltsbeendenden Maßnahmen zu befürchten hätten. Ein weiterer Aufenthalt im Bundesgebiet wäre dann durch die Erteilung von Duldung möglich." Über diese Nachricht wären alle sehr erleichtert gewesen und Rana Al Rahil habe auf eine gute Zukunft in Deutschland gehofft. Dann erhielt sie am 23. April dieses Jahres erneut einen Brief vom Ausländeramt der Stadt Paderborn - wieder mit der "Androhung von unmittelbarem Zwang". Sie und ihre Kinder seien seit dem 19. April 2018 zur Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet. Die irakische Familie beschloss darauf hin, aufzugeben und Kontakt zu ihren Angehörigen im Irak aufzunehmen, um wieder dorthin zurück zu gehen. "Ich kann einfach nicht mehr, denn ich bin ja allein mit meinen Kindern hier und bin erschöpft. Weitere Briefe dieser Art verkrafte ich nicht mehr. Deshalb gehen wir lieber zurück!", habe die alleinerziehende Mutter im Gespräch mit Schulseelsorgerin Bettina Schmidt gesagt. Diese nahm daraufhin direkt Kontakt mit dem Büro des Paderborner Bürgermeisters auf, um das erneute Schreiben zu hinterfragen und wurde sofort von einem seiner Referenten angehört. Einige Tage später bestätigte dieser ihr, dass das Schreiben des Ausländeramtes keine weitere Bedeutung habe, außer dass die Familie sich bei der irakischen Botschaft in Frankfurt gültige Pässe besorgen solle. Familien würden derzeit nicht in den Irak abgeschoben. Es bleibe die Frage, ob man dies nicht auch hätte anders formulieren können? Konsequenzen seien nicht abschätzbar Nun werde Rana Al Rahil also mit ihren drei Kindern (17, 13 und 6 Jahre alt) zurückgehen, weil sie nicht mehr kämpfen und nicht immer wieder Menschen - wie den Flüchtlingsarbeitskreis - damit belasten möchte. Dieser wolle nicht be- und verurteilen, ob das Asylrecht falsch oder richtig sei, aber die Mitarbeiter dieses Kreises, der aus aktiven und pensionierten Lehrerinnen, sowie den beiden Schulseelsorgern der Schulen St. Michael bestehe, fragten sich schon, ob ein Handeln, das am Ende zu solch einer Entscheidung führe tatsächlich menschlich und christlich sei? Niemand könne die Konsequenzen für diese Familie abschätzen, die sich hier in Deutschland gut integriert habe und sicherlich eine Bereicherung darstelle. Wünschen würden sich alle, dass man diese junge irakische Familie mit der alleinerziehenden Mutter mehr unterstützt und willkommen geheißen hätte. Die Schulen St. Michael hätten dafür ihr Möglichstes getan. Der Flüchtlingsarbeitskreis der Schulen St. Michael hatte jüngst seine Flüchtlingsfamilien zu einem Begegnungsnachmittag in die Cafeteria eingeladen. Vier irakische und syrische Familien sind nach wie vor sehr mit dem Kreis verbunden, zumal vier ihrer Kinder mittlerweile erfolgreich als Schülerinnen und Schüler die eigene Realschule und das Gymnasium besuchen.

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