Truppenübungsplatz Sennelager: Alte Panzer dienen den Soldaten als Zielobjekte. - © Marc Köppelmann
Truppenübungsplatz Sennelager: Alte Panzer dienen den Soldaten als Zielobjekte. | © Marc Köppelmann

Paderborn Briten-Entscheidung zur Senne löst Kontroverse aus

Kehrtwende: 200 britische Soldaten bleiben in Paderborn und NATO-Truppen sollen in der Senne üben. Stadt und Kreis finden das prima. "Die ganze Region müsste sich dagegen wehren", fordern Naturschützer

Sabine Kauke

Paderborn. Die überraschende Nachricht, dass nach 2020 rund 200 Soldaten der britischen Armee in Paderborn verbleiben und NATO-Truppen gemeinsam auf dem Truppenübungsplatz Senne üben werden, löst vor Ort nicht nur Jubel aus. Während Paderborns Bürgermeister Michael Dreier und Landrat Manfred Müller die jüngste Entwicklung ausdrücklich begrüßen, sehen die Paderborner Naturschutzverbände, die sich stets für einen Nationalpark Senne stark gemacht haben, darin einen "ganz schlechten Deal", findet Sprecher und Pro Grün-Vorsitzender Fritz Buhr. "Sind die Bürgermeister, die eine Fortsetzung der militärischen Nutzung der Senne begrüßen, von allen guten Geistern verlassen?", fragt Fritz Buhr. Denn diese Entscheidung sei "ganz gewiss nicht im Interesse der Region", weder in wirtschaftlicher, noch in ökologischer Hinsicht. Sie blockiere jegliche Entwicklung dieses wertvollen Naturraums, auch in Richtung Nationalpark. Nicht nur Briten sollen die Senne militärisch nutzen. Aus einem Schreiben von Richard Clements, Kommandeur der britischen Streitkräfte in Deutschland, geht hervor, dass die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und anderen NATO-Alliierten erleichtert und bestehende Trainingseinrichtungen sinnvoll genutzt werden sollen, so auch das "Sennelager Training Centre und die Sennelager Training Area für das NATO-Training." Die Infrastruktur der Athlone-Kaserne in Sennelager soll bis 2023 beibehalten werden. Wie aus einer gemeinsamen Pressemitteilung von Kreis und Stadt Paderborn hervorgeht, hat auch das Deutsche Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass man die die Briten gern als Nutzer der Senne sähe. "Darüber hinaus könnten weitere europäische Partner mit ihren Truppen die Senne nutzen", heißt es. "Nun soll also mit 200 britischen Soldaten und gelegentlich zu Besuch kommenden Truppen anderer NATO-Partner das Kriegüben in der Senne fortgesetzt werden und die unselige Kriegsgeschichte in der Senne soll weitergehen", moniert Fritz Buhr. Wohnraum und Übungsgebiet würden vorgehalten, doch wirtschaftlich bringe das nichts, sondern blockiere die Entwicklung der Ortsteile Schloß Neuhaus und Sennelager. Buhr fordert: "Die ganze Region müsste sich dagegen wenden." Anrainer-Bürgermeister Andreas Bee erklärt auf Nachfrage, dass die Nachricht Klarheit schaffe. "Wir sind in Bad Lippspringe die jahrzehntelange Nachbarschaft auf dem Truppenübungsplatz gewohnt und die Briten nehmen bei den Lärmemissionen große Rücksicht auf unsere Kurstadt". Allerdings: "Die Nationalparkdiskussion wird durch die Fortsetzung der militärischen Nutzung wohl wieder mehr in den Hintergrund treten". Erst am Mittwoch hatte sich der dortige Stadtrat mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Option auf einen Nationalpark offenzuhalten. Der Hövelhofer Bürgermeister Michael Berens freut sich sehr über die Entwicklung. "Das ist das Allerbeste für die Senne, was passieren konnte. Damit ist die Zukunft der Senne geklärt." Die Präsenz der Briten habe gezeigt, dass Naturschutz und militärische Nutzung in Einklang gebracht werden könnten, heißt es in der Mitteilung von Stadt und Kreis. "Ich gehe davon aus", so der Landrat, "dass die fachkundige Betreuung durch die Biologische Station und die Naturschutzbehörden bleiben wird." Mit Familienangehörigen werden rund 700 Briten in Paderborn bleiben. Stadt und Kreis bedauerten, dass sich für die Zivilbeschäftigten der Britischen Armee nichts ändert: 658 Angestellte aus dem Raum Paderborn hatten im März ihre Kündigung zum 31. Dezember 2019 bekommen.

realisiert durch evolver group