Altenpfleger Ferdi Cebi und Kanzlerin Angela Merkel vor dem St. Johannisstift in Paderborn. - © Andreas Zobe
Altenpfleger Ferdi Cebi und Kanzlerin Angela Merkel vor dem St. Johannisstift in Paderborn. | © Andreas Zobe

Paderborn Nach Einladung im TV: Kanzlerin Merkel besucht Paderborner Altenpfleger

Altenpfleger Ferdi Cebi lud die Kanzlerin in der ZDF-Sendung "Klartext" spontan nach Paderborn ein. AfD demonstrierte am Rande der Veranstaltung

Viktoria Bartsch
Birger Berbüsse

Paderborn. Am Montag war es soweit: Bundeskanzlerin Angela Merkel folgte der Einladung von Ferdi Cebi und besuchte das Altenheim St. Johannisstift. Pünktlich um 15 Uhr traf die Kanzlerin ein, gegen 16.45 Uhr war ihr Besuch dann auch schon wieder vorbei. Am Nachmittag machte sie sich ein Bild von der Arbeit des Paderborner Pflegers. Das Medieninteresse an Merkels Besuch war groß - bei ihrem Rundgang durch das Haus wurden Cebi und die Kanzlerin allerdings nur von wenigen Fotografen begleitet. Rund zwei Stunden nahm sich Angela Merkel Zeit und sprach mit Bewohnern, Pflegern und reichte einer Bewohnerin das Essen – hinter verschlossenen Türen, ohne Presse, nur die Bewohnerin, Pfleger Ferdi Cebi und die Kanzlerin, das berichtete nach der Veranstaltung Martin Wolf, Vorstandssprecher des St. Johannisstift. „Es war einfach super", zog er am Nachmittag Bilanz. „Wir haben die Chance genutzt und versucht das Image der Pflege zu verbessern." Bei ihrem Besuch betonte Merkel unter anderem, dass sich die Ausbildung im Pflegebereich verbessern und es eine vernünftige Vergütung geben müsse. Auch Pfleger Ferdi Cebi, der die Kanzlerin im vergangenen September in der ZDF-Sendung „Klartext" spontan ins Johannisstift eingeladen hatte, war nach dem Besuch zufrieden. „Mir hat es richtig gut gefallen und ich denke, dass sie davon auch viel mit nach Hause nimmt." Mit dem großen Medienrummel müsse er noch lernen umzugehen, dennoch sei er froh, dass er momentan „etwas Wichtiges in die richtige Richtung lenken kann", sagte der 36-Jährige. Es sei ein großer Tag für die Pflege gewesen, betonte hingegen Landrat Manfred Müller. „Ferdi Cebi ist ein toller Botschafter und das Thema Pflege muss bundesweit angegangen werden." Und Bürgermeister Michael Dreier sagte: „Merkel hat sich klar geäußert und Werbung für den Pflegeberuf gemacht." Sprechchöre gegen Merkel Doch es gab auch andere Stimmen: Aus Protest gegen die Kanzlerin organisierte die Paderborner AfD eine Kundgebung in der Nähe des Altenheims. Rund 25 Anhänger der Partei demonstrieren am Fürstenweg mit Plakaten, Fahnen und Sprechchören gegen Merkel. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite versammelten sich spontan einige wenige Gegendemonstranten sowie mehrere Schaulustige. Beide Seiten riefen sich gegenseitig ihre Parolen zu; zu Zwischenfällen kam es jedoch nicht. Auch mehrere Pflegekräfte warteten am Eingang, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Jürgen Badtke, seit 25 Jahren in der Pflege tätig, war extra in seiner Arbeitskleidung erschienen. Der 45-Jährige wollte auf den Zustand seiner Branche aufmerksam machen, die in den vergangenen Jahrzehnten „systematisch runtergewirtschaft" worden sei. Die Politik sollte sich schämen, sagt der dreifache Familienvater. Von Merkels Besuch verspreche er sich nichts. „Ich glaube nicht, dass sie in anderthalb Stunden richtige Einblicke in den Pflegealltag bekommt", sagte Badtke. Er habe die Hoffnung längst verloren, dass sich noch etwas ändere. Früher habe er noch für seinen Beruf bei jungen Menschen geworben. „Das kann ich jetzt nicht mehr guten Gewissens tun." Auch die beiden Altenpflegeschülerinnen Alexandra Hellinger-Dennhardt und Anna Tereszczuk warteten auf Merkel. Beide arbeiten im St. Johannisstift und stehen kurz vor ihrem Examen. Sie hätten die Kanzlerin gerne gesehen. „Denn es geht ja um unseren Beruf." Dabei steht für die beiden Mütter nicht das Geld im Mittelpunkt, sondern die Strukturen. „Alltag und Beruf müssen sich besser vereinbaren lassen", fordern sie. Auch über mehr Anerkennung würden sie sich freuen. Die Kanzlerin bekamen weder sie noch die Demonstranten zu Gesicht – Merkel fuhr von der anderen Seite aufs Gelände des Altenheims.

realisiert durch evolver group