Vorstand und Gewählte: Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat des Spar- und Bauvereins Paderborn wurden Hubert Böddeker (3.v.l.), Paul Knocke (l.) und Ernst Warsitz (r.) wiedergewählt. Vorstandssprecher Thorsten Mertens (2.v.r.) und Vorstandsmitglied Hermann Loges (2.v.l.) erläuterten den Lagebericht für 2017. - © SPAR-UND BAUVEREIN PADERBORN/FLÜTER
Vorstand und Gewählte: Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat des Spar- und Bauvereins Paderborn wurden Hubert Böddeker (3.v.l.), Paul Knocke (l.) und Ernst Warsitz (r.) wiedergewählt. Vorstandssprecher Thorsten Mertens (2.v.r.) und Vorstandsmitglied Hermann Loges (2.v.l.) erläuterten den Lagebericht für 2017. | © SPAR-UND BAUVEREIN PADERBORN/FLÜTER

Paderborn Spar- und Bauverein: Skepsis gegen Quotierungen von sozialem Wohnungsbau

orstandssprecher Thorsten Mertens nennt die Nachteile einer 
Wohnungsbaugesellschaft. Die Mietpreisbelastung sei in Paderborn nicht gestiegen

Paderborn. Die aktuellen wohnungspolitischen Themen Paderborns bestimmten die Vertreterversammlung des Spar- und Bauvereins Paderborn. Wirtschaftlich schloss die Genossenschaft das vergangene Jahr erfolgreich ab. Vorstand und Aufsichtsrat werteten dies als Zeichen großer Kontinuität: In diesem Jahr feiert der Spar- und Bauverein Paderborn den 125. Jahrestag seiner Gründung. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Hubert Bödeker, betonte die große Beständigkeit, die die Geschichte des Unternehmens auszeichne. Ein Unternehmen, das über lange Zeit so erfolgreich sei, „muss gelernt haben, mit der Zeit zu gehen", sagte Böddeker. Der Spar- und Bauverein sei als „Big Player" im Immobilienmarkt für die Region unverzichtbar. Seit 125 Jahren übernehme die Genossenschaft generationsübergreifende und nachhaltige Investitionen im Bereich der Wohnungswirtschaft, des Städtebaus und der Infrastruktur. Vorstandsprecher Thorsten Mertens analysierte und bewertete in seinem Lagebericht den aktuellen Paderborner Wohnungsmarkt. Im Gegensatz zu vielen Metropolen und Universitätsstädten sei in Paderborn die Mietpreisbelastung seit Jahren nicht gestiegen. „Die Probleme von München, Hamburg, Berlin sind eben nicht die Probleme von Paderborn", sagte Thorsten Mertens. Kritik an den immobilienwirtschaftlichen Prognosen Der für die Gesamtmiete aufzubringende Budgetanteil der Paderborner Haushalte liege unter der Grenze von 30 Prozent, die allgemein für bedenklich gehalten wird, betonte Mertens. Das gelte vor allem für die Mieter und Mitglieder des Spar- und Bauvereins Paderborn. 5,17 Euro zahlen sie je Quadratmeter. Das sei deutlich weniger als die Paderborner Durchschnittsmiete. Der Vorstandssprecher kritisierte in diesem Zusammenhang die immobilienwirtschaftlichen Prognosen, die auch im Kreis Paderborn „überhöhte Erwartungen" geweckt hätten. „Nicht nur ich, sondern diverse Bauträger und Makler halten ein wenig Zurückhaltung bei der teilweise sehr ausgeprägten Wachstumseuphorie für durchaus geboten." Zudem falle es Investoren auch in Paderborn „bereits seit längerem zunehmend schwer, preisgünstigen Wohnraum zu erstellen", betonte Mertens. Die Immobilienbranche leide unter hohen Kosten: „Preistreiber sind zum einen die Baukosten, zu anderen die öffentlichen Abgaben." Der Vorstandssprecher des Spar- und Bauvereins ging auf ein anderes aktuelles Paderborner Immobilienthema ein. „Sozialpolitisch gut gemeinte Quotierungen" hätten in einigen Großstädten bereits dazu geführt, dass Investoren über den frei finanzierten Wohnungsbau die Quote für die Sozialwohnungen finanzieren. Die Folge seien deutliche Kauf- und Mietpreissteigerungen und eine Vergrößerung des höherpreisigen Wohnungssegments. „Für Mieter, die keinen Wohnberechtigungsschein erhalten, gestaltet sich die Wohnungssuche also schwieriger. Zudem müssen sie mehr für ihre frei finanzierte Wohnung bezahlen", ist Mertens überzeugt. Gründung des Spar- und Bauvereins Die Quotierung fördere die soziale Konzentration homogener Bevölkerungsgruppen in separierten Wohnvierteln. „Soziale Mischung in den Wohnvierteln ist aber wichtig, um die Wohngebiete zu stabilisieren", betonte Thorsten Mertens. Auf kommunalen Grundstücken seit die Quotierung des geförderten Wohnungsbaus „durchaus akzeptabel". Die betreffenden Grundstücke sollten jedoch nicht zu Höchst- oder Marktpreisen verkauft werden: „Die Gegenleistung zu öffentlich geförderten Wohnungen muss ein deutlich reduzierter Grundstückspreis sein." Das gute und sozialverträgliche Wohnen hatten 1893, vor 125 Jahren, die 86 Eisenbahner im Sinn, als sie die Genossenschaft „Spar und Bauverein Paderborn" gründeten. Bis heute erwirtschaftet der Spar- und Bauverein mit Stadt- und Quartiersentwicklung, Stadtumbau, Mietenstabilität und vielfältigen sozialen Leistungen eine „Stadtrendite". Die Genossenschaft leiste damit jetzt schon, so Thorsten Mertens, „was die Befürworter einer neu zu gründenden Wohnungsbaugesellschaft sozialromantisch und kostengünstig erhoffen." Wie seit den Anfängen des Spar- und Bauvereins in der Kaiserzeit bleibt die Realisierung von „sozial- und heute auch umweltverträglichem Wohnungsbau mit solider Architektur für einen breiten Kundenkreis" das Ziel der Wohnungsbaugenossenschaft. Mertens betonte, als größter Akteur auf dem heimischen Wohnungsmarkt habe der Spar- und Bauverein schon immer mietpreisbremsend und damit sozial ausgleichend gewirkt. Wie nachhaltig die Genossenschaft arbeite, zeigten Objekte wie das erste Gebäude der Genossenschaft, das 1894 an Franz-Egon-Straße fertiggestellt wurde und bis heute im renovierten Zustand ein nachgefragtes Mietobjekt sei.

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