Dieses Stück wird genau unter die Lupe genommen: Klaus Potthast (l.) lässt sich von Kunsthistoriker Oliver Gradel im ehemaligen Klostergarten am Stadtmuseum erklären, aus welcher Zeit sein Gemälde stammt. - © Lisa Richter
Dieses Stück wird genau unter die Lupe genommen: Klaus Potthast (l.) lässt sich von Kunsthistoriker Oliver Gradel im ehemaligen Klostergarten am Stadtmuseum erklären, aus welcher Zeit sein Gemälde stammt. | © Lisa Richter

Paderborn Sammlerstücke werden im Paderborner Stadtmuseum begutachtet

Es geht um den Wert eines Sammlerstücks - oder auch einfach um seine Geschichte

Lisa Richter

Paderborn. Das erinnert an die TV-Sendung "Bares für Rares": Rund 40 Interessierte lassen ihre Sammlerstücke begutachten, die sonst in Wohnzimmern oder Kellern hängen oder liegen. Ob Ölgemälde, Spiegel oder Porzellanfiguren: Der Kunsthistoriker Oliver Gradel und seine Lebenspartnerin Silke Köhn nehmen bei ihrer Kunstsprechstunde im Stadtmuseum alles genau unter die Lupe und verraten ihren Kunden, was sie wissen möchten. Von der Geschichte des Schätzchens über den Wert bis zur Möglichkeit, seine Antiquitäten zu verkaufen: Hier soll keine Frage offen bleiben. "'Bares für Rares' habe ich mir das ein oder andere Mal im Fernsehen angeschaut", verrät Gradel schmunzelnd. "Aber mein Vorbild für unsere Kunstsprechstunde ist die Sendung 'Kunst und Krempel'." Auch Klaus Potthast kommt mit einer Menge Fragen und zwei Gemälden zur Sprechstunde. Aber eins steht für ihn fest: Verkaufen möchte er seine beiden Schätzchen nicht. "Mich interessiert der geschichtliche Hintergrund und nur aus Interesse möchte ich auch wissen, wie viel es wert ist. Ich habe schon immer darum gerätselt", sagt der Paderborner. Potthast ist häufig in Museen unterwegs und hat sich schon immer für Kunst und vor allem für Gemälde begeistert. "Dieses Bild habe ich nach einem Besuch in einem Museum in Venedig gekauft", erklärt Potthast dem Experten. "Bis heute hing es in meiner Wohnung und jetzt möchte ich endlich mehr darüber erfahren." Und genau das soll er auch. Motiv aus der antiken Mythologie Mit einer Lupe begutachtet Kunsthistoriker Gradel das Gemälde und stellt schließlich fest, dass das Motiv aus der antiken Mythologie stammt und "Leda und den Schwan" darstellt. "Der Stil des Gemäldes lässt eigentlich darauf schließen, dass das Bild aus dem 16. Jahrhundert stammt. Aber in Wirklichkeit wurde es im 19. Jahrhundert hergestellt und zur Innenraumausstattung benutzt. Womöglich war es in eine Wandvertäfelung integriert", gibt Gradel seine Einschätzung nach einer gründlichen Untersuchung ab. Dabei stützt er sich auf jahrelange Erfahrung: "Man muss einfach viel gesehen haben", sagte er. Seit über 13 Jahren bietet Gradel mit seiner Lebenspartnerin Silke Köhn Kunstsprechstunden in verschiedenen Museen an - unter anderem in Hameln und Beverungen. Diesmal ist eben das Paderborner Stadtmuseum an der Reihe. Es ist nicht ihre erste Sprechstunde in Paderborn, bereits im früheren Stadtmuseum im Adam-und-Eva-Haus haben die beiden Experten ihre Einschätzung abgegeben und alte Schätzchen beurteilt. "Die Nachfrage ist sehr hoch", sagt Gradel zum Interesse der Menschen. Folglich ist diese siebenstündige Kunstsprechstunde komplett ausgebucht. Im Herbst soll es im Paderborner Stadtmuseum erneut eine Kunstsprechstunde geben. Das Angebot ist kostenlos. Interessierte müssen sich allerdings vorher anmelden, um Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie Gegenstände aus Porzellan, Keramik, Silber, Metall und Glas begutachten zu lassen.

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