Die Augen nach rechts: Im Gleichschritt ziehen die 13 teilnehmenden Einheiten der Parade auf dem Domplatz an der Heeresführung und den Zuschauern vorbei. - © Birger Berbüsse
Die Augen nach rechts: Im Gleichschritt ziehen die 13 teilnehmenden Einheiten der Parade auf dem Domplatz an der Heeresführung und den Zuschauern vorbei. | © Birger Berbüsse

Paderborn Großes Goodbye: 1.400 Briten marschieren durch Paderborn

Die wohl letzte große Militärparade lockt Tausende Zuschauer an. Sogar die Queen lässt ein paar Worte an die Paderborner ausrichten

Birger Berbüsse

Paderborn. Bei völlig unbritischem Wetter – knapp 30 Grad, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein – haben die britischen Streitkräfte die Paderborner mit einer Parade in noch nie da gewesenen Dimensionen beehrt. 1.400 Soldaten marschierten gemeinsam durch die Innenstadt. Gemeinsam mit zahlreichen Ehrengästen setzten sie damit ein Zeichen für die deutsch-britische Freundschaft, die auch nach dem bevorstehenden Abzug der Streitkräfte Bestand haben soll. Dabei zeigten sich die Briten völlig unbeeindruckt von der drückenden Hitze und auch das 0:1 gegen Belgien vom Vortag schien keine bleibenden Schäden hinterlassen zu haben. Im imposanten zackigen Gleichschritt, Gewehr oder Degen geschultert, die Augen nach links oder geradeaus, etliche Orden an der Uniform und begleitet von verschiedenen Militärkapellen, zogen die Soldaten vom Maspernplatz in die Stadt. Dort gab es einen Vorbeimarsch an Dom und Rathaus bis zum Westerntor, bevor am späten Abend ein eindrucksvoller Zapfenstreich die Großveranstaltung feierlich abschloss. "Einfach eine andere Welt" Dieses Spektakel ließ sich die Paderborner Bevölkerung natürlich nicht entgehen. Tausende Schaulustige standen gewissermaßen für die „Freedom of the City" genannte Parade und machten fleißig Fotos und Videos mit ihren Smartphones. Unter ihnen war auch Johanna Dyck, die eigens aus Düsseldorf angereist war, um ihrem Freund zuzuschauen. Seit sie mit dem britischen Soldaten zusammen ist, hat sie die Paraden schätzen gelernt. „Das ist einfach eine andere Welt", sagt sie. Zu Beginn der Parade gab es eine große Ehre für vier Einheiten der Brigade. Brigadegeneral Torsten Gersdorf vom Landeskommando NRW verlieh ihnen das Fahnenband der Bundesrepublik „als Zeichen unserer Dankbarkeit". Der Kommandeur des Britischen Heeres, Generalleutnant Sir Patrick Sanders, freute sich über die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte: „Wir alle haben unser Herz an Paderborn verloren." Er betonte die Bedeutung der Parade: Sie sei die letzte dieser Größe in Deutschland. Und er überbrachte „herzlichste Grüße und die besten Wünsche" von niemand Geringerem als der Queen persönlich, die sich auch 40 Jahre nach ihrem Besuch in Paderborn an die große Anteilnahme der Bevölkerung erinnerte. "Immer ein Platz in unserem Herzen" Bürgermeister Michael Dreier betonte in seiner Rede: „Aus ehemaligen Besatzern wurden Verbündete, aus Fremden Freunde." Sie seien ein fester Bestandteil von Stadt und Region geworden. Die britischen Freunde würden „immer einen Platz in unserem Herzen haben". Landrat Manfred Müller erinnerte an die Zerstörung Paderborns durch die Alliierten 1945. „Zu diesem Zeitpunkt haben bestimmt nur wenige gedacht, dass wir einmal traurig sein werden, wenn uns die Briten wieder verlassen", sagte Müller. Auch wenn der Abzug der britischen Truppen näher komme, wünscht sich Müller, „dass zumindest ein kleiner Teil der Briten und Trainingsmöglichkeiten in der Senne bleiben".

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